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Verletzungsmanagement im Spitzensport: Eine systemtheoretisch-konstruktivistische Analyse mit Fallstudien aus den Sportarten Leichtathletik und Handball

Subjektive Verletzungsverläufe und grundlegende Entscheidungsmechanismen Die rekonstruierten Verletzungsverläufe der biografischen System-Mappings machen deutlich, dass der Umgang mit Verletzungsphänomenen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem sozialen Kontext des Spitzensports steht. Es zeigt sich, dass Schmerzen und Verletzungen für Athleten und Trainer erst dann zum Problem werden, wenn diese die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Solange nur eine geringe bis gar keine Beeinflussung der Trainings- und Wettkampfleistung vorliegt und solange keine eindeutig sichtbaren Hinweise auf eine strukturelle Schädigung erkennbar sind, dominiert als primärer Orientierungsrahmen die spitzensportliche Handlungslogik. Erst wenn es durch ein vorliegendes Verletzungsproblem zu einer Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit kommt, wird eine schnelle medizinische Abklärung und Behandlung angestrebt. Die medizinische Behandlung wird aus Athleten- und Trainerperspektive dabei als Mittel zum Zweck einer Aufrechterhaltung der sportlichen Aktivität angesehen. Damit wird gleichzeitig die Hoffnung verbunden, dass die Beschwerden auch ohne Wettkampfabbruch, Trainingspause und Wettkampfverzicht wieder nachlassen. Lediglich bei besonders schweren akut-traumatischen Verletzungen oder in Folge eines langwierigen chronischen Verletzungsverlaufs mit Operationsnotwendigkeit, dominiert die primäre Ausrichtung an der medizinischen Handlungslogik. Identifiziert wurden drei idealtypische Verletzungsverläufe, die in Verbindung mit charakteristischen Lösungen verletzungsbezogener Entscheidungsprobleme stehen: 1. Chronische Beschwerden mit unsicherer Prognose und vollständiger Ausheilung, 2. Akute Beschwerden mit relativ gesichertem Befund und vollständiger Ausheilung und 3. Beschwerden mit unvorhergesehenen Abweichungen im Genesungsverlauf. Diese subjektiven Verletzungsverläufe wurden weiter ausdifferenziert und grafisch dargestellt. Anschließend wurden problematische Entscheidungsmechanismen ermittelt und differenziert beschrieben.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Biowissenschaften und Sportmedizin Kraft-Schnellkraft-Sportarten Spielsportarten
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Tübingen Universität Tübingen 2009
Online-Zugang:http://tobias-lib.ub.uni-tuebingen.de/volltexte/2009/4294/pdf/Diss_Jochen_Mayer_8_11_09_UB.pdf
Seiten:418
Dokumentenarten:Dissertation
Level:hoch