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Wissenschaftliche Studie bringt Chlor und Asthma in Zusammenhang

Belgische Wissenschaftler publizierten in der britischen Zeitschrift 'Occupational and Environmental Medicine' eine Studie, wonach Chlor im Badewasser bei Kindern Asthma erzeuge. Das Chlor solle bei Kindern, die häufig in öffentlichen Badeanlagen schwimmen, die Lungen beeinträchtigen. Wenn Chlor und Stickstofftrichlorid (s. Schluss der Meldung) vom Wasser in die Luft übertreten würde, bilde sich eine schädigende Atmosphäre knapp über der Wasseroberfläche, welche die Lungenepithelzellen angreife. Dadurch könnten andere Reizstoffe, wie Pollen, Russ und andere Partikel leichter Asthmaattacken provozieren. Die belgischen Forscher halten fest, dass ihr Befund eine mögliche Erklärung für den deutlichen Anstieg von Asthma bei Kindern in den vergangenen 20 Jahren bedeute. Über 40% der Eliteschwimmer seien als Asthmatiker registriert. Den belgischen Forschern gelang es nachzuweisen, dass bei Kindern, die sich häufig in Hallenbädern aufhalten, tatsächlich das Lungenepithel geschädigt ist, was es den allergenen Stoffen erleichtere, in das Gewebe einzudringen. Sie konnten auch nachweisen, dass die Lüftung sowie die Grösse der Hallen ein Rolle spielt. Abschliessend stellen die belgischen Wissenschaftler fest, dass die Badewasserrichtlinien einseitig auf die Hygiene und weniger auf die Luftqualität ausgerichtet seien. Kritiker der Studie meinen, dass das Chlor und die Chlorverbindungen nicht ursächlich Asthma erzeugen, sondern nur einen nebensächlichen Beitrag leisten. Die Hauptursachen von Asthma seien Übergewicht, (Passiv-)Rauchen, Luftverschmutzung, Autoabgase und Staubmilben zu Hause. Der hohe Anteil an Asthmatikern bei Schwimmern könne durchaus andere Ursachen haben: Viele Kinder würden gerade wegen des Asthmas zum Schwimmen geschickt. Ein anderer Teil möchte sich die leistungssteigernde Wirkung der Asthmamittel zunutze machen (Doping). Kommentar Redaktion: Die aus hygienischen Gründen gebotene Verwendung von Chlor führt durch Reaktion der organischen Belastungstoffe im Badewasser mit dem freien Depot-Chlor zur Bildung von Desinfektionsnebenprodukten. Diese umfassen Organohalogenverbindungen, insbesondere die gesundheitsschädlichen Trihalogenmethane, sowie Chlorstickstoff-Verbindungen wie Chlorharnstoff, Chloramine (typ. Hallenbadgeruch), Stickstofftrichlorid etc., die als "gebundenes Chlor" erfasst werden. Der Stickstoff stammt aus dem Abbau organischer Verbindungen, v. a. Harnstoff. Molekulares Chlor sowie die Chlorverbindungen kommen bei richtiger Dosierung des Chlors und richtigem pH-Bereich nur in sehr geringer Konzentration im Badewasser vor, der grösste Teil reagiert mit Wasser zur unterchlorigen Säure. Unterchlorige Säure wirkt eigentlich desinfizierend. Bei Verwendung von Ozon/Aktivkohle-Aufbereitungsschritten kann dieses Problem in Grenzen gehalten werden. Auch Chlordioxid führt z. B. zu keiner Chloramin-, Haloform- und Chloritbildung. Wegen der gefährlichen Handhabung von Chlor wird in vielen Bädern Chlor oder Chlordioxid bei der Anwendung synthetisiert (Salzsäure-Natriumhypochlorit-Verfahren).
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Ausdauersportarten Biowissenschaften und Sportmedizin
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: 2003
Online-Zugang:http://www.svl.ch/news_05-03.html#chlor
Dokumentenarten:elektronische Publikation
Level:mittel