Die Aussagefähigkeit leistungsdiagnostischer Verfahren für die Trainingsmethodik und die Prognose von Wettkampfergebnissen im Sportschwimmen - Eine zusammenfassende Betrachtung aus trainingsmethodischer Sicht.

Unter Berücksichtigung der Hypothese und der empirischen Ergebnisse ergeben sich nachstehende Folgerungen. - Der Einsatz der Schwimmspiroergometrie im Strömungskanal gestattet eine Effektivierung von Meso- und Makrozyklen bezüglich der inhaltlichen Schwerpunkte (Kraft, Technik, Ausdauer, Koordination) und eine gleichzeitige Quantifizierung der Trainingsergebnisse gemeinsam mit den Parametern der Laktat-Leistungskurve. Das Verfahren bildet eine Schnittstelle zwischen Biomechanik, Leistungsmedizin und Trainingsmethodik. - Der Zusammenhang zwischen Kraftaufwand und Bewegungskoordination kann mit einer noch so genauen redaktionischen, kinemetrischen Analyse eines oder mehrerer Bewegungszyklen nur unzureichend analysiert werden. - Die Anpassung an veränderte äußere Bedingungen - zum Beispiel die Zusatzbelastung von 5 N oder die Erhöhung der Anströmgeschwindigkeit ist nur über ein gewisses Maß an Variabilität in der Bewegungskoordination bewegungsökonomisch realisierbar. - Unter Einbindung der Messergebnisse der Schwimmergometrie wird vermutet, dass Schwimmerinnen und Schwimmer, deren Steigerung des Kraftaufwands bei Zusatzbelastung unter dem theoretischen Wert liegt, diese erhöhte Belastung mittels einer Variablen Koordination ausgleichen. Diese Sportlerinnen und Sportler kompensieren die Zusatzlast in Bezug auf die Koordination in der Zone der "Optimalen Variabilität". - Diese Zone ist untersuchungsmethodisch nur erfassbar, wenn nicht einzelne Kennwerte eines Bewegungszyklus analysiert werden, sondern das System als Ganzes in seinem zeitlichen Verlauf zugrunde gelegt wird. Dimensionsmaße können diese Zone beschreiben. - Aus der Sicht der Selbstorganisation scheint es demnach einen Attraktor zu geben, der durch ein Dimensionsmaß gekennzeichnet ist, das sowohl eine zu große Bewegungsvariabilität einschränkt, als auch eine relativ stabile uneffektive Bewegungsausführung begrenzt. Dieser Attraktor wird als ein Modellkonstrukt verstanden, mit dem eine "Optimale Variabilität" der Bewegungskoordination als Ganzheit beschrieben werden kann. - Die mechanische Schwimmleistung (Pmech) und die Widerstandskraft (FR) sind keine direkt gemessenen Normwerte, sondern trainingsmethodische Hilfsgrößen, mit denen der Stand bei der Herausbildung der Bewegungsleistung charakterisiert werden kann. Für eine Trainingssteuerung im Rahmen der Periodisierung des sportlichen Trainings von Schwimmern ergibt sich durch den Einsatz des vorgestellten Analysesystems eine weitere Möglichkeit der Leistungsdiagnostik. Der Vorteil liegt in der ganzheitlichen Erschließung des Trainingszustands bei vorrangiger Berücksichtigung der Leistungsfaktoren "Kondition" und "Technik/Koordination" in ihrer wechselseitigen Verflechtung. Der Trainer hat dadurch die Möglichkeit, seine eingesetzten Mittel und Methoden im Rahmen der Periodisierung des sportlichen Trainings auf Praxisrelevanz zu überprüfen. - Es wird deutlich, dass Sportlern mit annähernd gleichen Leistungsvermögen und gleichwertiger anaerob-laktazider Energiebereitstellung die scheinbar gleichen Leistungsvoraussetzungen in unterschiedlicher Weise zur Realisierung der Test- bzw. Wettkampfleistungen nutzen. Daraus leitet sich die Notwendigkeit einer individuellen Trainingsgestaltung ab, da sich offensichtlich keine eng begrenzte streckenspezifische Differenzierung in den Fähigkeitskomplexen ausgeprägt hat, wie auf Grund der kurzen Belastungszeit vermutet werden könnte. Vielmehr wird innerhalb der Strecken immer noch ein genügend großer Spielraum für die Umsetzung unterschiedlicher Trainingskonzeptionen auf der Grundlage individueller Voraussetzungen erkennbar. - Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass mit zunehmender Erhöhung des disziplinspezifischen Weltniveaus der sportmethodisch konzeptionell nutzbare Raum eingeengt wird, da bestimmte biologische Voraussetzungen und Mechanismen nicht voll kompensiert werden können.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Ausdauersportarten Trainingswissenschaft
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Göttingen 2003
Online-Zugang:http://webdoc.gwdg.de/diss/2003/ali/ali.pdf
Seiten:175
Dokumentenarten:Dissertation
Level:hoch