Interdisziplinäre Strukturanalyse und integratives Techniktraining im Wasserspringen

Kommunikation: Die allgemeine Forderung nach einer gemeinsamen Sprache als Grundlage für die Kommunikation zwischen Trainer und Sportler konnte mit diesem Projekt prinzipiell bestätigt werden. Die extrahierten Begriffe wurden von beiden Akteuren (Trainer & Sportler) für die gleichen Sachverhalte verwendet. Assoziationen, semantische Verknüpfungen und kausale Zusammenhänge der Bewegungsstruktur stimmen somit hinreichend überein. Trotz inhaltlicher Kongruenz zeigte sich, dass die Begriffsbildungsprozesse und damit die Grundlagen für die Verständigung ausgesprochen individuell, trainingsgruppen- und auch sprunggruppenspezifisch (vgl. "Knotenpunkte") determiniert sind. Somit müssen bei einem Trainerwechsel bzw. dem Wechsel in eine andere Trainingsgruppe die Kommunikationsebenen mit dem Trainer oder von Sportlern untereinander neu bestimmt und abgeglichen werden, d. h., dass sich eine "neue Sprachgemeinschaft" etablieren muss. Strukturdimensionale Analyse (SDA): Im Ergebnis der SDA erhält der Trainer einen konkreten Einblick in die Struktur der im Langzeitgedächtnis des Sportlers gespeicherten und die Bewegungen beschreibenden Begriffe; darüber hinaus über repräsentative (und zeitlich relative) Zusammenhänge gegenüber der Funktional- bzw. seiner Referenzstruktur, die sich mit der Videoaufzeichnung abgleichen lässt. Insgesamt lassen sich somit Defizite in der mentalen Repräsentation erkennen, die u. U. mit den Schwierigkeiten des Sportlers bei der Umsetzung von Trainerkorrekturen korrespondieren und in Verbindung gebracht werden können. Fallbeispiele: Bei beiden Sprüngen vom 3m-Brett (3½-Salto vorwärts gehockt - 107c bzw. gehechtet - 107b) handelt es sich um Sprünge mit sehr hohem Schwierigkeitsgrad, die von den beiden Nachwuchssportlern neu in die Sprungserie des Wettkampfjahres aufgenommen werden sollten. Die Zielstellung für diesen Trainingsabschnitt (Erprobung) bestand darin, die Sprünge unter Originalbedingungen erfolgreich eintauchen zu können. Im ersten Fallbeispiel zeigt das Ergebnis der SDA deutliche Defizite gegenüber der biomechanischen Funktionalstruktur (Fricke & Köthe, 1993) und der Referenzstruktur des Trainers, die für die erfolgreiche Lösung dieses Sprunges vorgegeben wird. Die individuelle Gedächtnisstruktur zeigt lediglich drei Cluster, wobei z. B. zwischen "Absprung" und "Ansatz" nur unzureichend ausdifferenziert wird. Die Distanzen zwischen den Begriffen innerhalb eines Clusters befinden sich nur kurz unterhalb des Signifikanzwertes (dkrit). Der Durchlauf der Videokonserve zeigt in diesem Fall, dass der Sprung zwar gelöst, das technische Niveau für die"Wettkampfreife" dagegen noch erheblich gesteigert werden muss. Parallel ist die mentale Repräsentation unbedingt zu vervollkommnen. Im zweiten Fallbeispiel wird eine deutliche Nähe zur biomechanischen Funktionalstruktur und dem Referenzdendrogramm des Trainers erkennbar, während die Ausführung (vgl. Eintauchen) dies noch nicht vollends bestätigt. Die individuelle Gedächtnisstruktur zeigt fünf Cluster, so werden z. B. "Absprung" und "Ansatz" begrifflich (je drei Begriffe) differenziert ausgewiesen. Die Distanzen zwischen den Begriffen sind gegenüber dem Fallbeispiel 1 deutlicher. Während die mentale Repräsentation des Sprunges durchaus akzeptabel ist, verweist die biomechanische Auswertung des Sprunges auf Reserven in der Sprunghöhe und in der Einnahme einer engen Hechte.
© Copyright 2005 BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2005/06. Alle Rechte vorbehalten.

Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Biowissenschaften und Sportmedizin technische Sportarten
Veröffentlicht in:BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2005/06
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Bonn 2005
Online-Zugang:http://www.bisp.de/SharedDocs/Downloads/Publikationen/Jahrbuch/Jb_200506_Artikel/Leuchte.pdf?__blob=publicationFile
Seiten:93-100
Dokumentenarten:Buch
Level:hoch