Sportverletzungen und Sportschäden bei Amateur- und Profispringreitern

Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Analyse von Sportverletzungen und Sportschäden im Springreiten unter Berücksichtigung von Professionalisierungsgrad und präventiven Maßnahmen. Im Rahmen einer Querschnittsbefragung wurden insgesamt 264 aktive Amateur- (n = 159) und Profispringreiter (n = 105) mittels standardisierter Fragebogen nach sportarttypischen Verletzungen und deren Folgen befragt. 636 Verletzungen wurden im Einzelnen beschrieben. Die Verletzungen wurden nach Verletzungsschwere in die Schweregrade I (36,0 %) (keine medizinische Behandlung erfolgt), II (34,6 %) (einmalige medizinische Behandlung), III (20,9 %) (mehrfache ambulante medizinische Behandlung) und IV (8,5 %) (stationäre Behandlung) klassifiziert, wobei 40,4 % der Verletzungen bei Profispringreitern und 23,9 % bei Amateursportlern auf schwere Verletzungen (Grad III oder IV) entfielen. Es ergibt sich eine expositionszeitbezogene Verletzungsrate von 1,1 / 1000 h für Profispringreiter und 2,1 / 1000 h für Amateursportler. Als Verletzungsarten überwiegen Kontusionen (22 %), Distorsionen (16 %) und dermale Abrasionen (16 %). Mit 15 % nehmen Schädel-Hirn-Traumata einen bedeutenden Anteil ein. Frakturen wurden in 12 % der Fälle berichtet. Das Verhältnis zwischen Verletzungen der unteren und oberen Extremität betrug bei Profispringreitern 1,12 und bei den Amateuren 0,85. Als häufigste Unfallursache wurden vom Reiter selbst verursachte Unfälle genannt (53 %). 89 % der Profireiter und 94 % der Amateurreiter gaben an, während des Springreitens immer einen Helm zu tragen. Über persistierende Beschwerden klagten 33,7 % (n = 89) der Amateur- und Profispringreiter. Trotz des vergleichsweise höheren Leistungsniveaus, der größeren reiterischen Erfahrung und besserer Trainingsbedingungen berichten professionelle Springreiter über eine größere Zahl schwerer Verletzungen bei insgesamt niedriger Verletzungsrate. In der Nutzung präventiver Maßnahmen zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen Amateur- und Profireitern. Wenngleich von der regelhaften Verwendung von Schutzhelmen im Springreiten ausgegangen werden kann, findet sich eine ernst zu nehmend hohe Rate an Schädel-Hirn-Traumata.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Biowissenschaften und Sportmedizin technische Sportarten
Veröffentlicht in:Sportverletzung Sportschaden
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: 2011
Online-Zugang:https://www.thieme-connect.de/ejournals/abstract/sport/doi/10.1055/s-0031-1273483
Jahrgang:25
Heft:4
Seiten:222-226
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch