Analyse, Bewertung und Optimierung der Startposition beim Tiefstart

Die 100m-Finals zeigen immer wieder, dass es sowohl bei der Startposition als auch bei der Starttechnik relativ große individuelle Unterschiede gibt. Diese sind vor allem Differenzen bei den Athleten im Kraftniveau und bei der Kraftübertragung (Anthropometrie) zuzuschreiben. Sie sind aber auch Resultat unterschiedlicher Auffassungen über das Leitbild der Starttechnik in verschiedenen Verbänden. Mit dieser Studie soll gezeigt werden, wie sich verschiedene Ausgangspositionen auf relevante biomechanische Parameter beim Tiefstart auswirken, wie diese beurteilt und zur Startoptimierung genutzt werden können. Methode: Zur Untersuchung der Varianzen im Bewegungsablauf führten 8 Sprinter (100m BL 10.17-11.20s) an einem Tiefstart-Messplatz (Wank et al., BISp-Jahrbuch, 2010) jeweils 5 Starts aus ihrer Standard-Position aus. Dabei wurden die Segment-Kinematik und die Reaktionskräfte beider Beine und Hände vermessen. Der Einfluss der Startposition wurde an 5 Sprintern untersucht, die aus unterschiedlichen Startstellungen je 2-3 Starts ausführten. Ergebnisse und Diskussion: Die Untersuchungen zur Stabilität des Startvorgangs bei Leistungssprintern zeigten, dass Startparameter wie Reaktionszeit, Druckzeit, Horizontalgeschwindigkeit oder Startwinkel mit zunehmendem Trainingsalter weniger streuen. Die Varianzen der meisten Startparameter waren größer als die der Laufzeiten bis 10m (Beispiel: 10m-Zeit=1.85±0.01s, vxBIock =3.35±0.08m/s). In Bezug auf die Wirkung unterschiedlicher Fertig-Positionen ergaben sich bei vorverlagerter KSP-Position reduzierte Druckzeiten (0.40s±0.05s), höhere Spitzenkräfte und niedrigere Horizontalgeschwindigkeiten (2.96s±0.18s) beim Verlassen des Blocks. Dagegen erreichten die Probanden aus Startpositionen mit zurückverlagertem KSP auf Kosten längerer Druckzeiten (0.43s±0.05s) im Durchschnitt höhere Startgeschwindigkeiten (3.10s±0.15s). In Bezug auf die Laufzeiten bis 10m bzw. 20m ließen sich keine signifikanten Einflüsse einzelner Startpositionen nachweisen. Offensichtlich können Gewinne durch reduzierte Druckzeit oder erhöhte Blockgeschwindigkeit infolge einer veränderten Startposition nur selten über den ersten Beschleunigungsabschnitt mitgenommen werden. Die Ursache hierfür sind geringfügige Veränderungen der Segmentwinkelpositionen bei den ersten Schritten nach ungewohnter Startposition. Diese führen zu Abweichungen im gewohnten Bewegungsablauf und somit zu Verlusten. Die Ergebnisse dieser Studie belegen, dass die Vor- bzw. Nachteile durch Veränderungen der Startposition unmittelbar anhand von biomechanischen Parametern auf der Basis einer Startblockdynamographie nachweisbar sind. Ihr Einfluss auf die Beschleunigungsleistung kann aber in der Regel erst nach einer Anpassungsphase (gegebenenfalls auch Umlernphase) abschließend beurteilt werden.
© Copyright 2014 Neue Ansätze in der Bewegungsforschung. Jahrestagung der dvs-Sektion Biomechanik vom 13.-15. März 2013 in Chemnitz. Veröffentlicht von Feldhaus, Ed. Czwalina. Alle Rechte vorbehalten.

Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Trainingswissenschaft Kraft-Schnellkraft-Sportarten
Tagging:Startblock
Veröffentlicht in:Neue Ansätze in der Bewegungsforschung. Jahrestagung der dvs-Sektion Biomechanik vom 13.-15. März 2013 in Chemnitz
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Hamburg Feldhaus, Ed. Czwalina 2014
Schriftenreihe:Schriften der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft, 235
Seiten:125-130
Dokumentenarten:Buch
Level:hoch