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Vorläufiger PotAS-Bericht: Potenzialanalyse der olympischen Sommersportverbände 2019. Ergebnisse der Teilbereiche "Struktur" und "Kaderpotenzial/Leistungsentwicklung"

Im Zuge der am 3. Dezember 2016 auf der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbunds verabschiedeten Leistungssportreform wurde ein Paradigmenwechsel hin zu einer potenzialorientierten Bundesforderung der Bundessportfachverbände (Spitzenverbände) eingeleitet. Die Grundlage der neuen Fördersystematik besteht in der Analyse der Spitzenverbände durch die PotAS-Kommission. Für diesen Zweck wurde unter Berücksichtigung sportfachlicher sowie sportwissenschaftlicher Expertise ein Potenzialanalysesystem entwickelt, welches eine disziplin(gruppen)spezifische Bewertung der Spitzenverbände hinsichtlich ihrer Erfolgspotenziale ermöglicht. Im Fokus dieser Analyse stehen innerverbandliche Rahmenbedingungen, die einen bedeutenden Einfluss auf die tägliche Arbeit von Trainern und Athleten haben. Ausgewiesenes Ziel der PotAS-Evaluation ist es somit, die Spitzenverbände und deren Disziplinen mittels des Potenzialanalysesystems hinsichtlich zuvor festgelegter und potenziell erfolgsrelevanter Kriterien zu bewerten und in eine Rangreihenfolge zu bringen. In den vorläufigen Abschlussbericht (November 2019) sind die Bewertungen von 9 aus 13 Hauptattributen aus den Kategorien "Struktur" und "Kaderpotenzial/Leistungsentwicklung" eingeflossen. Nach den Olympischen Spielen 2020 wird die PotAS-Analyse um die Kategorie "Erfolg" ergänzt und der Bericht finalisiert. METHODIK: Es wurden alle olympischen Spitzenverbände mit Ausnahme der vorläufig olympischen Verbände untersucht. Somit sind 26 Verbände des olympischen Sommersports mit insgesamt 103 Disziplinen/Disziplingruppen in der Analyse enthalten. Das Potenzialanalysesystem besteht aus drei Ebenen, die hierarchisch aufeinander aufbauen. Die oberste Ebene umfasst 13 Hauptattribute. Jedes Hauptattribut (mit Ausnahme der Hauptattribute 1-3 innerhalb der Kategorie "Erfolg" gebündelt mehrere der 36 Unterattribute zu übergeordneten Themenschwerpunkten. Die Unterattribute werden durch 132 (Mannschaftssportarten: 133) Fragen operationalisiert (unterste Ebene). Die Fragen folgen dem jeweiligen inhaltlichen Schwerpunkt des entsprechenden Unterattributs. Pro Unterattribut wurde die zu erreichende Gesamtpunktzahl auf 100 % gesetzt, was einer Bewertung aller Fragen einer Disziplin/Disziplingruppe zu diesem Unterattribut mit "JA" entspricht. Die Zahl der mit "JA" bewerteten Fragen pro Unterattribut wurde als Prozentwert relativ zur Maximalpunktzahl im Unterattribut ausgedrückt (z. B. 5 von 7 Fragen wurden von der Kommission positiv bewertet = 5 Punkte . 71,4 %). Die Prozentwerte aller Unterattribute innerhalb eines Hauptattributs wurden gemittelt und ergeben die Gesamtbewertung für das jeweilige Hauptattribut. Die Hauptattribute wurden wiederum dreistufig gewichtet in Hauptattribute mit niedriger (Faktor 1), mittlerer (Faktor 2) und hoher Bedeutung (Faktor 3). Die gewichtete Bewertung der Hauptattribute wurde in ein mathematisches Berechnungsmodell zur Ermittlung zentraler Kennzahlen eingegeben. Hierbei wurden die Hauptattributswerte zu den Kategorien "Kaderpotenzial/Leistungsentwicklung" oder "Struktur" zusammengefasst. Für jede dieser Kategorien wurde der gewichtete Mittelwert der zugehörigen Hauptattributswerte als PotAS-Subwert berechnet. Auf Basis dieser Kennzahlen wurden Rangreihenfolgen gesondert für die Kategorien "Kaderpotenzial/Leistungsentwicklung" und "Struktur" gebildet. Der finale Bericht wird nach den Olympischen Spielen 2020 veröffentlicht und berücksichtigt die Erfolgsattribute 1 bis 3 und das Hauptattribut 4 ("Kaderpotenzial"). ERGEBNISSE: Alle nachfolgend aufgeführten Kennzahlen beziehen sich auf Auswertungen auf der Ebene der Disziplinen/Disziplingruppen. Für die Kategorie "Kaderpotenzial/Leistungsentwicklung" beträgt der durchschnittliche PotAS-Potenzial- u. Entwicklungswert 86,50 % bei einer maximalen Ausprägung von 100 und einer minimalen Ausprägung von 31,46 %. Im Bereich "Struktur" liegt die mittlere Ausprägung bei 80,63 % bei einer maximalen Ausprägung von 97,12 % und einer minimalen Ausprägung von 55,60 %. Die Kategorie "Struktur" ist bereits zum jetzigen Zeitpunkt finalisiert und wird sich nicht mehr verändern. Im Folgenden werden die ersten und letzten drei Platzierungen in der Kategorie "Struktur" aufgeführt. Die ersten drei Plätze der Kategorie "Struktur" belegen die Disziplinen Badminton Frauen/Männer (97,12 % - DBaV), die acht Disziplinen des Deutschen Schützenbundes (95,70 % - DSuB) sowie die Disziplinen Freiwasserschwimmen und Schwimmen, jeweils Frauen und Männer (94,70 % - DSwV). Die letzten drei Plätze in der Kategorie "Struktur" belegen Taekwondo Frauen/Männer (62,41 % - DTaeU), die fünf Disziplinen des Deutschen Ruderverbandes (61,69 % - DRuV) und Synchronschwimmen Frauen (55,60 % - DSwV). DISKUSSION: Bei der Interpretation der vorläufigen Ergebnisse sollte berücksichtigt werden, dass die vorläufige PotAS-Analyse v. a. strukturelle Rahmenbedingungen deutscher Spitzenverbände evaluiert und zueinander ins Verhältnis setzt. Die internationalen Rahmenbedingungen der jeweiligen Sportarten (z. B. Dominanz einer Nation im internationalen Vergleich) bleiben dabei unberücksichtigt. Grundsätzlich zeichnet sich für die Disziplinen des olympischen Sommersports ein positives Bild. Die meisten Spitzenverbände scheinen sich intensiv mit den Themenschwerpunkten der Potenzialanalyse aus dem vorangegangenen Wintersportzyklus auseinandergesetzt zu haben, wodurch sich ein Grossteil der im Mittel hohen Erfüllungsquoten erklären lässt. Auffallend ist, dass 25 der betrachteten 26 Spitzenverbände eine nahezu identische Ausprägung der Strukturattribute über alle Disziplinen des Spitzenverbandes aufweisen. Eine Erklärung für die ausgeprägte Homogenität innerhalb der Spitzenverbande in der Kategorie "Struktur" liegt in der disziplinübergreifenden Beantwortung der Fragen. Dieser Umstand liefert Indizien für einen hohen Zentralisierungs-/Standardisierungsgrad struktureller Rahmenbedingungen über alle Disziplinen innerhalb der jeweiligen Spitzenverbände. An dieser Stelle bietet sich eine Möglichkeit zur Verschlankung zukünftiger PotAS-Analysen durch eine generelle disziplinübergreifende Beantwortung und Bewertung der strukturellen Rahmenbedingungen. Die Analyseergebnisse erlauben eine optimistische Haltung bezüglich der Erfolgsaussichten deutscher Athleten bei zukünftigen Olympischen Spielen.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Leitung und Organisation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Bonn 2019
Online-Zugang:https://www.potas.de/dam/jcr:869becea-0a83-469c-beef-05d14c589fc1/PotAS_vorlBericht_Sommersport2019.pdf
Seiten:35
Dokumentenarten:elektronische Publikation
Level:mittel