Wettkampfdiagnostik im Tischtennis

Die leistungsdiagnostische Komponente des Projektes lässt sich in die Bereiche theoretische und praktische Leistungsdiagnostik unterteilen. Im ersten Fall ist eine Aufklärung der Leistungsstruktur in Form von generalisierten Zusammenhangsaussagen zwischen Leistungskomponenten angestrebt, während bei der praktischen Leistungsdiagnostik die methodische Unterstützung bei der Generierung von trainingspraktischen Hinweisen oder die Entwicklung von Wettkampfstrategien im Vordergrund steht (Lames & McGarry, 2007). Im Bereich der praktischen Leistungsdiagnostik wurden erfolgreich erste Testläufe der Software (sowohl auf Windows, als auch auf Mac Rechnern, auf denen Windows über Bootcamp betrieben wurde) bei internationalen Turnieren wie z. B. der Europameisterschaft der Erwachsenen durchgeführt. Hier wurden mit Hilfe des Live-Scouters Spiele der möglicherweise kommenden Gegnerinnen und Gegner in Echtzeit analysiert und zwischen den jeweiligen Runden einer Spielerin mit Hilfe des Viewers präsentiert. Innerhalb eines Turniers ist die Zeit der begrenzende Faktor, weshalb dort wohl der Live-Scouter ohne umfangreiche Nachbearbeitung das Mittel zur Wahl bleiben dürfte. Bei der Vorbereitung auf ein Turnier können detaillierte Analysen erstellt werden. In der theoretischen Leistungsdiagnostik wurde unter anderem die Ballwechsellänge, abhängig von Geschlecht und Ranking untersucht. Hier wurden vor allem im Bereich der absoluten Weltklasse signifikant höhere Ballwechsellängen bei den Damen als bei den Herren festgestellt (Fuchs & Lames, 2015). Zusätzlich wurden Spiele mit Hilfe von finiten Markov-Ketten und numerischer Ableitung simuliert. Hier wurde die hohe Bedeutung der langen Ballwechsel festgestellt, und dass ein risikoreicherer Spielstil sich nur für den verlierenden Spieler lohnen würde (Wenninger & Lames, 2016) Aus Sicht der Sportinformatik konnte durch die Abbildung von spezifischem Tischtenniswissen in das Softwarepaket nicht nur eine effiziente Datenerfassung erreicht werden, sondern auch dem spezifischen Erkenntnisinteresse der Trainerinnen und Trainer Rechnung getragen werden. Die automatisierte Eingabe von manchen Parametern, entlastet die Dateneingabe zusätzlich und ist ein Einstieg in eine teilautomatisierte Spielbeobachtung. Aus Sicht der Sportpraxis können zwei Ziele erreicht werden: Erstens steht den Deutschen Nationalteams ein Werkzeug zur Verfügung, das einen unmittelbaren Wettbewerbsvorteil darstellen könnte. Zweitens konnten bereits erste Strukturanalysen durchgeführt werden, die dazu beitragen, die Leistungskomponenten im Tischtennis nicht nur besser zu verstehen, sondern auch wissenschaftlich abzusichern. (vom Autor übern. gek.)
© Copyright 2018 BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2016/17. Veröffentlicht von Sportverlag Strauß. Alle Rechte vorbehalten.

Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Trainingswissenschaft Spielsportarten
Tagging:Markov Ketten
Veröffentlicht in:BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2016/17
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Hellenthal Sportverlag Strauß 2018
Online-Zugang:http://my.page2flip.de/2895682/14185088/14185117/html5.html#/86
Seiten:85-91
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch