Der Landeanflug im Skispringen - Analyse und Bewertungen
Für die Beurteilung der Zweckmäßigkeit der Skisprungbewegung vom Anlauf auf der Schanze bis zur Landung fehlte uns eine Theorie des Landeanflugs. Daher wurde der internationale Sprungwettbewerb in Oberstdorf während der Vierschanzentournee 2008 genutzt, um die Flüge über dem Hang bis zur Landung mit zwei synchronisierten HDV-Kameras aufzunehmen. Es wurden 12 der besten Sportler ausgewählt und nach ihrer Sprungweite in zwei Gruppen eingeteilt. Die Videos wurden digitalisiert, die Bewegung von Körper und Ski im Raum rekonstruiert und danach analysiert. Die Variabilität der Körper- und Skihaltungen war überraschend groß, ebenso die Tatsache, dass kaum Symmetrie zwischen der rechten und linken Körper- und Skiseite herrscht. Das betrifft besonders die V- und Kantwinkel der Ski und in geringerem Maße den Skianstellwinkel. Offenbar garantiert der Anstellwinkel den erforderlichen aerodynamischen Auftrieb und damit die für Spitzenspringer typischen großen Flugweiten, während die beiden anderen Skiwinkel besonders zur Stabilität des Flugs beitragen. Während des Flugs bleiben Springer und Ski in einer stabilen Lage, abgesehen von einer schwachen Vorwärtsdrehung. Die aerodynamischen Bedingungen ändern sich dadurch nur wenig. Die Sinkgeschwindigkeit nimmt zu. Bei der Annäherung an den Hang wird durch den Luftstrom Druck zuerst auf den Hinterski ausgeübt. Dadurch entsteht ein Drehmoment, was den Springer mit dem Kopf nach unten dreht. In der Regel wird der Oberkörper aufgerichtet und die Ski nach vorn unten gedrückt, dadurch wird der Luftwiderstand drastisch vergrößert und dann gelandet. Die Springer der Gruppe mit den größeren Weiten neigen den Skianstellwinkel leicht unter den Horizont, die in der zweiten Gruppe deutlich darüber. In der Folge entsteht zwischen der ersten und zweiten Gruppe eine Differenz in der Flughöhe zugunsten der ersten Gruppe. Die Springer der ersten Gruppe behalten die Flughaltung deutlich länger bei als die in der zweiten. Da dieses Verhalten nicht auf die Größe des beim Absprung vom Schanzentisch erworbenen Drehimpulses zurückzuführen ist (diese bestimmt "nur" die Schnelligkeit, mit der die Flughaltung eingenommen wird), muss man auf zwei unterschiedliche Strategien der Springer beim Landeanflug schließen. Vorteilhaft für einen zusätzlichen Gewinn an Flugweite ist auch eine Körperhaltung mit gebeugten Knien während der Landung.
To assess the appropriateness of the motion from the run-up on the jumping hill to the landing we need a theory of the landing approach. Therefore at the international jumping competition in Oberstdorf during the Four-Hills-Tour 2008 flights over the hill to the landing were recorded with two synchronized HDV cameras. 12 of the best athletes were selected and classified into two groups according to their jumping performances. The videos were digitized to reconstruct and analyze the movement of body and ski. The variability of body and ski postures was surprisingly high, as well as the fact that we found almost no symmetry between the right and left ski and the right and left body side. There is a striking asymmetry in the V-angles and the cant angles and a less striking difference of the angles of attack of the skis. Apparently, the angles of attack guarantee the necessary aerodynamic lift and thus the typical long jump of elite athletes. The other mentioned ski angles contribute to the stability of the flight. During the flight, both jumper and skis remain in a stable position, apart from a slight forward rotation. The aerodynamic conditions change only a bit. The sink rate increases. Moving closer to the hillside the stream of air first pushes the rear part of the skis. Thus a torque is produced rotating the jumper`s head downward. In general, the upper part of the body goes upright and the skis go down in front. The aerodynamic drag is increasing drastically, landing is initiated. The better jumpers tend to an angel of attack slightly below the horizon while the jumpers of the second group have an angle of attack above horizon. The better jumpers keep in their flight position much longer than jumpers of the second group. This behaviour is not caused by the angular momentum obtained at the take-off on the jump table - this one only determines how fast the steady position is occupied. Thus jumpers follow two different strategies during landing approach. A bent knee posture during landing is advantageous for a good jump.
© Copyright 2009 Zeitschrift für Angewandte Trainingswissenschaft. Meyer & Meyer Verlag. Veröffentlicht von Meyer & Meyer. Alle Rechte vorbehalten.
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| Notationen: | Trainingswissenschaft technische Sportarten Naturwissenschaften und Technik Biowissenschaften und Sportmedizin |
| Veröffentlicht in: | Zeitschrift für Angewandte Trainingswissenschaft |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Aachen
Meyer & Meyer
2009
|
| Schriftenreihe: | Frühjahrsschule "Informations- und Kommunikationstechnologien in der angewandten Trainingswissenschaft", 11 |
| Online-Zugang: | https://open-archive.sport-iat.de/sponet/ZATW_2009_02_142_156_Hildebrand.pdf |
| Jahrgang: | 16 |
| Heft: | 2 |
| Seiten: | 142-156 |
| Dokumentenarten: | Artikel |
| Level: | hoch |