Laufen Anatomie

Wer sich nur vom Haupttitel des Buchs leiten lässt, erwartet eine von Anatomen geschriebene Abhandlung zum leichtathletischen Lauf. Ein etwas genauerer Blick auf den Titel erweitert diese Erwartungshaltung schon deutlich, soll es sich doch um einen illustrierten Ratgeber für Technik, Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer handeln - und das ganz offensichtlich mit dem Ziel, die verschiedenen Laufbewegungen durch Muskeltraining zu optimieren - also eher ein Buch für die Hand des Trainingspraktikers. Wer sich eine solch mehrgliedrige Erwartung zu Eigen macht, wenn er das Buch von Joseph Puleo und Patrick Milroy aufschlägt, der wird nicht enttäuscht werden. Die beiden Autoren haben dafür nicht weniger als 50 Trainingsübungen zusammengetragen, mit denen Läufer ihren Muskelapparat mit dem Ziel stärken können, ihre läuferische Leistung weiterzuentwickeln. Ausgehend von einer kompakten Präsentation kardiovaskulärer und kardiorespiratorischer Aspekte und typischer Trainingsmethoden (wie Schwellentraining und VO2max-Training), der Diskussion des technischen Bewegungsablaufs mit Stand- und Schwungphase sowie den Möglichkeiten der Nutzung natürlicher Gegebenheiten im offenen Gelände und der Wirkungen verschiedener Laufgeschwindigkeiten innerhalb eines Trainingsprogramms, wenden sie sich dann ihren Übungen für die verschiedenen Körperregionen zu. Da werden acht Übungen für den Oberkörper (beginnend mit dem Kurzhanteldrücken bis zum Langhantelrudern), sechs Übungen für Arme und Schultern (wie Trizepsdrücken mit Kurzhantel oder Kabelzug), sieben Übungen für die Rumpfmuskulatur (differenziert nach Kreuz und Gesäß einerseits sowie Bauch und Becken andererseits), acht Übungen für die Oberschenkelmuskulatur (für Adduktoren, Quadrizeps und hintere Oberschenkelmuskulatur) sowie sechs Übungen für Unterschenkel und Füße (wie Fersenheber oder Auswärtsdrehen mit dem Gymnastikband) vorgestellt. Damit bietet das Buch einen Kernbestand an erprobten Übungen an, die einfach in Trainingsprogramme eingebaut werden können. Da eines der Ziele der Autoren darin besteht, das Verständnis dafür zu entwickeln, welche Muskeln in welcher Phase der Laufbewegung Beiträge zum Vortrieb leisten, stellt die Erklärung der beabsichtigten Wirkung einer jeden Übung im lauftypischen Kontext einen wichtigen Schwerpunkt dar. Natürlich wird auch die Übung selbst mit ihren Eck- und Schwerpunkten der Bewegung verbal und graphisch dargestellt, wird auf oftmals zu beobachtende Fehler in der Bewegungsausführung aufmerksam gemacht und es werden Bewegungsvarianten vorgestellt, um Abwechslung in das Training zu bringen, ohne das Trainingsziel aus den Augen zu verlieren. Den Abschluss des "anatomischen Lauftrainingsbuchs" bilden zwei Übungssammlungen, die sich dem rehabilitativen Training von Läufern nach Verletzungen zuwenden bzw. die, nachdem im vorderen Teil des Buchs einzelne Muskeln isoliert angesprochen werden sollen, nunmehr Muskelgruppen verschiedener Regionen innerhalb eines typischen Ganzkörpertrainings stabilisieren oder weiterentwickeln wollen (wie zum Beispiel beim Treppensteigen oder bei Schritt-Tiefsprüngen).
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Ausdauersportarten Trainingswissenschaft Biowissenschaften und Sportmedizin
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: München Copress 2010
Ausgabe:München: Copress Sport, 2010.- 188 S.
Seiten:188
Dokumentenarten:Buch
Level:mittel