Screening der totalen Hämoglobinmenge bei Triathleten und professionellen Radrennfahrern

(Screening of total hemoglobin mass in triathletes and professional cyclists)

Mittels neuer statistischer Verfahren können individuelle Veränderungen von hämatologischen Größen mit denen einer Referenzpopulation verglichen und die Wahrscheinlichkeit eines nicht normalen Verhaltens und somit einer Dopingprävalenz aufgezeigt werden. Methoden: In diesem Zusammenhang wurden Daten von 15 professionellen Radrennfahrern und von 16 Triathleten, die zwischen 1997 und 1999 zu drei Zeitpunkten (November, März und Juni/Juli) erhoben worden waren, reanalysiert. Messgrößen waren die totale Hämoglobinmenge und weitere hämatologische Parameter, Größen des Eisenhaushalts und der erythropoietischen Aktivität sowie die VO2max auf dem Fahrradergometer. Ergebnisse: Die tHb-Menge nahm bei den Radrennfahrern im Gegensatz zu den Triathleten von November bis März deutlich zu (+ 66 ±49g), wobei sich zwei sehr homogene Untergruppen zeigten (tHb in Untergruppe I: +22 ±24g, Untergruppe II: + 110 ±12g). Bei 8 von 15 Radrennfahrern wichen die tHb-Werte mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 1:100 (z-score>2,33) von denen einer nicht Dopingbelasteten Referenzpopulation ab. Bei 5 von ihnen fällt die Irrtumswahrscheinlichkeit auf 1:1.000 (z-score>3.09) und bei zweien auf 1:100.000 (z-score>4,26). Hämoglobinkonzentration ([Hb]) und Hämatokrit (Hkt) waren bei den Triathleten aufgrund starker Plasmavolumenexpansion (+ 454 ±276ml) vermindert, bei den Radrennfahrern stiegen beide Größen deutlich an (Differenz der Veränderungen für [Hb] 1,2±1,4 g/dl, für Hkt 3,8 ±1,5 %). Der Serum-Transferrinrezeptor blieb bei den Triathleten unverändert, war aber bei den Radrennfahrern im November gegenüber März stark (-46±23%) erniedrigt. Die VO2max zeigte keine Veränderungen bei den Triathleten und stieg bei den Radrennfahrern deutlich an, wobei eine enge Korrelation mit dem Anstieg der tHb- Menge bestand (p<0.01). Schlussfolgerungen: Da physiologische Einflussfaktoren auf die Blutbildung (z.B. Höhentraining) ausgeschlossen werden können, kann bei bis zu 8 der hier untersuchten Radrennfahrer eine Blutmanipulation in Betracht gezogen werden.
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Bibliographic Details
Subjects:
Notations:endurance sports biological and medical sciences
Published in:Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin
Language:German
Published: 2008
Online Access:https://www.germanjournalsportsmedicine.com/fileadmin/content/archiv2008/heft06/Artikel%20Schmidt.pdf
Volume:59
Issue:6
Pages:146-152
Document types:article
Level:advanced