Zentral-periphere und intertonische Aktivierungsmuster der Auge-Kopf-Körpersteuerung bei Schwung- und Sprungbewegungen
Die enge bewegungsassoziierte Verzahnung cervico-okulärer und spinalmotorischer Bewegungsmuster konnte in diesem Projekt durch den erstmaligen Nachweis "bewegungsbezogener Blickfunktionen" bei komplexen Schraubensaltoelementen bestätigt werden, welche - in Abgrenzung zu den bekannten Prinzipen "umgebungsbezogener" Blickfunktionen - in bestimmten Bewegungsphasen eine synergistische Kopplung von Auge-, Kopf- und intersegmentalen Körperbewegungen aufweisen. Es wurde außerdem ein Modell präsentiert, welches die intersegmentale, neuro-muskuläre Aktivierungsabfolge innerhalb der vorderen und hinteren Muskelschlinge bei rotationsbeschleunigenden vs. impulsübertragenden Bewegungsphasen beschreibt (Punctum fixum-Punctum mobile Modell; von Laßberg et al., 2009a und 2009b). Hierbei wurde postuliert, dass zu einer möglichst effektiven Rotationsbeschleunigung um eine feste Drehachse die neuromuskuläre Aktivierungsabfolge stets von der Drehachse ausgehend (Punctum fixum) zum drehachsenfernen Körpersegment hin (Punctum mobile) verlaufen muss, bei impulsübertragenden Bewegungsphasen hingegen in umgekehrter Richtung. Da gezeigt werden konnte, dass diese neuromuskulären Aktivierungsmuster häufig nicht mit dem sichtbaren kinematischen Output übereinstimmen, müssen bestimmte Traineranweisungen, welche sich an rein kinematischen Technikleitbildern orientieren (z. B. Videoanalysen) eventuell kritisch hinterfragt werden. Ziel des aktuellen Projekts war es, einerseits das "Punctum fixum - Punctum mobile Modell" weiter zu untermauern und an weiteren Elementegruppen diverser Schwung-, Sprung- und Abdruckbewegungen zu überprüfen, sowie andererseits die Interaktion dieser intersegmentalen Ansteuerungsmuster mit Mechanismen der Auge- und Kopfsteuerung gezielter zu untersuchen. Die Analysen basierten dabei auf der fortgesetzten Aufbereitung und Auswertung des Datenmaterials der genannten Messreihe von 2009. Ergänzend wurden außerdem Untersuchungen an 2 Eiskunstläufern und 2 Wasserspringern zur Entwicklung eines zusätzlichen akzelerometrischen Messsystems zur spezifischen Erfassung von Kopfbeschleunigungen anhand eines speziell modifizierten Ohrtubus in Leipzig vorgenommen. Die Ergebnisse unterstreichen die zentrale Bedeutung bewegungsbezogener Mechanismen der Auge- und Kopfsteuerung bei aktiv ausgeführten Bewegungsaufgaben. Die beschriebenen Aktivierungsmuster bei Rotationen um verschiedenste Drehachsen folgen dabei stets denselben Prinzipien - von grundsätzlichen sportlichen Bewegungsstrukturen bis hin zu sportartspezifischen Höchstschwierigkeiten. Es ist daher davon auszugehen, dass eine gezielte Erarbeitung dieser Ansteuerungsmuster im Grundlagenbereich von fundamentaler Bedeutung für die spätere Leistungsentwicklung sein dürfte und sowohl eine Verkürzung von Lernzeiten als auch eine Effektivierung von Bewegungsabläufen maßgeblich unterstützen könnte. Erste Ansätze zur spezifischen Anbahnung dieser Muster und deren Integration in das sportartspezifische Lern- und Leistungsvoraussetzungstraining wurden erarbeitet.
© Copyright 2012 BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2011/12. Veröffentlicht von Bundesinstitut für Sportwissenschaft. Alle Rechte vorbehalten.
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| Notationen: | Trainingswissenschaft technische Sportarten Biowissenschaften und Sportmedizin |
| Tagging: | räumliche Orientierung |
| Veröffentlicht in: | BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2011/12 |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Bonn
Bundesinstitut für Sportwissenschaft
2012
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| Online-Zugang: | http://www.bisp.de/SharedDocs/Downloads/Publikationen/Jahrbuch/Jb_201112_Artikel/Krug_37_43.pdf?__blob=publicationFile&v=2 |
| Seiten: | 37-43 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |