Building Belonging - Unterrepräsentanz von Trainerinnen im deutschen Leistungssport
Einleitung
In der Volleyball-Saison 2023/2024 gab es in insgesamt 89 Volleyball-Bundesliga-Teams nur sechs hauptverantwortliche Trainerinnen. Ein Trend, der auch in dem vom BISp erarbeiteten Strategiepapier "Frauen und Mädchen im Sport" (BISp, 2023, S. 15-16) sportartübergreifend festgestellt wurde: "Je höher das Leistungsniveau, desto tiefer sinkt die prozentuale Beteiligung von Frauen." Gleiches zeigt sich auch auf internationaler Ebene. Frauen stellen nur einen Anteil von 20-30 % im Trainerberuf dar (Bericht 2017 an die EU-Kommission). Das Ziel dieser Studie ist, die Situation der Trainerinnen im Hinblick auf wahrgenommene Barrieren, das Zugehörigkeitsgefühl ("Belonging"), aber auch Gelingensfaktoren weiblicher Trainerkarrieren besser zu verstehen, um ggf. Ursachen der Unterrepräsentanz zu identifizieren.
Methode
Dazu wurde eine bundesweite Online-Befragung innerhalb der lizenzierten Trainerinnen des Deutschen Volleyball Verbandes durch die Plattform "Womxn4volleyball" durchgeführt. 179 C- und B-Trainerinnen nahmen teil. Es wurden zunächst geschlossene Fragen mit Möglichkeit der Mehrfachnennung zur derzeitigen Lizensierungsstufe, Trainererfahrung und der aktuellen Position in Verein/Verband, zum Interesse an einer höheren Lizenzstufe, zu Barrieren der Aufnahme der nächsthöheren Ausbildungsstufe und zur wahrgenommenen Zufriedenheit mit der letzten Trainerqualifizierungsmaßnahme gestellt. Im offenen Format konnten die Trainerinnen angeben, wie sie die Trainerqualifizierungen erlebt haben und was sie sich für ihre weitere Trainerlaufbahn wünschen. Alle Angaben wurden deskriptiv ausgewertet.
Ergebnisse
133 C- und 46 B-Trainerinnen nahmen an der Befragung teil. 17 % sind aktuell Co-Trainerin, 67 % Cheftrainerin (meist im Nachwuchs- oder Hobbybereich) und 16 % gaben sonstige Funktionen an. Desweitern gaben 20% aller Befragten an, mit ihrer aktuellen Trainerposition zufrieden zu sein. 40% geben an, gerne "höherklassiger" als Trainerin zu arbeiten. Bei den offenen Fragen merken einige Trainerinnen an, dass sie den hohen Zeitaufwand für die Trainerqualifizierung scheuen, in der zeitlichen Vereinbarkeit von Familie und Beruf Probleme sehen und sich z.T. in den Maßnahmen "ausgeschlossen" oder "unwohl" gefühlt zu haben.
Diskussion
Die Befragungsergebnisse deuten darauf hin, dass es zwar eine Unterrepräsentanz von Trainerinnen im hohen Lizenzbereich gibt, aber durchaus eine hohe Anzahl an Trainerinnen, die gerne im Leistungssport verstärkt arbeiten will. Dafür wünschen sie sich flexiblere, vereinbare und auf weibliche Zugehörigkeit ausgelegte Trainierqualifizierungen. Dies könnte ein strukturelles Umdenken hin zu aktivem Recruiting und z. B. die Aufnahme von frauenspezifischen Themen in den Qualifizierungsprozess sowie weiteren Gelingensfaktoren erfordern.
© Copyright 2024 13. DVS-Sportspiel-Symposium - "Ludo, ergo sum - Vom Kinderspiel bis zum Leistungssport". Veröffentlicht von Universität Augsburg. Alle Rechte vorbehalten.
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| Notationen: | Spielsportarten |
| Veröffentlicht in: | 13. DVS-Sportspiel-Symposium - "Ludo, ergo sum - Vom Kinderspiel bis zum Leistungssport" |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Augsburg
Universität Augsburg
2024
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| Online-Zugang: | https://assets.uni-augsburg.de/media/filer_public/73/02/7302604c-76c2-4f50-9711-05b92298faa5/abstractband_zum_13_dvs-sportspielsymposium_2024_in_augsburg.pdf |
| Seiten: | 135-136 |
| Dokumentenarten: | Artikel |
| Level: | hoch |