Chinese doping details
(Details des Dopings in China)
Nach Angaben eines früheren chinesischen Staatsbürgers und Mitglieds der Anti-Doping-Kommission des NOK Chinas soll gezeigt werden, wie weit ein Land für das Erreichen von sportlichem Erfolg geht.
Es werden Praktiken und Beispiele aus der Geschichte des chinesischen Hochleistungssports aufgezeigt.
Begonnen hat das systematische Doping in China um 1983-84. Einer der größten Deals war die Zahlung von $900.000 der Provinz Lianing für ein systematisches Dopingprogramm. Bekannte Nebenwirkungen traten auf, z.B. tiefe Stimme sowie bei einigen Sportlerinnen Störungen im endokrinen System. Als besten Zeitpunkt für den Beginn des Dopings erkannte man ein halbes Jahr vor Beginn der Pubertät. Zu diesem Zeitpunkt konnte der Muskelaufbau am besten beschleunigt werden. Außerdem finden in diesem Altersbereich im Prinzip keine Dopingkontrollen statt.
Das Mittel der Wahl war Methyltestosteron in Tablettenform, vor wichtigen Meisterschaften auch als Injektion. Dieses Mittel war sehr wirksam und konnte von den Chinesen gut gesteuert und in den Nebenwirkungen beherrscht werden. Die Einnahme erfolgte 2xtäglich á 5 mg über 2-3 Monate, danach folgte eine 2-3wöchige Pause vor dem WK. Aufgrund der Annahme einer verstärkten androgenen Wirkung des Methyltestostrons wurde außerdem täglich ein Teelöffel mit Steroiden in Form von dehydriertem Fischpulver aufgenommen. Die Steroide wurden in allen Sportarten eingesetzt, in denen Kraft eine Rolle spielte (Schwimmen, Gewichtheben, LA, Radsport, Rudern). Vor dem Erreichen der Pubertät wurden außerdem Wachstumshormone verabreicht (meist in geschlossenen Trainingscamps, wo der Trainer eine Rundumkontrolle über die Sportler hatte, zwei Injektionen monatlich).
Meist gab es eine Gruppe von 20-30 Sportlern, die als Testpersonen zum Herausfinden der optimalen Wirkungskurve fungierten. Einige von ihnen erreichten die Spitze, die meisten wurden mit staatlichen Jobs belohnt.
Vor großen Wettkämpfen erfolgten bei den Nationalmannschaftssportlern Ausreisekontrollen in Labors in China.
Unter Doping gelang es vielen Athleten oft nur 2-3 Mal, Spitzenleistungen zu erbringen. Daher ist im chinesischen Spitzensport auch eine ausgeprägte Athleten-Rotation festzustellen.
Nach dem Bekanntwerden der Dopingpraktiken und dem Aufdecken von Fällen durch internationale Labors regte sich auch Widerstand in Teilen Chinas selbst. Die Erfolge der chinesischen Sportler gingen seitdem drastisch zurück.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Sportgeschichte und Sportpolitik Biowissenschaften und Sportmedizin Ausdauersportarten |
| Veröffentlicht in: | American Swimming Magazine |
| Sprache: | Englisch |
| Veröffentlicht: |
Fort Lauderdale
1998
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| Heft: | 2 |
| Seiten: | 10-12 |
| Dokumentenarten: | Artikel |
| Level: | hoch mittel |