Wettkampf- und Trainingssteuerung von Marathonläuferinnen und -läufern mittels leistungsdiagnostischer Felduntersuchungen
Es besteht eine hohe Übereinstimmung der Feldtestlaufgeschwindigkeit bei einer Laktatkonzentration von 2,5 mmol/l mit der durchschnittlichen Marathonlaufzeit für die untersuchten Spitzenläuferinnen und -läufer. In Ergänzung mit den nach dem Marathonlauf ermittelten Laktatwerten, die in Übereinstimmung mit anderen Untersuchern stehen, wird eine gute Prognose der Wettkampfleistung möglich. Eine hieraus ableitbare optimale Geschwindigkeitsaufteilung hilft insbesonders in der Anfangsphase eines Rennens solche Laufgeschwindigkeiten zu vermeiden, die zu einer deutlichen Laktatproduktion und einem damit verbundenen geringen Energiedefizit führen, welches in der Endphase eines Marathonlaufs entscheidenden Einfluss auf die Gesamtleistung haben kann.
Im Zusammenhang mit den Ergebnissen aus der Trainingsanalyse, aus denen hervorgeht, dass im wesentlichen unter geringster laktazider Belastung um 1 mmol/l entsprechend 80-86 % zur Testlaufgeschwindigkeit bei 2,5 mmol/l Laktat trainiert wird, ergibt sich ein abgerundetes Spektrum von Trainings- und Wettkampfbelastungen.
Die wesentlichen Trainingslaufintensitäten für den Marathon- und Langstreckenbereich lassen sich anhand entsprechender Laktat-Laufgeschwindigkeitsbereiche und mit gängigen Bezeichnungen aus der Trainingslehre versehen wie folgt darstellen:
1. Als 100-%-Intensität im Marathon- und Langstreckentraining kann unter den beschriebenen methodischen Bedingungen von einer Laktatkonzentration von 2,5 ± 0,5 mmol/l ausgegangen werden. Dieser unter hoher disziplinspezifischer Stoffwechselleistung von 75-90 % VO2 max zuzuordnende Intensitätsbereich wird in der Regel mit Tempodauerlauf bezeichnet. Er kommt überwiegend in der 4 - 6 Wochen vor einem Marathonlauf beginnenden Intensivierungsphase zum Einsatz und wird durch Läufe von anfangs 3 - 5 km, 10, 15 km bis hin zu Vorbereitungswettkämpfen über 10 - 25 km zur Entwicklung der marathonspezifischen Ausdauerleistungsfähigkeit systematisch durch Steigerung der Belastungsdauer entwickelt.
Im Mittel ließ sich für eine Laktatkonzentrationszunahme von 2 auf 3 mmol/l eine entsprechende Geschwindigkeitsdifferenz von 0,2 m/s errechnen. Für den hoch ausdauertrainierten Athleten kommt es bei einem hohen Anteil der laktatfreien VO2 (80 - 90 %) an der VO2 max in einem Bereich einer höheren Leistung gegenüber einer nicht ausdauertrainierten Person zu einem steileren Laktatanstieg, da die Zunahme der VO2 nur vergleichweise in geringem Umfang die Laktatbildung ersetzen kann.
Die Laktatbildungsrate nimmt also gegenüber einer gering oder nicht ausdauertrainierten Person in einem höheren Ausmass zu.
2. Der wesentliche Kilometerumfang (150 - 250 km/Woche) im 3 - 4 Monate dauernden Vorbereitungstraining im Hinblick auf den Marathonlauf findet jedoch unter niedrigerer metabolischer Belastung von 1 - 2 mmol/l Laktat in Kombination der Bereiche für den intensiven, kurzen Dauerlauf (10 - 20 km) bei 90 - 97 % und für den extensiven langen Dauerlauf (bis 40 km) bei 80 - 90 % statt. Dem zuletzt genannten Intensitätsbereich dürfte dabei die größte Bedeutung zukommen, da er einerseits mit den empirisch bestimmten Daten aus der Trainingsanalyse als auch mit Simulationsberechnungen übereinstimmt, wonach hier mit einer maximalen VO2-proportionalen Laktatelimination zu rechnen ist. Dieser Bereich lässt sich mit dem minimalen Laktatäquivalent vergleichen.
Die Energiebereitstellung erfolgt im wesentlichen über die Oxidation der Fettsäuren, da sowohl die Laktatproduktion als auch der Laktat- und Pyruvatspiegel niedrig ist.
Für die Trainingsbereiche J2 und J3 ließen sich entsprechende Geschwindigkeiten von 0,3 bzw. 0,45 m/s ermitteln. Hieran schlieát sich der regenerative Dauerlaufbereich mit niedrigeren Laufgeschwindigkeiten als 80 % an.
3. Die marathonspezifische Laufgeschwindigkeit kann ferner in Abhängigkeit von der individuellen Möglichkeit der Inanspruchnahme des laktaziden Anteils an der Energiebereitstellung zwischen 3 - 8 mmol/l Laktat durch Fahrtspiel, Tempo- und Wiederholungsläufe mit einer Dauer von 3 - 10 min (ca. 1000 - 3000 m) anhand des oberen Verlaufs der Laktatleistungskurve entwickelt werden. Die Laufgeschwindigkeiten liegen dann nochmal ca. 0,4 - 0,5 m/sec über der bei 2,5 mmol/l Laktat im Test ermittelten Geschwindigkeit. Unter der Voraussetzung, dass sich Trainings- und Testumgebung im Profil annähernd gleichen, lassen sich anhand des beschriebenen Felduntersuchungsverfahrens unterschiedliche metabolische Zustände mit relativ guter Präzision in Abhängigkeit von der Dauer und der Intensität geplanter Trainingseinheiten direkt über die Laufgeschwindigkeit steuern.
Neben dem höheren Informationsgehalt zur Trainingssteuerung liegt gegenüber der Laboruntersuchung der Vorteil vor, dass pro Zeiteinheit von einem Untersucher doppelt bis dreimal so viel Probanden untersucht werden können. Als Nachteil muss die Abhängigkeit äußerer Einflüsse auf die Möglichkeit der Untersuchungsdurchführung sowie die geringere Anzahl der zu erhebenden Parameter angesehen werden.
| Schlagworte: | |
|---|---|
| Notationen: | Trainingswissenschaft Ausdauersportarten |
| Sprache: | Deutsch |
| Online-Zugang: | http://www.sportdiagnostik.de/fitness/laufen.html |
| Dokumentenarten: | elektronische Publikation |
| Level: | hoch |