The role of strength in swimming
(Die Bedeutung der Kraft im Schwimmen)
Zur Frage: Wieviel Kraft benötigt ein Schwimmer?
Eine hohe Schwimmgeschwindigkeit kann nicht über eine bestimmte Strecke gehalten werden, wenn sich der Schwimmer am obersten Kraftlevel für den Vortrieb bewegt. Laut SHARKEY gilt: "In den Ausdauersportarten ist die Kraft dann adäquat, wenn die für eine einzelne Kontraktion (einen einzelnen Zyklus) - z.B. Armzug im Schwimmen - aufzuwendende Kraft unter 40 % des Maximalwertes für diese Bewegung liegt.
Ein Schwimmer, der ein Renntempo von ca. 1:05 auf 100 y halten kann und weniger als 40 % des Kraftmaximums dafür aufwendet, wird keine Probleme verspüren, die 500 y in 5:25 zu absolvieren. Ein Schwimmer dagegen, der 70 % des Kraftmaximums für diese 1:05 benötigt, wird noch vor dem Ende der 500 y muskuläre Probleme bekommen.
Schwache Menschen benötigen einen höheren Prozentsatz des Maximums als kräftigere Menschen, wodurch die Ausdauer beeinträchtigt wird (FAHEY). Aber gerade in den Ausdauersportarten kommt es darauf an, hohe Geschwindigkeiten über längere Strecken zu halten. Und dies hängt von der verfügbaren Muskelkraft ab.
Die Kraft bestimmt auch, wo die aeroben Kapazitäten eines Sportlers enden und er in den anaeroben Bereich gelangt.
Aber nicht nur die langen Strecken stehen in direkter Beziehung zur Kraft, sondern auch die Sprints (z.B. 50 m), die von Natur aus anaerob ablaufen. Bei unzureichenden Kraftreserven ist es dem Schwimmer unmöglich, seine technischen Fertigkeiten voll auszuschöpfen und optimal umzusetzen.
Die Antwort auf die Frage "Wieviel Kraft benötigt ein Schwimmer?" hängt davon ab, wie schnell der Schwimmer schwimmen möchte. Es gilt: Jede Verdopplung der Schwimmgeschwindigkeit vervierfacht den Bedarf an mehr Kraft". Richtline von SHARKEY: Der Sportler benötigt etwa 2,5 Mal soviel an Kraftpotential, das für jeden Armzug notwendig ist. Allerdings differiert die Höhe der "Kraftreserve" zwischen Sprintern und Langstrecklern, außerdem ist sie schwer zu messen.
Eine weniger wissenschaftliche denn praktische Variante der Bewertung der Schwimmkraft ist die Beobachtung der Technik bzw. der Schwimmbahn (Freistil) bei intensiver Belastung. Es wird entlang einer Linie (z.B. Leine) geschaut, wo im Vergleich zur Eintauchposition der Hand der Schwimmer mit der Hand das Wasser verläßt. Weicht dieser Punkt um 30 cm oder mehr von der Eintauchstelle ab, so könnte dies ein Zeichen für unzureichende Kraftfähigkeiten sein. Dies zu prüfen sollte der Schwimmer den gleichen Versuch mit Handpaddles absolvieren. Falls unzureichende Kraft die Ursache für das Abweichen ist, müßte diese Differenz sich mit Paddles noch verstärken. Verringert sich die Abweichung, liegen technische Unzulänglichkeiten vor.
Schwimmtraining - auch von vielen km - muß nicht zwangsläufig zu einer Kraftentwicklung führen. Kraftzuwachs wird nur dann angeregt, wenn die Muskeln bei 70 % ihrer maximalen Kapazität (oder mehr) arbeiten. Viele Trainingsformen (z.B. ÜberdistanzÜbungen) erreichen nicht diese erforderliche Intensität. Nur durch schnelles Schwimmen kann Kraftentwicklung stimuliert werden. Daher ist häufig Krafttraining an Land die geeignetere Form zur Kraftentwicklung, da hier mit schweren Lasten unter kontrollierten Bedingungen gearbeitet werden kann.
In den richtigen Relationen trägt das Krafttraining an Land zur Aufrechterhaltung des Kraft-Ausdauer-Gleichgewichts bei. Dieses Gleichgewicht benötigt der Schwimmer, um über eine längere Strecke eine hohe Geschwindigkeit und eine aus biomechanischer Sicht optimale Technik realisieren zu können. Hohe Frequenzen bei hohen Geschwindigkeiten ermöglichen ein Rückführen der Arme über Wasser fast ohne Anstrengung. Bei unzureichenden Ausdauerfähigkeiten auf Grund unzureichender Kraftpotentiale verringert sich die Geschwindigkeit, der Körper sinkt im Wasser ab und der Wasserwiderstand wird daher größer. Je geringer die Zugfrequenz, desto höhere Anstrengungen und Kraftaufwendungen sind für das Rückführen der Arme erforderlich. Diese Negativkette wiederholt sich dann bei jedem Zug (Sterbender-Schwan-Syndrom).
Am Start sollte daher der Schwimmer immer über ausreichende technische, physische und eben Kraftfähigkeiten verfügen. "Ohne das entsprechende Kraftniveau wird ein Schwimmer nie sein maximales Leistungsniveau erreichen können" (YESSIS). Dies gilt für alle Strecken und alle Schwimmer/Schwimmerinnen.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Ausdauersportarten |
| Veröffentlicht in: | American Swimming ASCA Newsletter |
| Sprache: | Englisch |
| Veröffentlicht: |
Fort Lauderdale
1997
|
| Heft: | 11 |
| Seiten: | 1-2 |
| Dokumentenarten: | Artikel |
| Level: | hoch mittel |