Training load and its intensity and structure of volume with female lifters of Russia, PRC and Bulgaria at the preparatory and the competitive stages
(Belastungsumfang,-intensität und -struktur im Training russischer, chinesischer und bulgarischer Gewichtheberinnen in der Vorbereitungs- und in der Wettkampfetappe)
Verfasser vergleicht und analysiert die absolvierten Belastungen russischer, chinesischer und bulgarischer Gewichtheberinnen unter den Aspekten Belastungsumfang, Belastungsintensität, Belastungsstruktur.
Die verwendeten Angaben wurden aus Trainingstagebüchern der Sportlerinnen entnommen und mittels spezieller Computerprogramme weiterverarbeitet.
Die Chinesinnen errangen bisher 710 Medaillen bei internationalen Wettkämpfen, das sind 40% aller vergebenen Medaillen. 214 dieser Medaillen sind Goldmedaillen, das sind 83% aller vergebenen Goldmedaillen. Die restlichen 56 Goldmedaillen teilen sich Heberinnen aus 10 Ländern: Bulgarien-14, Taiwan-11, USA und Kolumbie-je 9, Griechenland-5, Indien.-3, Ungarn-2, Indonesien, Rußland und Finnland-je 1. Die Chinesinnen nehmen eindeutig die führende Position im Frauengewichtheben ein, es folgen die Bulgarinnen und die Russinnen. Die Vorbereitung bzw. das Training in diesen drei Ländern verlaufen sehr unterschiedlich, wie die Analysen des Verf. ergaben.
1. Trainingsbelastung und Umfangsstruktur
Die Entwicklung der erforderlichen Kraft- und Schnellkraftfähigkeiten sowie die Ausprägung der Explosiv- und Maximalkraft bedürfen vor allem eines hohen Anteils schnellkontrahierender Muskelfasern. Diese können nur durch das Training im Bereich zwischen 70-100% des individuellen Maximums sinnvoll trainiert werden. Insbesondere bei den Grundübungen im Training von Gewichtheberinnen sind Übungen erst ab einer Intensität von 70% an interessant.
Tab. 1
zeigt die absolvierten Trainingsumfänge in den Grundübungen des Gewichthebens mit Intensitäten >/=70% der besten russischen, chinesischen und bulgarischen Gewichtheberinnen in der Vorbereitungs- und in der Wettkampfperiode.
Die höchsten Umfänge (unabhängig vom Gewicht) absolvierten die Chinesinnen. es folgen mit 12% weniger die Bulgarinnen, die Russinnen weisen einen um 28% geringeren Umfang auf. Die Russinnen absolvierten daher etwa ein Drittel weniger an Training als die Chinesinnen, was vor allem an der geringeren Anzahl Trainingseinheiten/Woche (9-11) liegt. Die Bulgarinnen trainierten 2x am Tag ohne Ruhetag. Die Chinessinnen absolvierten in der Vorbereitungsperiode (VP) 15-18 TE/Woche, sonntags war trainingsfrei.
Bei den Umfängen mit Intensitäten ab 70% absolvierten die Chinesinnen 37% mehr als die Russinnen, jedoch nur 3% mehr als die Bulgarinnen. Hier liegt der erste große Unterschied zwischen den Russinnen auf der einen und den Chinesinnen und Bulgarinnen auf der anderen Seite.
Die Wettkampfleistung ist stark abhängig vom Anteil der Belastungen der Übungen Reißen (SE) und Stoßen (CJE). Alle anderen Übungen tragen untergeordneten Charakter, dazu gehören die Zugübung eng (CP), die Zugübung breit (SP) sowie die Kniebeuge (SQ). Die Russinnen liegen auch hier, im Anteil der Grundübungen, deutlich hinter den Chinesinnen und Bulgarinnen zurück, bei denen diese Übungen etwa die Hälfte des Gesamtumfanges ausmachen, bei den Russinnen dagegen nur etwa ein Drittel. Auch von der absoluten Größe her betrachtet (Anzahl der Übungen im Reißen und Stoßen) liegen die Russinnen deutlich unter den beiden anderen Ländern: Sie absolvierten nur 42% derer Umfänge im Reißen und nur 38% der Umfänge der Chinesinnen und Bulgarinnen im Stoßen. Hier liegt der zweite bedeutsame Unterschied.
In der Zugübung breit (Zug für das Reißen) absolvierten die Russinnen 4% mehr als die Chinesinnen und 72% mehr als die Bulgarinnen.
In der Zugübung eng (Zug fürs Stoßen) absolvierten die Chinesinnen die höchsten Umfänge, die 15% über denen der Russinnen und 54% über denen der Bulgarinnen lagen.
Bei den Kniebeugen liegen die Bulgarinnen an der Spitze, die 32% mehr als die Chinesinnen und 44% mehr als die Russinnen trainierten. Die Bulgarien scheinen die Effektivität der Zugübungen unter- und die der Kniebeuge überzubewerten. Verf. jedoch glaubt, daß die Zugübungen nicht nur zur Schnellkraftentwicklung in den Beinen und im Oberkörper beitragen, sondern ebenso zur Technikschulung für das Reißen und Stoßen. Dies wiederum führt in der Doppelwirkung zu einer verbesserten Koordination in der Bewegungsausführung der Gesamtleistung. Die Kniebeuge dagegen wirken lediglich auf die Kraftentwicklung und sind ohne direkten Einfluß auf die Bewegungstechnik.
Die Russinnen liegen im Umfang der Zugübung breit leicht über dem der Chinesinnen (4%), absolvieren jedoch 15% weniger Zugübungen eng. Der höhere Umfang der Zugübung breit geht jedoch mit geringen Umfängen der Übung Reißen einher (40% weniger als die Chinesinnen). Die Zugübung breit korelliert jedoch weniger mit der Leistung im Reißen als die Zugübung eng mit der Leistung im Stoßen. Daher sind die Russinnen trotz annähernd vergleichbarer Umfänge in der Summe der Übungen CP+SP+SQ in der sportlichen Leistungsfähigkeit den Chinesinnen deutlich unterlegen: im Reißen um 41% und im Stoßen um 43%.
Zur Korrelation der Belastungsumfänge in der Vorbereitungsperiode (PS) und in der Wettkampfperiode (CP)
Tab. 2
zeigt die veränderungen der Belastungsumfänge der Grundübungen Zugübung eng, Zugübung breit und Kniebeuge in der Wettkampfperiode im Verhgleich zur Vorbereitungsperiode.
Die Russinnen erhöhten die Belastungen (Anzahl der Hebungen) über 70% durch deutliche Umfangserhöhungen der Übungen Reißen und Stoßen. In allen anderen Übungen wurden die Umfänge reduziert.
Die Chinesinnen verringerten die Umfänge in allen Grundübungen außer die Gesamtzahl der Zugübung eng. Die Bulgarinnen dagegen erhöhten die Umfänge aller Belastungsformen mit Ausnahme der Zugübung breit
2. Trainingsbelastung und Belastungsintensität
Die Intensität des Trainings im Gewichtheben wird in erster Linie bestimmt durch die Höhe des Gehobenen Gewichts in jeder Übung. Eine durchschnittliches Hantelgewicht wird dafür ermittelt durch die Division des Gesamtgewichts durch die Anzahl der Hebungen. Diese Berechnung ergibt die absolute Intensität in kg.
Ein zweites Intensitätskriterium ist das Verhältnis von
(1) durchschnittlichem monatlich gehobenem Gesamtgewicht in % zur maximalen Leistung im Reißen plus Stoßen,
(2) durchschnittlichem monatlichen Hantelgewicht in den Übungen Reißen und Zugübung breit zur Maximalleistung imn Reißen und
(3) dem durchschnittlichen monatlichen Hantelgewicht in den Übungen Stoßen, Zugübung eng und Kniebeuge zur maximalen Leistung im Stoßen.-
Diese Werte ergeben die relative Intensität bzw. den Intensitätskoeffizienten (IC).
Ein drittes Intensitätskriterium ist die Verteilung der Trainingsbelastungen entsprechend den einzelnen Intensitätszo- nen. Verf. betrachtet in diesem Abschnitt ausschließlich die Intensitätszonen 90-100% für die Übungen Reißen und Stoßen.
Tab. 3
zeigt die Intensittsverteilung der einzelnen Trainingsübungen in den Bereichen >/=70% der Chinesinnen, Russinnen und Bulgarinnen in der Vorbereitungs- und in der Wettkampfperiode.
Unabhängig vom Hantelgewicht wurde der höchste Intensitätskoeffizient der Gesamtbelastung von den Bulgarinnen erreicht (39,4%), sie weisen mit 55,7% auch den höchsten Anteil an Übungen mit Gewichten >/=70% auf (siehe Tab. 1). Der IC der Russinnen lag um 1,% und der der Chinesinnen um 1,2% darunter. Diese Unterschiede sind jedoch nicht signifikant.
Der IC der Gesamtbelastungen über 70% war mit 49,8% bei den Russinnen am höchsten. Erklärung dafür ist der hohe Anteil von 66,8% der Zugübungen und Kniebeuge, der bei den Chinesinnen und Bulgarinnen mit etwa 50% deutlich darunter lag (siehe Tab. 1). Sie erreichten daher in diesem Fall nur IC von 47,5 bzw. 46,4%. Diese Unterschiede sind statistisch signifikant.
Der IC der Übungen Reißen und Stoßen liegt mit 41,1% bei den Chinesinnen am höchsten, bei den Russinnen mit 1,1% und den Bulgarinnen mit 0,8% darunter. Hier liegen jedoch keine signifikanten Unterschiede vor.
Die IC für die Übungen Reißen und Stoßen getrennt betrachtet weisen keine signifikanten Differenzen auf. Sie betragen im Mittel 78,9%.
Ebenfalls keine markanten Unterschiede des IC wurden für die Gesamtbelastung der Übungen Zugübung breit+Zugübung eng + Kniebeuge gefunden. der IC beträgt hier im Durchschnitt 53,2% Allerdings gab es Besonderheiten für die einzelnen Ünungen.
So wurden die höchsten Belastungen der Zugübung breit (siehe Tab. 1) von den Russinnen absolviert, daher liegt der IC in dieser Übung mit 107,2% auch höher als bei nden Chinesinnen und Bulgarinnnen. Allerdings wird hier kein Beitrag zur technischen Vervollkommnung im Reißen geleistet, die Russinnen weisen einen technisch niedrigeren Leistungsstand als die Bulgarinnen oder die Chinesinnen auf.
Bei der Zugübung eng erreichen erneut die Russinnen mit 98,8% den höchsten IC, der hier allerdings nur leicht über dem IC der Chinesinnen und der Bulgarinnen liegt. Als optimal wird der IC der Chinesinnen betrachtet, da dieser die Sportlerinnen im Vergleich zu den der anderen beiden Länder technisch überlegen macht.
Der IC in der Übung Kniebeuge liegt mit 100,5% bei den Chinesinnen am höchsten, es folgen die Russinnen mit 97,5% und die Bulgarinnen mit 93,8%. Die Bulgarinnen absolvieren demnach Kniebeuge in einer relativ hohen Umfangszahl mit relativ niedriger Intensität.
In den Übungen Reißen und Stoßen ist die absolvierte Anzahl Hebungen im Bereich 90-100% von großer Bedeutung. Die Hebungen im submaximalen und maxiumalen Bereich stellen höchste Anforderungen an das Zentralnervensystem des Sportlers. Mit einer Erhöhung der Intensität solcher Hebungen kann eine Effizienzsteigerung des Trainings sowie eine Festigung der moralischen Qualitäten erreicht werden. Dennoch muß die Anzahl der Hebungen in diesem Bereich individuell optimiert werden, um eine erforderliche und rechtzeitige Wiederherstellung für den Wettkampf abzusichern.
Im Falle einer zu hohen Quantität hochintensiver Hebungen kmomt es zur Summation von unzureichender Wiederherstllung, was im Endeffekt in einem schlechten Wettkampfergebnis, im Übertrainingssynndrom oder in Verletzungen resultiert.
