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Kennzahl für die Schwimmtechnik

Einleitung Schwimmen ist eine technisch sehr anspruchsvolle Sportart, und ein großer Teil des Trainings wird deshalb der Verbesserung der Schwimmtechnik gewidmet. Wie kann die Qualität der Schwimmtechnik überhaupt bestimmt werden? Der beste Messwert ist die Zuglänge bzw. die Anzahl Züge, die bei einer bestimmten Geschwindigkeit pro Bahnlänge benötigt werden. Die Zuglänge eines Schwimmers exakt zu messen ist schwierig; man würde dafür eine Videoaufzeichnung und -auswertung in einem vermessenen Schwimmbecken benötigen. Die Anzahl Züge pro Bahn zu zählen ist zwar ungenau, vor allem auf der kurzen Bahn, einerseits weil die Dauer der Gleitphase nach dem Abstossen nicht immer gleich lang ist, und andererseits die Zuglänge auch von der Schwimmgeschwindigkeit und dem Ermüdungsgrad abhängt. Mit zunehmender Geschwindigkeit und Ermüdung nimmt der "Schlupf" zu, d.h. man benötigt mehr Züge pro Bahn. Dennoch ist für eine einfache Beurteilung der Qualität die Kennzahl der Anzahl Züge genügend genau, vor allem dann, wenn eine 50-m-Bahn zur Verfügung steht und die Gleitphase, die Schwimmgeschwindigkeit und der Ermüdungsgrad immer gleich bleiben. Eine genaue Methodik wird unten beschrieben. Bei einer Verbesserung der Schwimmtechnik werden pro Bahnlänge weniger Züge benötigt; dies gilt für alle vier Schwimmlagen. Die Technik hat sich aber auch dann verbessert, wenn mit der gleichen Anzahl Züge schneller geschwommen werden kann. Im Training sollte man sich angewöhnen, die Anzahl Züge pro Bahn zu zählen und beispielsweise darauf zu achten, dass diese in Serien nicht zunimmt (der Ermüdung trotzen). Genaue Messung der Zuglänge für die Technikkontrolle Die genaue Zuglänge kann mithilfe der Schwimmgeschwindigkeit und Zugfrequenz über eine bekannte Distanz berechnet werden (Maw und Volkers 1996), wie im Folgenden gezeigt wird. Der Test besteht aus einer Serie von 7 x 50 m, die in einem 2 Minuten Intervall in einem 50-m-Becken geschwommen werden. Die Schwimmer schwimmen ihre Hauptlage. Die erwünschte Zeit für die 50er wird wie folgt bestimmt: Der langsamste, erste 50er wird etwa 12 Sekunden langsamer geschwommen als die vermutete Tagesbestzeit. Jeder nachfolgende 50er wird nach Möglichkeit 2 Sekunden schneller geschwommen als der vorhergehende, bis zum letzten, siebenten in der vermuteten Tagesbestzeit. Meistens schwimmt man den ersten 50er zu schnell. Es wird von der Wand abgestossen. Mithilfe von zwei Trainingsuhren an jedem Beckenende wird alle 2 Minuten gestartet. Die Zugfrequenz ZF und -länge ZL wird für jeden 50er wie folgt berechnet: Messung der Schwimmzeit über die 40-m-Strecke zwischen den Rückenwendeflaggen auf die Zehntelsekunde (Start bzw. Stoppen der Zeitmessung beim Passieren des Kopfes). Ungefähr bei der 15-m- und 35-m-Marke wird die Dauer von 3 Schwimmzyklen gestoppt (Zyklusbeginn z.B. beim Eintauchen einer Hand; bei Brustschwimmern ist es einfacher, das Auftauchen des Kopfes als Beginn eines Zyklus zu verwenden). Die Zugfrequenz (Zyklen pro Minute) beträgt: ZF = (60 x 3)/(Zeit für die drei Zyklen in Sekunden). Alternativ kann eine Stoppuhr mit Zugfrequenzmessfunktion verwendet werden. Wenn beispielsweise für 3 Zyklen 4.25 Sekunden benötigt werden, beträgt die Zugfrequenz ZF = (60 x 3)/4.25 = 42.4 Zyklen pro Minute. Für die Zugfrequenz bei einem 50er wird der Durchschnittswert der Messungen bei 15 und 35 m verwendet. Die Zuglänge berechnet sich aus der Schwimmgeschwindigkeit geteilt durch die Zugfrequenz: ZL = (V x 60) / ZF. V x 60 ergibt die Schwimmgeschwindigkeit in Metern pro Minute; V berechnet sich als 40 m / benötigte Zeit in Sekunden. Die Werte für die Zuglängen für die sieben 50er werden in einem x-y-Diagramm grafisch aufgetragen: Auf der y-Achse die Zuglängen, auf der x-Achse die Schwimmgeschwindigkeit. Die mehr oder weniger gerade Linie fällt in der Grafik von oben links nach unten rechts ab. Eine Verbesserung der Schwimmtechnik erkennt man entweder daran, dass bei Messungen etwa in monatlichem Abstand die Zuglänge bei gleicher Geschwindigkeit zunimmt (Die Kurve rutscht nach oben), oder die Geschwindigkeit bei gleichbleibender Zuglänge zunimmt (Kurve rutscht nach rechts). Idealerweise verläuft die Kurve wie eine Gerade, wie die in der Grafik vom 5. August. Eine gute Technik sollte vom langsamsten bis zum schnellsten 50er beibehalten werden. Gute Schwimmer können ihre Technik bis zum schnellsten 50er kontrollieren, bei schlechteren Schwimmern fällt die Technik "auseinander", was sich in einem Knick in der Kurve nach unten bemerkbar macht; ab diesem Knickpunkt wird die Technik ineffizient (siehe Grafik, Testergebnis vom 4. Februar).
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Ausdauersportarten
Tagging:Zuglänge Zugfrequenz
Sprache:Deutsch Englisch
Veröffentlicht: 2008
Online-Zugang:https://www.swimnews.ch/Swimming_Stroke_Mechanics/
Dokumentenarten:elektronische Publikation
Level:hoch