Optimierung der Trainingstherapie zur Behandlung von Sportlern mit Achilles-Tendinopathie

Chronische Sehnenbeschwerden, im folgenden Tendinopathien genannt, sind unter Leistungs- wie auch Breitensportlern ein häufig auftretendes Problem. Tendinopathien sind generell durch belastungs- und druck-assoziierten lokalen Schmerz, Schwellung und funktionale Einschränkung gekennzeichnet. Am häufigsten von Tendinopathien betroffen sind die Achilles- und die Patellarsehne, wobei die betroffene Sehne von sportarttypischen Belastungen abhängt. So treten bei Läufern insbesondere Achillessehnenbeschwerden auf, während bei Basket- und Volleyballspielern vor allem die Patellarsehne schmerzt, was daher auch als "Jumpers Knee" bezeichnet wird. Die Symptome sind meist ausgeprägt und langanhaltend, während ihre Behandlung oft langwierig und wenig erfolgreich ist. Dies führt zu einer deutlichen Beeinträchtigung der sportlichen Leistungsfähigkeit und kann somit die Karriere eines Leistungssportlers negativ beeinflussen und sogar beenden. Problematisch ist dabei, dass trotz ihrer weiten Verbreitung die genauen Ursachen der Tendinopathie weitgehend unbekannt sind, was die Behandlung auf symptomatische Ansätze begrenzt. Es wird angenommen, dass Überbelastung zu strukturellen Schäden und metabolischen Veränderungen in der Sehne führt und nach einem unzureichenden Heilungsprozess die chronischen Sehnenbeschwerden auslöst (Legerlotz, 2013). Momentan werden eine Reihe unterschiedlichster Behandlungsmodalitäten bei Tendinopathien eingesetzt bzw. erprobt, wobei die Effektivität vieler dieser Behandlungsmodalitäten nur unzureichend belegt ist (Legerlotz, 2013). Bisher gibt es nur eine einzige Therapieform, deren Effektivität in einer Reihe kontrollierter Studien nachgewiesen wurde und die dabei noch nahezu nebenwirkungsfrei ist: exzentrisches Training. Seit 1998 wird das von Håkan Alfredson entwickelte exzentrische Trainingsprotokoll erfolgreich in der Behandlung von Achilles-Tendinopathien eingesetzt (Alfredson et al., 1998). Die Wirksamkeit dieser Methode wurde von Alfredson und Kollegen in mehreren Studien dokumentiert (Alfredson & Lorent zon, 2003; Ohberg, et al. 2004) und von weiteren unabhängigen Wissenschaftlern in einer Reihe randomisiert kontrollierter Studien bestätigt (Petersen et al., 2007; Rompe et al., 2007). Wenn auch die Wirksamkeit des exzentrischen Trainings in der Behandlung von Tendinopathien mittlerweile akzeptiert ist, werden die Ursachen des Behandlungserfolgs nach wie vor diskutiert. So ist es fraglich, ob die Muskelkontraktion, die zur Dehnung der Sehne führt, tatsächlich exzentrisch sein muss, oder ob nicht vielmehr das Ausmaß der Dehnung entscheidend ist. Neuere Studien weisen darauf hin, dass es nicht der exzentrische Belastungsmodus ist, der sich positiv auf die Sehnenregeneration auswirkt, sondern die Intensität des Stimulus. So war intensives Krafttraining ("heavy slow resistance training") noch effektiver in der Behandlung von Patellar-Tendinopathien als das klassische exzentrische Training ("decline squat") (Kongsgaard et al., 2009). Nach wie vor ist allerdings unzureichend untersucht, welche Trainingsprotokolle am effektivsten in der Behandlung sind, und warum diese wirksam sind (Malliaras et al., 2013). Eine Studie an gesunden Probanden ergab, dass der optimale Trainingsreiz für die Sehne von hoher Intensität/Amplitude (90 % MVC) und mittlerer Dauer ist (3 Sekunden), sowie repetitiv erfolgt, während die Belastungsrate eine untergeordnete Rolle zu spielen scheint (Bohm et al., 2014). Wir nahmen daher an, dass ein Stimulus, der bei Gesunden die größten Adaptionen auslöst, auch in der tendinopathischen Sehne den größten Effekt auf die Regeneration haben würde. Ziel dieser Studie war es daher, den optimalen Sehnen-Trainingsreiz als Grundlage für den Entwurf eines Trainingsprotokolls zu nutzen und dies bei Patienten mit Achilles-Tendinopathien einzusetzen sowie mit dem herkömmlichen exzentrischen Training nach Alfredson und alleiniger Physiotherapie zu vergleichen.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Biowissenschaften und Sportmedizin Spielsportarten
Veröffentlicht in:BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2018/19
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Bonn BISp 2019
Online-Zugang:https://my.page2flip.de/15646901/18134750/18137775/html5.html#/12
Seiten:11-16
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch