Wurftraining im Handball. Die unterschiedlichen Auswirkungen eines Trainings nach der Methode des differenziellen Lernens, des variablen Trainings bzw. des "klassischen" programmorientierten Techniktrainings

Einleitung: Da es im Trainingsalltag gängige Praxis ist, ein von Theorien des Bewegungslernens unbelastetes, meist nach persönlichen Erfahrungen gestaltetes Techniktraining durchzuführen, war es das Ziel dieser Untersuchung aus der großen Vielzahl an Bewegungsmodellen die gängigsten auszuwählen und im Bereich des Wurftrainings im Handball (drei Trainingsstudien) einer vergleichenden Analyse zu unterziehen. Studie 1: Im Rahmen der ersten Trainingsstudie (ein Jahr) wurde die Methode des differenziellen Lernens bzw. variablen Übens unterteilt in vier Trainingsabschnitten bei einem Spieler der höchsten österreichischen Spielklasse angewandt und mittels eines prozessanalytischen Forschungsansatzes (vgl. Wagner, 2005) analysiert. Die Ergebnisse dieser Studie belegen einerseits die signifikante Zunahme der Ballabfluggeschwindigkeit durch die Methode des differenziellen Lernens bzw. deren signifikante Abnahme durch das variable Training. Weiters konnte über das Verlaufsmerkmal der berechneten Segmentwinkelverläufe eine qualitative Änderung des Bewegungsmusters festgestellt werden. Durch den Vergleich der kinematischen Verläufe des Trainingsprobanden mit jenen eines absoluten Weltklasseathleten (zweifacher Welthandballer) konnte weiters festgestellt werden, dass diese qualitativen Änderungen individuell determiniert sind. Studie 2: Bei der zweiten Studie wurden drei unterschiedliche Trainingsmethoden (randomisiert variables, zielgerichtet bzw. randomisiert differenzielles Training) im Rahmen einer vierwöchigen Trainingsstudie (Eingangs-, Ausgangs- und Beibehaltungstest) auf deren unterschiedliche Auswirkungen auf die Zielgenauigkeit beim 7m-Wurf im Handball untersucht. Die Ergebnisse dieser Studie zeigten, dass sich durch alle drei Trainingsmethoden die Zielgenauigkeit (Akkuranz und Präzision) verbessern lässt, jedoch zwischen den einzelnen Gruppen (jeweils 12 Probanden pro Gruppe) und damit den einzelnen Trainingsmethoden kein signifikanter Unterschied besteht. Studie 3: Im Rahmen einer dritten Trainingsstudie wurde mit drei unterschiedlichen Trainingsmethoden (Einschleifen, variables und differenzielles Training) versucht in nur vier Trainingseinheiten die Bewegungsausführung beim Handballwurf nachhaltig (ermittelt über einen Eingangs-, Ausgangs- und Beibehaltungstest) zu verbessern. Die Ergebnisse dieser Studie zeigten, dass sich die Probanden bei der Methode des Einschleifens (P1: p=0,000**; P2: p=0,001**; P3: p=0,481) bzw. dem differenziellen Training (P1: p=0,002**; P2: p=0,051; P3: p=0,179) teilweise nachhaltig verbesserten (Ballabfluggeschwindigkeit) bzw. sich deren Bewegungsmuster (Winkelverläufe) qualitativ veränderte. Diskussion: Die Ergebnisse dieser Trainingsstudien können dahingehend interpretiert werden, dass bei der Wahl der Trainingsmethodik im Bereich des motorischen Lernens die individuellen Eigenschaften der Athleten berücksichtigt werden müssen, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. Da dies derzeit in der Trainingspraxis aber nicht messbar ist, empfiehlt es sich einzelne Methoden akzentuiert einzusetzen, um jedem Athleten die Möglichkeit zu bieten seine Bewegungen individuell zu optimieren.
© Copyright 2006 Zukunft der Sportspiele: fördern, fordern, forschen - Tagungsband, 5. Sportspiel-Symposium. Veröffentlicht von University Press. Alle Rechte vorbehalten.

Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Spielsportarten Trainingswissenschaft
Veröffentlicht in:Zukunft der Sportspiele: fördern, fordern, forschen - Tagungsband, 5. Sportspiel-Symposium
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Flensburg University Press 2006
Schriftenreihe:Schriftenreihe Human Performance and Sport, 2
Seiten:45-48
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch