Zur Wirksamkeit des Messplatztrainings im Wasserspringen - Dargestellt am Saltodrehgerät
Im Rahmen von zwei Forschungsprojekten des Bundesinstituts für Sportwissenschaft wurde das Saltodrehgerät in enger Zusammenarbeit mit den Entwicklern am Institut für Angewandte Trainingswissenschaft Leipzig und dem Praxispartner, den Wasserspringern am Bundesstützpunkt Leipzig, zu einem komplexen Messplatz ausgebaut. Dieser Messplatz bot die Möglichkeit, die optische Orientierung und die Aufstreckbewegung zu trainieren. Bewegungsbezogene individuelle Sollvorgaben wurden durch eine synchrone Messwert- und Videoerfassung mit der Bewegungsausführung des Sportlers kombiniert. Für den Sportler wurden Bilder seiner Bewegungsausführung mit eingeblendeter Soll- Vorgabe aufbereitet, um Soll-Ist-Diskrepanzen zu erkennen. Der Messplatz wurde im Rahmen von drei Untersuchungen zur Wirksamkeit des Messplatztrainings eingesetzt.
Untersuchung 1: Ziel der Studie war das Optimieren eines bekannten Wassersprunges mit 2½ Saltodrehungen rückwärts. Die Interventionsdauer betrug sechs Trainingseinheiten am Messplatz. In einem Prä-Post-Design für Versuchs- und Kontrollgruppe (2x2) wurden Effekte des Messplatztrainings und der Transfer zur Originalbewegung (Bewegungsausführung unter Wettkampfbedingungen) an zwei Bundesstützpunkten untersucht. Die Sportler erreichten signifikante Leistungszuwächse bei der optischen Orientierung und teilweise signifikante Verringerungen der Soll-Ist-Diskrepanzen bei der Bewegungsausführung am Messplatz. Versuchs- und Kontrollgruppe zeigten aber keine Leistungsunterschiede unter Originalbedingungen. Es konnte kein Transfer der positiven Leistungsentwicklung am Messplatz auf die Bewegungsausführung unter Originalbedingungen dokumentiert werden.
Untersuchung 2: Im Gegensatz zur ersten Studie stand hier das Neulernen eines Wassersprunges mit 2½ Saltodrehungen rückwärts im Fokus des Interesses. Die Interventionsdauer (6 Einheiten Messplatztraining) war identisch mit der in Untersuchung 1. Bevor die Sportler erstmals den neuen Sprung unter Originalbedingungen ausgeführt haben, wurde der Sprung in sechs Trainingseinheiten am Messplatz trainiert. Wieder wurde an den Schwerpunkten optische Orientierung und Streckbewegung gearbeitet. Auf Grund von Deckeneffekten konnten bei der optischen Orientierung keine Leistungsfortschritte erreicht werden. Bei der Bewegungsausführung gelang es den Sportlern nicht, die Soll-Ist- Diskrepanzen signifikant zu verringern. Die Sportler konnten den Zielsprung erst nach den Einheiten am Messplatz ausführen (ein Messzeitpunkt unter Originalbedingungen). Es wurden die Leistungen der Sportler von Versuchs- und Kontrollgruppe bei ihren Erstversuchen des neuen Sprunges miteinander verglichen. Dabei konnten keine Leistungsdifferenzen (kein Transfer) zwischen den beiden Gruppen festgestellt werden.
Untersuchung 3: Die Ergebnisse der zweiten Studie waren Anlass, erneut eine Untersuchung zum Neulernen eines Wassersprunges mit 1½ Saltodrehungen rückwärts durchzuführen. Da in den sechs Einheiten am Messplatz bei Untersuchung 2 kein Leistungsfortschritt feststellbar war, wurde die Interventionsdauer auf 25 Einheiten Messplatztraining innerhalb von einem Jahr erweitert. Neben den bereits vorgestellten Schwerpunkten optische Orientierung und Streckbewegung wurden auf Wunsch des Praxispartners weitere Bewegungsmerkmale (Arm- und Kopfhaltung) in den Feedbackprozess integriert. Trotz des erhöhten Trainingsumfangs am Messplatz konnten wieder nur bei einzelnen Bewegungsmerkmalen signifikante Leistungsfortschritte gemessen werden. Wie bei den beiden ersten Untersuchungen gab es keinen Unterschied zwischen Versuchs- und Kontrollgruppe, so dass ein positiver Transfereffekt auch hier nicht vorliegt. Aus den retrospektiv durchgeführten Auswertungen der Trainingsumfänge und Trainingsinhalte von Versuchs- und Kontrollgruppe ergaben sich deutliche Unterschiede. Die Kontrollgruppe realisierte wesentlich höhere Trainingsumfänge. Aus der Arbeit lassen sich folgende Ansätze ableiten, deren Umsetzung bereits in enger Zusammenarbeit mit dem Praxispartner begonnen wurde:
- Die optische Orientierung ist ein Schwerpunkt, der hohe Leistungszuwächse im Saltodrehgerät ermöglicht.
- Das Verbessern und Erlernen einzelner Bewegungsmerkmale ist mit dem Saltodrehgerät möglich. Im Rahmen der wissenschaftlichen Betreuung wurden Teile der entwickelten Technologie den Bundesstützpunkten im Wasserspringen zur Verfügung gestellt. Mit diesen Bestandteilen lässt sich der Messplatz Saltodrehgerät ohne Computertechnik einsetzen. Durch einfache Anzeigeeinheiten stehen für Sportler und Trainer weiterhin verschiedene Informationen bereit. Diese deutliche Vereinfachung des Systems ist auf alle an den Bundesstützpunkten vorhandenen Saltodrehgeräte übertragbar.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Trainingswissenschaft |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Köln
Sportverlag Strauß
2007
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| Ausgabe: | Köln: Strauß, 2007.- 134 S. |
| Schriftenreihe: | Wissenschaftliche Berichte und Materialien des Bundesinstituts für Sportwissenschaft, 2007, 18 |
| Seiten: | 134 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |