Power Profiling als leistungsdiagnostisches Tool im Radsport - Identifizierung leistungsrelevanter physiologischer Zubringergrößen

Die hier durchgeführte Studie ist die Erste, die ein komplexes Power-Profile mit 10 unterschiedlichen Belastungsdauern mit physiologischen Kenngrößen und leistungsbezogenen Kenngrößen aus Labortests vergleicht und korreliert. In früheren Studien waren die Vergleiche/ Korrelationen meist auf einzelne Belastungszeiten beschränkt. Viele der hier erhobenen physiologischen und leistungsbezogenen Variablen zeigen hohe Korrelationen für Belastungen >= 180 s. Dabei zeigt sich jedoch, dass das LM und die CP die höchsten Korrelationen von allen Parametern aufweisen. Zudem zeigte sich, dass die Leistung über 2400 s, mit einer Abweichung von 0 ± 13 W und +4 ± 11 W, recht genau durch das LM und die CP vorhergesagt werden kann. Ausgehend von dieser hohen Übereinstimmung der Leistung am LM bzw. der an der CP und der Leistung über 2400 s, können über prozentuale Angaben des LM auch die Leistungen über andere Zeitintervalle vorhergesagt werden. Für die Leistung über 60 s kann in dieser Studie kein Zusammenhang mit einer der physiologischen Variablen gefunden werden. Die einzigen Parameter, die die Leistung zwischen 1 s-30 s erklären, sind die VLamax und der Power-Index. Der Zusammenhang der VLamax und des Power- Index mit längeren Belastungen ist zwar nur gering, dennoch sind es die einzigen beiden Parameter die einen hohen Zusammenhang mit kurzen und zugleich einen (geringeren) Zusammenhang auch mit längeren Belastungszeiten zeigen. Da laut Hauser et al. (2014) das maximale Laktat-Steady State (MLSS) sowohl durch die VO2max als auch durch die VLamax beeinflusst wird, mag auf Dauer eine Mitbetrachtung in der Leistungsdiagnostik Sinn machen. Auch wir konnten in einer kürzlich veröffentlichten Studie zum ersten Mal die Entwicklung der VLamax über einen längeren Trainingszeitraum und dessen Zusammenhang mit der Entwicklung der CP und dem MLSS dokumentieren (Manunzio et al., 2016). Jedoch fehlen aktuell noch Referenzwerte für diesen Parameter und der Zusammenhang mit längeren Belastung war, wie schon erwähnt, in dieser Studie nur gering. Die Daten zeigen zudem die Nützlichkeit des Power-Index für die Einschätzung der Leistungsfähigkeit von Radfahrern. Der Power Index ist jedoch kein Index der Leistungsfähigkeit an sich, sondern gibt lediglich Auskunft über das Verhältnis zwischen maximaler aerober und anaerober Leistungsfähigkeit (Baron, 2001), welches u. a. von der Spezialisierung des Athleten abhängt. Zudem muss bei der Interpretation des Power-Index das Niveau der aeroben und anaeroben Leistungsfähigkeit mit berücksichtigt werden. Es wird vermutet, dass evtl. ein optimaler Power-Index Bereich für Radfahrer existiert. Radfahrer mit einem Power Index < 40 % müssen primär ihre aerobe Power verbessern, während Radfahrer mit einem Power-Index > 45 % eher ihre anaerober Power verbessern müssen (Baron, 2001). Das von uns vor kurzem veröffentlichte LMTestprotokoll (Wahl et al., 2016) scheint von allen hier durchgeführten Tests die komplexesten Aussagen zuzulassen und ist zudem die zeitsparendste aller Möglichkeiten. Der vorgeschaltete 15 s Sprinttest erlaubt u. a. die Bestimmung der VLamax und der PPO, der Rampentest (RT) u. a. die Bestimmung der VO2max und der PPO RT und der anschließende LM-Test eine genaue Bestimmung des LM/MLSS, respektive eine genau Vorhersage der Durchschnittsleistung über 40 min. Aus den Daten PPO und PPO RT lässt sich zudem der Power-Index berechnen. Die Bestimmung der CP aus den Leistungsdaten über 180 s, 300 s, 600 s und 1200 s lässt eine ebenso genaue Bestimmung der Leistung über 2400 s zu und ist somit eine geeignete Methode/ Alternative im Feld. Zur Bestimmung der Leistung über die 4 Zeitintervalle sind jedoch mindesten zwei hochbelastende Testtage notwendig, die jedoch ggf. ins Training integriert werden können. Zudem wurde die Durchschnittsleistung über die 4 Zeitintervalle auf einem Ergometer im Labor im Isokinetik-Modus erhoben. Die Übertragbarkeit ins Feld muss demnach noch geprüft werden. (vom Autor übern. gek.)
© Copyright 2018 BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2016/17. Veröffentlicht von Sportverlag Strauß. Alle Rechte vorbehalten.

Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Trainingswissenschaft Ausdauersportarten
Veröffentlicht in:BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2016/17
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Hellenthal Sportverlag Strauß 2018
Online-Zugang:http://my.page2flip.de/2895682/14185088/14185117/html5.html#/64
Seiten:63-69
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch