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Verletzungen und Überlastungsschäden im Beachvolleyball

In einer retrospektiven Umfrage wurden im Jahr 2003 312 aktive Beachvolleyballspieler/innen anhand eines standardisierten Fragebogens zu ihren erlittenen Verletzungen oder Überlastungsschäden und deren Ursachen während ihrer Beachvolleyballkarriere befragt. Die Spieler stammten aus allen Spiel- (Hobby-Profibereich) und Altersklassen (14-65 Jahre) und waren zu 61,2 % (n=191) männlich und 38,8 % (n=121) weiblich. Die männlichen Beachvolleyballspieler waren im Mittel 26,5 (16-65) Jahre und die Beachvolleyballspielerinnen im Mittel 23,0 (14-54) Jahre alt. Die Spieler gaben eine mittlere Ballerfahrung von 13,0 Jahren (2-37) bei einer durchschnittlichen Gesamtspieldauer von 1566 Stunden pro Spieler und Karriere an. Es wurden pro Jahr unter Berücksichtigung der jährlichen saisonalen Trainingspausen durchschnittlich 120,5 Stunden Beachvolleyball gespielt, was einer durchschnittlichen Intensität von 6,34 Stunden pro Woche entsprach. Fitnesstraining wurde von 47,1 % (n=147) regelmäßig absolviert. 35,3 % (n=110) der Spieler absolvierten ein ausschließliches Balltraining. 62,8 % (n=196) der Beachvolleyballspieler gaben ein parallel zum Beachvolleyball absolviertes Hallentraining an. Dabei zeigte sich eine signifikant (p<0,002) höhere Verletzungsgefahr bei zusätzlichem Hallentraining unabhängig von der Trainingsintensität im Beachvolleyball. 73,7 % (n=230) der Spieler bevorzugten die Spielweise mit zwei Spielern pro Team nach den offiziellen Turniervorgaben und 4,2 % (n=13) spielten mit drei bis sechs Spielern pro Team. Dabei verletzten sich die Spieler mit mehr Mitspielern signifikant (p<0,000002) häufiger, die Anzahl der Gegenspieler zeigte keinen Zusammenhang mit mehr Verletzungen. 57,1 % (n=178) der 312 Spieler gaben 263 Verletzungen an. Dies entsprach einer Verletzungshäufigkeit von 0,84 Verletzungen pro Person in einer durchschnittlichen Volleyballkarriere von 13,0 Jahren. Das Verletzungsrisiko pro Person im Jahr betrug 0,065 im Breitensport. Im Spitzensport (10,9 % (n=34) der Spieler) wurde in unserer Studie eine Verletzungsgefahr von 0,097 Verletzungen pro Person und Saison festgestellt. 42,7 % (n=92) der Verletzungen ereigneten sich im Rahmen einer Abwehr-aktion, 21,8 % (n=48) beim Block, 19,8 % (n=43) beim Angriff und der Rest (10,9 % (n=24)) beim Zuspiel oder beim Aufschlag. Im Saisonverlauf verletzten sich 18,6 % (n=44) der Spieler während der Vorbereitung (Februar-März), 11,9 % (n=28) zu Beginn der Saison (April-Mai), 53,4 % (n=126) in die Saisonmitte (Juni-Juli) und 16,1 % (n=38) am Ende der Saison (August-September). Verletzungsursache war bei 22,7 % (n=59) der Spieler Überlastung und bei 16,9 % (n=44) ein akutes Trauma durch Fremdkörper oder Teile des Spielfeldzubehörs (Netzpfosten, Spielerbänke, Werbetafeln). 16,5 % (n=43) der Spieler verletzten sich durch einen schlechten Ballkontakt und 11,2 % (n=29) der Spieler knickten spontan im Sand um oder verletzten sich bei einer Sprungaktion. Die allgemeine Verletzungsverteilung zeigte 59,7 % (n=157) der Verletzungen an der unteren Extremität und 31,9 % (n=84) an der oberen Extremität sowie 5,7 % (n=15) am Rücken. Knieverletzungen wurden von 19,8 % (n=52) der Spieler angegeben. Darunter waren bei 32,7 % (n=17) der Spieler akute Verletzungen der Bänder und Menisken. Bei 36,5 % (n=19) der Spieler wurde eine Überlastungsreaktion als Ursache der Knieverletzung beschrieben, wovon 73,7 % (n=14) in Form eines Patellaspitzensyndroms auftraten. 