Vergleichende Bewertung des Standard-3-min-Stufentests mit dem sportartspezifischen Test der DTU

Diskussion und Schlussfolgerungen: Die vergleichbaren Schwellengeschwindigkeiten und -Wattleistungen sowie die dazugehörigen Herzfrequenzen bei den fixen Schwellen Laktat-3 und Laktat-4 und die hohen Korrelationen zwischen den Messwerten beider Testprotokolle zeigen, dass keine zwingende Notwendigkeit für die zeitaufwendigeren und für die Athleten viel belastenderen Triathlon-Stufentests gegeben ist. Selbst die an der Signifkanzgrenze differenten individuellen anaeroben Schwellen fordern den Triathlontest nicht. Die Differenzen liegen zudem im Bereich der Variabilität bei wiederholten Belastungen mit einem gleichen Testprotokoll, die mit etwa 4 % oder 10 Watt angegeben wird (8, 9). Zum einen ist die Berechnung einer individuellen anaeroben Schwelle nach dem Tangentenmodell für 3-min-Stufentests abgeleitet und eine Anwendung auf andere Testprotokolle eigentlich unzulässig. Zweitens ergaben sich in allen Fällen relativ konstante Differenzen (- 0,30 ± 0,25 km/h bzw. - 16 ± 12 W), die eine Umrechnung zulassen würden. Drittens hat sich gezeigt, dass mit den Standard-Testprotokollen eher eine Leistung nahe dem maximalen Laktat-Steady-State erhalten wird als mit den Belastungsmodi der Triathlontests. Vielfach wird die individuelle anaerobe Schwelle eines 3-min-Stufentests als direktes Maß des maximalen Laktat-Steady-State angesehen (14, 15, 16); im statistischen Mittel scheint dies zuzutreffen und heute als gültig akzeptiert zu werden (7). Viertes und letztlich wichtigstes Argument ist, dass anders als beim Standardprotokoll auch nicht annähernd eine Ausbelastung erreicht wird. Aus der Literatur ist bekannt, dass die Endleistung mit zunehmender Stufendauer abfällt (6, 11). Eine Hochrechnung der VO2max, wie beim Standardtest vielfach praktiziert, ist bei den Triathlontests damit nicht möglich. Hierzu ist ein gesonderter Test erforderlich, wie seitens der DTU auch vorgesehen wird. Wesentlicher ist noch, dass keine Aussage über die Lage der fixen bzw. individuellen anaeroben Schwelle in Prozenten zur Maximalleistung möglich ist, die von vielen Untersuchungsstellen auch als ein Maß des Anpassungsgrades an Ausdauerbelastungen in die Leistungsbewertung mit einbezogen werden (s. 13). Soweit die Argumente dagegen. Der Triathlontest hat indes auch Vorteile. Einmal eine individuell normierte, im Vergleich zum Standardtest auch höhere Eingangsbelastung, was die Athleten nicht zu extrem niedrigen Testbelastungen zwingt, die z. B. beim Lauf auch seitens der Bewegungsstruktur untypisch wären. Dadurch ist zudem eine geringere Belastungsabstufung bei den Stufentests möglich, die zusammen mit der längeren Stufendauer sichere stationäre Situationen am Stufenende auch im aerob-anaeorben Übergangsbereich schaffen. Außerdem ergeben sich durch die geringere Belastungsabstufung deutlich mehr Messpunkte in diesem diagnostisch wichtigen Bereich, was insgesamt eine genauere Berechnung der Schwellendaten zulässt. Sowohl die Laktatbestimmung bei den Dauertests als auch die Messdaten aus der Untersuchung des Fettstoffwechsels haben indirekt eine stärkere Glykogenverminderung bei den Triathlonstufentests, insbesondere am Laufband, wahrscheinlich gemacht. Diese stärkere Glykogenverminderung ist in erster Linie für das erheblich niedrigere Blutlaktat bei Abbruch der Triathlonstufentests verantwortlich; eine geringere Endleistung wäre auch bei gleichem Abbruchlaktat aus der längeren Stufendauer zu erwarten gewesen. Eine Beeinflussung der Laktatwerte auch im aerob-anaeroben Übergangsbereich hätte aber in allen Fällen, besonders deutlich am Laufband, eine Rechtsverschiebung der Laktatleistungskurve und damit höhere Schwellenleistungen ergeben müssen. Dies war am Fahrrad in der Tendenz eher umgekehrt, am Laufband lagen die Unterschiede der fixen Schwellen weit im Zufälligkeitsbereich. Daraus ist zu folgern, dass sich eine verstärkte Glykogennutzung durch die längere Testdauer bei den Triathlonstufentests bis in den für die Trainingssteuerung relevanten aerob-anaeroben Übergangsbereich nicht auswirkt und aus dieser Sicht keine Bedenken gegen die Triathlontests bestehen. Die im Mittel eher niedrigeren Leistungsschwellen bei den Radergometertests ergaben sich wahrscheinlich daraus, dass für einige der Probanden die Eingangsleistung zu hoch war und Laktatwerte um 4 mmol/l bereits bei der 2. oder 3. Stufe erreicht wurden. Bei den leistungsfähigeren Probanden wurden, wie in einem Beispiel in Abb. 2 gezeigt, praktisch identische Schwellendaten erhalten.
© Copyright 1999 13. Internationales Triathlon-Symposium, Erbach 1998. Veröffentlicht von Czwalina. Alle Rechte vorbehalten.

Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Biowissenschaften und Sportmedizin Ausdauersportarten
Veröffentlicht in:13. Internationales Triathlon-Symposium, Erbach 1998
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Hamburg Czwalina 1999
Schriftenreihe:Triathlon und Sportwissenschaft, 13
Seiten:99-111
Dokumentenarten:Buch
Level:hoch mittel