Vorbemerkungen zur Olympia- und Olympiazyklusanalyse in den Spiel- und Zweikampfsportarten

(Preliminary remarks on the analysis of the Olympic Games and the Olympic cycle in game and combat sports)

Weltstandsanalysen gehören zu den Kernkompetenzen des Instituts für Angewandte Trainingswissenschaft und beinhalten die Objektivierung von Wettkampfleistungen und Leistungsentwicklungen auf der Basis von umfangreichen Wettkampfbeobachtungen (www.sport-iat.de). Im Fachbereich Technik-Taktik, in dem die Spielund Zweikampfsportarten vereint sind, wurden in den letzten Jahren die Methoden der Wettkampfbeobachtung kontinuierlich weiterentwickelt, um diese Weltstandsanalysen qualitativ zu verbessern (siehe zusammenfassend Heft 1/2012 der Zeitschrift für Angewandte Trainingswissenschaft). Neben einer umfassenden Analyse von Einzelkämpfen in den Zweikampfsportarten und einer dezidierten Betrachtung der Einzel- und Mannschaftsleistungen in den Spielsportarten ist für Weltstandsanalysen bzw. zusammenfassende Leistungsbeurteilungen grundlegend anzumerken, dass in diesen Sportarten von einem Primat der Taktik unter der Prämisse einer hinreichenden individuellen technisch-taktischen und konditionellen Leistungsfähigkeit ausgegangen werden muss. Einfache Ergebnisgegenüberstellungen mit erstplatzierten Sportlern oder Mannschaften sind somit weder angezeigt noch zielführend. Vielmehr führt die herausragende Bedeutung taktischer Einflussgrößen zu kaum kalkulierbaren "Unwägbarkeiten" auch auf höchstem Leistungsniveau, ohne dass deshalb eine unzureichende Leistung konstatiert werden könnte, wie es Markus Weise, Herrenbundestrainer im Deutschen Hockey-Bund, in einem Interview sehr treffend formuliert hat (siehe Hecker & Penders, 2012). Weiterhin muss zwischen Erfolg (Wettkampfergebnis, Medaillen) und Leistung differenziert werden, da ein hohes Leistungsniveau zwar eine notwendige, jedoch keine hinreichende Bedingung für den Erfolg darstellt. Gerade in den Zweikampfsportarten führt auch eine hohe Leistung aufgrund subjektiver und damit unzureichend validierter Bewertungssysteme nicht zwangsläufig zum Medaillenerfolg. Des Weiteren ist anzumerken, dass sich eine objektive trainingswissenschaftliche Analyse der gezeigten Wettkampfleistung in den Spielen und Zweikämpfen aufgrund oftmals fehlender messbarer Parameter als äußert schwierig erweist. Daher wird insbesondere in der Sportspielforschung auf der Ebene des Wettkampfverhaltens zwischen Spielwirksamkeit und Spielleistung differenziert (Hohmann, 2005). Die Spielwirksamkeit bzw. ein Spielwirksamkeitsindex gestattet mithilfe quantitativer und qualitativer Daten die objektive und zuverlässige Erfassung und Bewertung von positiven und negativen Spielhandlungen und damit die Berechnung von Effektivitäts- und Effizienzparametern. Auf deren Grundlage können Trainingsziele und -inhalte sowie Anforderungs- und Belastungsprofile bestimmt bzw. modifiziert werden. Auch in den Zweikampfsportarten existiert eine inhaltlich vergleichbare Differenzierung zwischen Wirksamkeit/Wirksamkeitsgrad und Leistung, die in unseren Weltstandsanalysen Beachtung findet. Demgegenüber liegt der Einschätzung der komplexen Spiel- und Zweikampfleistung eine subjektive Bewertung durch ausgewiesene Sportartenexperten, Bundestrainer und Sportdirektoren zugrunde, die ebenso trainingspraktische Konsequenzen für das Training hat.
© Copyright 2012 Zeitschrift für Angewandte Trainingswissenschaft. Meyer & Meyer Verlag. Veröffentlicht von Meyer & Meyer. Alle Rechte vorbehalten.

Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Trainingswissenschaft Spielsportarten Kampfsportarten
Veröffentlicht in:Zeitschrift für Angewandte Trainingswissenschaft
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Aachen Meyer & Meyer 2012
Online-Zugang:https://open-archive.sport-iat.de/sponet/ZATW_2012_02_9_15_Buesch.pdf
Jahrgang:19
Heft:2
Seiten:9-15
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch