Analyse und Ansteuerung des Vorhand-Überkopf-Smash im Badminton unter Feldbedingungen mittels eines mobilen biomechanischen Messsystems auf der Basis der Accelerometrie
In den letzten Jahren konnte eine erheblicher Wandel in der Dynamik des Sportspiels im Vergleich zum Badminton der 80er und 90er Jahren beobachtet werden, der sich vor allem in einem erhöhten Spieltempo und dadurch bedingt auch in einer Weiterentwicklung beinahe aller Schlagtechniken manifestiert. Dieser Trend hat bisher vor allem "auf dem Spielfeld stattgefunden" (Poste & Hasse, 2002) und wird bislang nur durch qualitative Analysen sowie Spielbeobachtungen im internationalen Leistungssport belegt. Deutsche Badmintonspieler können hier bislang nur bedingt mithalten. Im internationalen Spitzensport lässt sich seit Jahren eine Dominanz asiatischer Spieler beobachten. Mit Ausnahme des Fraueneinzels belegen Deutsche keine Plätze unter den Top Ten der Weltrangliste. Nach Ansicht der Bundestrainer offenbaren sich die Leistungsdefizite deutscher Kaderathleten vor allem in bezug auf die Ballfluggeschwindigkeiten bei harten Angriffsschlägen (Smashs). Als dominierendem Element im Badmintonspiel kommt diesen Schlägen eine spielentscheidende Rolle zu. Das gilt insbesondere für die Doppeldisziplinen.
Badminton zählt in bezug auf die Ballfluggeschwindigkeit zu den schnellsten Ballsportspielen. Bei harten Angriffschlägen (Smash) wurden Abfluggeschwindigkeiten des Federballs von über 250 km/h gemessen (Kollath, 1996; Tsai & Chang, 1998). Analysen solch hochdynamischer Schlagbewegungen lassen sich bislang durch hochfrequente optometrische Messverfahren mit sehr hohem Aufwand und unter meist laborähnlichen Bedingungen durchführen. Die Beschleunigungsmessung mittels Miniatursensoren stellt einen alternativen Messansatz insbesondere zur Technikanalyse unter wettkampfähnlichen Bedingungen dar. Accelerometrische Sensoren ermöglichen eine Messwerterhebung mit hoher Erfassungsrate und schneller Verfügbarkeit und beeinträchtigen die Bewegungsfreiheit des Athleten aufgrund ihrer Größe und des geringen Gewichts kaum (Kemp, Janssen, & van der Kamp, 1998). Im Bereich der Sportwissenschaften werden Beschleunigungssensoren bislang primär zur Vibrations- und Schwingungsmessung von Sportgeräten bzw. deren Übertragung auf den menschlichen Körper eingesetzt (u.a. Hennig, Rosenbaum, & Milani, 1992; Stroede, Noble, & Walker, 1999) In Verbindung mit portablen Datenspeichern finden Accelerometer weiterhin Anwendung bei der Ganganalyse sowie bei der Analyse von Alltagsbewegungen. (u.a. Bussmann, Hartgerink, van der Woude, & Stam, 2000). Bezüglich der Analyse schneller Bewegungen lässt sich hier jedoch ein Forschungsdefizit aufzeigen.
Für das durchgeführte Forschungsprojekt leitet sich daraus als Aufgabenstellung ab a) die Entwicklung und Validierung eines mobilen biomechanischen Messsystems auf der Basis der Accelerometrie sowie i anschließend b) die Analyse und Ansteuerung des Vorhand-Überkopf-Smash von Kaderspielem des Deutschen Badmintonverbands. Der Fokus dieses Artikels liegt auf der Entwicklung und Validierung des Systems sowie auf den Ergebnissen erster Technikanalysen.
© Copyright 2006 Zukunft der Sportspiele: fördern, fordern, forschen - Tagungsband, 5. Sportspiel-Symposium. Veröffentlicht von University Press. Alle Rechte vorbehalten.
| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Spielsportarten Trainingswissenschaft |
| Veröffentlicht in: | Zukunft der Sportspiele: fördern, fordern, forschen - Tagungsband, 5. Sportspiel-Symposium |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Flensburg
University Press
2006
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| Schriftenreihe: | Schriftenreihe Human Performance and Sport, 2 |
| Seiten: | 95-98 |
| Dokumentenarten: | Artikel |
| Level: | hoch |