Die 200- bis 400-m-Brustlage dominiert bei Knieüberlastungsschäden im Schwimmsport
Hintergrund:Sportschwimmen wird insbesondere für Überlastungsschäden des Skelettsystems verantwortlich gemacht. Dennoch existieren derzeit weder Daten für Schwimmsportverletzungen in Abhängigkeit von der Expositionszeit noch von der Stillage sowie bezüglich des relativen Risikos für das Auftreten von Verletzungen. Hypothese: Schwimmen hat ein niedriges Risiko für akute Verletzungen, jedoch für Überlastungsschäden abhängig von der Schwimmdisziplin und der Exposition. Methoden: 341 leistungsorientierte Schwimmer (19 ± 11Jahre, BMI 20,3 ± 3) wurden eingeschlossen. Seit 10,1 ± 8 Jahren trainierten die Teilnehmer im Mittel 3,8-mal pro Woche (27,8 km) über jeweils 103 ± 38 min an 43 Wochen im Jahr. Die Gesamtexpositionszeit lag bei 988 551 Schwimmstunden, die mittlere Expositionszeit bei 2899 Stunden pro Teilnehmer. Resultate: Die Gesamtverletzungsrate lag bei 0,39 / 1000 h Schwimmexposition. Überlastungsschäden traten häufiger (0,22 / 1000 h) als Akutverletzungen (0,17 / 1000 h) auf. Die obere Extremität war häufiger (0,11 / 1000 h) als der Rumpf (0,067 / 1000 h) und die untere Extremität (0,085 / 1000 h) betroffen. Knieschmerzen dominierten (0,17 / 1000 h) vor Schulterschmerzen (0,11 / 1000 h). Schmerzen am Kniegelenk bei Brustlage waren (relatives Risiko, RR 4,4, p = 0,01) signifikant erhöht. Gerade die 200- bis 400-m-Brustlage war 5,1-fach häufiger (p = 0,001) von Knieschmerzen begleitet als andere Distanzen. Die Freistillage senkte das Risiko für Knieschmerzen signifikant (RR 0,5, p = 0,03). Hier dominierten aber Überlastungsschäden der Schulter. Die Delfinlage erhöht die Verletzungsrate von Schulter (RR 4,4, p = 0,004), Halswirbelsäule (RR 4,0, p = 0,03) sowie am Rücken (RR 2,5, p = 0,011). Schwimmer, die mehr als 4-mal pro Woche trainiert hatten, erhöhten ihr Risiko für Knieverletzungen (RR 2,1) und für Schulterverletzungen (RR 4,0). Ab 43 Trainingswochen pro Jahr steigt das Risiko für Kniebeschwerden (RR 2,1) und für Rückenbeschwerden (RR 2,6). Schwimmer, die mehr als 8 Jahre geschwommen sind, haben ein 3-fach erhöhtes Risiko für Schulterbeschwerden (RR 3,0). Schwimmer, die mehr als 2200 Stunden geschwommen sind, erhöhten ihr Risiko für Knieverletzung (RR 3,0), für Schulterverletzungen (RR 7,0) und für Hüftbeschwerden (RR 4,8). Zusammenfassung: Sportschwimmen ist ein verletzungsarmer Sport, bei dem Überlastungsschäden in Abhängigkeit von der Stillage häufiger als Akutverletzungen auftreten. Gerade die 200- bis 400-m-Brustlage ist eine verletzungsanfällige Distanz. Bei mehr als 4 Trainingseinheiten pro Woche steigt das Risiko für Knie- und Rückenbeschwerden signifikant an. Ab 2200 Trainingsstunden häufen sich Schulter-, Hüft- und Kniebeschwerden erheblich.
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| Notationen: | Ausdauersportarten Biowissenschaften und Sportmedizin |
| Veröffentlicht in: | Sportverletzung Sportschaden |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
2008
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| Online-Zugang: | https://doi.org/10.1055/s-2008-1027987 |
| Jahrgang: | 22 |
| Heft: | 4 |
| Seiten: | 213-219 |
| Dokumentenarten: | Artikel |
| Level: | mittel |