18,3 % (n=48) der Verletzungen wurden im Bereich des oberen Sprunggelenks und 11,4 % (n=30) am Fuß beschrieben. 93,8 % (n=45) der Verletzungen am oberen Sprunggelenk waren Distorsionsverletzungen, 29,5 % (n=23) der Verletzungen am gesamten Fuß (Fuß kombiniert mit dem oberen Sprunggelenk) waren Schürf- oder Schnittwunden. 6,4 % (n=5) waren Überlastungsschäden mit Reizungen oder Entzündungen in Form einer Tendinosis der Peroneussehne oder eines Sinus-tarsi-Syndroms und ein Spieler gab eine laterale Malleolarfrakur Typ Weber A an (n=1). 75,0 % (n=36) der Spieler hatten bereits vormals Verletzungen am Unfallfuß, welche zu 33,3 % (n=12) einmalig akut, zu 55,6 % (n=20) mehrmalig akut und bei 11,1 % (n=4) in Form einer chronischen Bandinstabilität aufgetreten waren. 32,4 % (n=22) der Verletzungen am Fuß oder oberen Sprunggelenk ereigneten sich bei der Abwehr, 26,5 % (n=18) beim Angriff, 25,0 % (n=17) beim Block. Fingerverletzungen wurden von 14,8 % (n=39) der Spieler angeführt. Diese äußerten sich bei 52,6 % (n=20) der Spieler durch Gelenkskontusionen mit Kapseldistorsionen im Rahmen von einer Blockaktion. 12,9 % (n=34) der Spieler hatten Schulterverletzungen. Diese fanden sich signifikant (p<0,005) häufiger an der Schlagschulter (68,4 % (n=132) der Verletzungen rechts bei Schlagschulter rechts; 66,7 % (n=12) links) und traten zu 73,3 % (n=11) bei Wind auf. Es zeigte sich eine Tendenz (p<0,1) zu mehr Schulterverletzungen bei Wind. 5,7 % (n=15) der Verletzungen betrafen die Zehen, welche sich bei 46,7 % (n=7) der Spieler in Form von Kapseldistorsionen im Metatarsophalangealgelenk nach Hyper-flexionstrauma und bei 26,7 % (n=4) in Frakturen der Phalangen äußerten. Rückenprobleme wurden von 5,7 % (n=15) der Spieler angegeben. Der Verletzungsmechanismus war bei 46,7 % (n=7) der Spieler eine Überbelastung der Rückenmuskulatur mit Verspannungen, Wirbelblockaden und bei zwei Personen eine Diskusherniation. Insgesamt konnte gezeigt werden, dass die Verletzungsgefahr im Beachvolleyball-breitensport sehr niedrig (0,065 pro Spieler und Saison) ist und sich die Verletzungen auf Akutverletzungen im Sprunggelenks-, Finger- sowie Zehenbereich oder Überlastungsreaktionen an Knie, Schulter sowie Rücken konzentrieren. Als Prophylaxe der Akutverletzungen werden Koordinationsübungen der Propriozeption im Sprunggelenk, Tapeverbände und eine gute Technikschule empfohlen. Die Überlastungsschäden können durch gezielten Muskelaufbau unter professioneller Anleitung zum Ausgleich von Muskeldysbalancen umgangen werden.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Naturwissenschaften und Technik Trainingswissenschaft Spielsportarten Biowissenschaften und Sportmedizin
Tagging:Sprunggelenk
Sprache:Englisch
Veröffentlicht: München Technische Universität München, Medizinische Fakultät 2012
Ausgabe:München: Technische Universität München, Medizinische Fakultät, 2012.- 96 S.
Online-Zugang:http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:19-151568
Seiten:96
Dokumentenarten:Dissertation
Level:hoch