Die Wissenschaft vom schnellen Radfahren
Ein erster Blick in das Buch führt gleich zu einem Aha-Erlebnis: Der Geschwindigkeitsrekord auf Fahrrädern steht aktuell bei 268 km/h, gefahren 1995 im Windschatten eines Autos vom Holländer Fred Rompelberg.
Natürlich weiß jeder, dass man auf einem Fahrrad eine relativ hohe Geschwindigkeit erreichen kann. Die Fernsehübertragungen großer Radrennen oder von Sprintrennen auf der Bahn liefern dafür regelmäßig eindrucksvolle Belege. Aber eine solche Geschwindigkeit von nahezu 300 km/h wirft natürlich Fragen auf, wie mit der menschlichen Muskelkraft eine solche Leistung möglich wird. Sie wirft natürlich ebenso Fragen auf, wie das Sportgerät Rennrad konstruiert sein muss, um den Menschen auf diese Geschwindigkeit zu beschleunigen, welche Materialien dafür zum Einsatz kommen müssen, welche Ausrüstungs- und Bekleidungsgegenstände notwendig sind, wie man mit dem so schnell anwachsenden Luftwiderstand umgeht, um auf dem Rad immer schneller zu werden und so weiter.
Wissenschaftler verschiedenster Disziplinen haben sich diesen sie interessierenden, ja manchmal faszinierenden Problemen zugewandt und über viele Jahre umfassende Forschungen dazu betrieben. Die Entwicklungsergebnisse sind modernste Hightech-Sportgeräte, die für die einzelnen Sportarten, ja für die verschiedenen Einzeldisziplinen bis aufs letzte Detail ausgetüftelt wurden. Nicht immer entstanden Räder, die dem traditionellen Bild eines Fahrrads entsprachen, nicht immer saßen die Radsportler auf diesen, so wie man es gewohnt war (man erinnert sich sicher an den "fliegenden Schotten" Chris Boardman und dessen Zeitfahrrad zu Beginn der 90er Jahre oder an die Sitzposition von Graeme Obree zur gleichen Zeit). Die Räder und die trainingsmethodische Vorbereitung der Radstars erlaubte es diesen, immer höhere Leistungen zu erreichen. So fuhr der legendäre Eddy Merckx 1992 mit einer Leistung von 380 W, 22 Jahre später erreichte der Spanier Miguel Indurain mit 510 W eine früher für unmöglich gehaltene Leistung.
Die nationalen und internationalen Radsportverbände haben in dieser Entwicklung, die manchmal eher eine technische Revolution darstellte, eine wichtige Rolle gespielt, waren und sie es doch, die in ihrem Regelwerk vorschreiben, was konstruktiv möglich ist und wo die Grenzen überschritten werden würden. Dennoch hat sich gezeigt, dass Sportler, Trainer und Ingenieure immer wieder neue Ideen hatten, um die Räder zu optimieren, um sie noch windschnittiger zu machen, um mit ihnen noch höhere Leistungen "treten" zu können. Gleichzeitig waren und sind die Trainer, Sportler, Sportmediziner und Techniker auch aufgefordert, die Sportler im Training darauf vorzubereiten, mit diesen Rennmaschinen sicher umzugehen, und das im Höchstgeschwindigkeitsbereich. Da kann nicht jede Körperhaltung akzeptiert werden, da sie zu gefährlich wäre, da kann nicht jede konstruktive Idee der Tüftler umgesetzt werden, weil sie entweder von den Sportlern nicht umgesetzt werden kann oder weil das Gesamtsystem Rad-Sportler zu großen Risiken ausgesetzt werden würde.
Die Geschichte dieser Entwicklungen im Radbereich ist Gegenstand des vorliegenden Buchs, beschreibt diese sehr informativ und spannend. Der Autor bleibt aber nicht bei den traditionellen Raddisziplinen und dem olympischen Triathlonsport stehen, sondern er präsentiert auch Velomobile und Liegeräder, die ebenfalls zur Familie der Hochgeschwindigkeitsräder gehören. Auch die Konstrukteure dieser Sparten haben in den Jahren extrem schnelle und technisch-physikalisch ausgereifte Produkte entwickelt, die den Straßen- und Bahnrädern hinsichtlich Geschwindigkeit sehr wohl Konkurrenz machen können. All diesen Rädern, unabhängig von der Radsparte, ist eigen, dass sie auf der Grundlage modernster Erkenntnisse der Physik, der Konstruktionslehre, der Aerodynamik und der Werkstoffkunde entwickelt worden sind. Ohne diese angewandten Ingenieurswissenschaften wären solch erstaunliche Zeiten in den Grenzbereichen der menschlichen Leistungsfähigkeit, wie sie eingangs erwähnt wurden, nicht möglich.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Ausdauersportarten Trainingswissenschaft Naturwissenschaften und Technik |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Troisdorf
Liegerad-Datei-Verl.
2008
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| Ausgabe: | Troisdorf: Liegerad-Datei-Verlag, 2008.- 256 S. |
| Seiten: | 256 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | mittel |