Ausbalanciertes Reiten. Das pferdegerechte Trainingskonzept für alle Reitweisen
Wenn man sehr gute Reiter mit ihren Pferden beobachtet, ist es die reine Augenweide eines Zusammenspiels der Bewegungen von Mensch und Tier. Man kann sich schnell ein Bild davon machen, was Reiter und Reitlehrer unter Losgelassenheit und Durchlässigkeit von Pferd und Reiter verstehen, ohne dann schon das Reiter-Pferd-System in einem geschlossenen Energiekreis zu verstehen. Ein näherer Blick auf Bewegungsabläufe im Reiten macht diesen aber sehr schnell deutlich, stellt doch jede Gewichtsverlagerung hier oder eine Hilfe mit dem Schenkel durch den Reiter da beim Pferd eine Veränderung der Bewegungsfreiheit und Haltung des Pferdes dar. Nachdem den Reitern dieses klar wird, sollte es ihnen darum gehen, mögliche Störfaktoren dieser gemeinsamen Bewegungen zu erkennen, diese zu reduzieren oder gar zu eliminieren. Dazu gehören Versuche, das Pferd in seiner Bewegungsfreiheit zu stark einzuschränken, jede seiner Bewegungen kontrollieren und massiv beeinflussen zu wollen. Dazu gehört auch ein sich entwickelndes Verständnis des Reiters von seinen eigenen Unzulänglichkeiten, an denen im Training gearbeitet werden muss (zum Beispiel hinsichtlich seiner Körperkontrolle und -stabilität oder seiner Gleichgewichtsfertigkeiten). Und das Training muss auf Inhalte und Elemente ausgerichtet werden, um die unmittelbare Kontaktstelle zwischen Reiter und Pferd optimal zu gestalten - der Sitz des Reiters. Dieser kann unausbalanciert und/oder instabil sein, woraus sich ständige Probleme für das Gesamtsystem Reiter-Pferd hinsichtlich Gleichgewicht, Stabilität und Bewegungssteuerung, aber auch für die Kommunikation zwischen Reiter und Pferd ergeben können.
Und genau an dieser Stelle setzen die Trainingskonzepte in diesem Ausbildungsbuch von Kerstin Diacont an, die die Ausbildung aber ausdrücklich auf beide Partner - Pferd und Reiter - angewendet haben möchte. Gemeinsam müssen sich diese Partner daran machen, eine zweckmäßige Haltung des Reiters auf dem Pferd zu entwickeln, die für die unterschiedlichen Gangarten eine Tempo-, Richtungs- und Bewegungskontrolle ganz allgemein ermöglicht.
Dazu gehört aber auch, dass Reiter und Pferd Verhaltensmuster erlernen, wiedererkennen und beherrschen, mit denen sie sich verstehen und über die sie miteinander kommunizieren können, was gut und was nicht gut war, was in der nächsten Lektion passieren soll und wie man sich gegenseitig für neue Bewegungsaufgaben motivieren kann.
Um das zu erreichen, ist ein abwechslungsreiches Training wichtig, in dem das Pferd die Hilfen des Reiters nicht als "Dauerdruck", sondern als kürzere Impulse in Intervallen empfindet, erlebt und versteht. Damit wird Vertrauen zwischen den Partnern geschaffen, werden Ängste abgebaut oder beseitigt. Wie das im praktischen Training gemacht werden kann, welche Übungen dafür geeignet sind, wird dem Leser gut nachvollziehbar demonstriert.
Wenn die Autorin darauf setzt, dass das Pferd sehr sensibel auf Hilfen des Reiters reagiert und der wiederum sensibel Bewegungen und Handlungen seines Pferdes versteht, so muss diese wechselseitige Sensibilität schrittweise im Training erarbeitet werden. Welche Übungen und Aufgaben geeignet sind, um diese wichtige Sensibilität zu entwickeln und wie Reiter den richtigen Kontakt zu ihrem Pferden finden, gehört zu den trainingspraktischen Inhalten im Hauptteil des Buchs. Darin befasst sich die Autorin auch mit der Aufgabe, den Zügel zur Bewegungskontrolle zu nutzen, um Pferde an die Biegearbeit zu gewöhnen und ihnen dabei zu vermitteln, was von ihnen erwartet wird.
Insgesamt setzt ihr Ausbildungssystem auf ein komplexes Verständnis von Anatomie, Psychologie, Erziehung und Kommunikation und auf ein gemeinsames Agieren von Reiter und Pferd für harmonische Bewegungen.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | technische Sportarten |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
München
BLV
2011
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| Ausgabe: | München: BLV, 2012, 2., neu bearb. Aufl., Neuausgabe.- 159 S. |
| Seiten: | 159 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | mittel |