Eine Verbeserung der Wettkampfergebnisse und Trainingsleistungenn kann den Untersuchungen zufolge erreicht werden, wenn in den letzten vier Wochen vor dem Wettkampf die im Training bewältigten Lasten nicht höher als 97,5% des Maximums und die Anzahl der Hebungen dieser Lasten im Stoßen und Reißen nicht mehr als 15% der Gesamtbelastungen ab 90% betragen. Bei Verwendung von Gewichten von 100% oder einem Anteil dieser Belastungen von nicht mehr als 20% oder einem Prozentsatz von 7% für Gewichte von 97,5% kann die Trainingsbestleistung im Wettkamopf wiedererreicht werden.
Eine Verschlechterung der Trainingsleistung im Wettkampf kommt zustande, wenn die Sportlerin bis zu 32% der Hebungen im Bereich von 100% absolviert oder bis zu 19,7% der Hebungen im Bereich von 97,5% liegen.
Von Bedeutung ist es letztendlich auch, wieviele Tage vor dem Wettkampf letztmalig schwere Lasten gehoben werden: im Durchschnitt 7 Tage vor dem WK im Stoßen und 4 Tage vor dem WK im Reißen. Der 1. Versuch beträgt gewöhnlich 92,5% des Wettkampfbestwerts.
In den Übungen Reißen und Stoßen im Bereich 90-100% wurden für die Chinesinnen deutlich höhere Quantitäten registriert (185) als für die Bulgarinnen (105, =57% der Chinesinnen) und die Russinnen (50; 27%). Diese Unterschiede sind statistisch signifikant.
Zur Korrelation der Belastungsintensität in Vorbereitungs- und Wettkampfperiode
In der Wettkampfperiode wurde in den meisten Fällen die Belastungsintensität positiv verändert, d.h. gesteigert (siehe Tab. 4). Es wurde lediglich ein Fall einer Belastungsreduzierung gefunden: bei der Anzahl der Hebungen in den Übungen Reißen und Stoßen >/=90% bei den Chinesinnen, sowie nur ein Fall stagnierender Belastung (Kniebeuge bei den Chinesinen). Insgesamt wurde für alle untersuchten Sportlerinnen eine Steigerung der absoluten Intensität (durchschnittliches Trainingsgewicht der Hantel) beobachtet, der auf die Steigerung des IC in allen Grundübungen zurückzuführen ist.
3. Belastungsverteilung in die Intensitätszonen
Tab. 5
zeigt die Verteilung der Belastungen in % in die einzelnen Intensitätszonen für die Hauptgruppen der Trainingsübungen im Gewichtheben in der Vorbereitungs- und in der Wettkampfperiode
Zur Übung Reißen
In der Wettkampfperiode (WKP) reduzierten die Russinnen den Belastungsanteil der Belastungen >/=70% um 13%, der Anteil der Belastungen >/=80% wurden um 4% erhöht und der >/=90% wurde um 9% erhöht.
Die Chinesinnen verringerten die Belastungsanteile >/=70% um 18% und steigerten die Anteile der Belastungen >/=80% um 16% und die >/=90% um 2%. Die Bulgarinnen nahmen praktisch keine Veränderungen der Anteiligkeit der Belastungsumfänge in diesen Intensitätszonen in der WKP im Vergleich zur Vorbereitungsperiode (VP) vor.
Zur Übung Umsetzen und Stoßen
Im Vergleich zum Reißen wurden bei den Russinnen in dieser Übungen nur sehr geringe Anteilsveränderungen in der WKP vorgenommen: Belastungsanteilsreduzierungen von 2 bzw. 1% in den Bereichen >/=70 und >/=80% sowie Erhöhung von 3% im Bereich >/=90%.
Bei den Chinesinnen war zu beobachten: Steigerung des Anteils von 3% im Bereich >/=70% und Anteilsreduzierungen von 3 bzw. 6% in den Bereichen >/=80 und >/=90%.
Die Bulgarinnen reduzierten im Bereich >/=70% mit 9% deutlicher, die Anteilssteigerungen in den Bereichen >/=80% und >/=90% bewegten sich bei 2 und 7%.
Für die Zugübungen und Kniebeuge wurde eine etwas andere Aiufschlüsselung der Intensitätsbereiche gewählt: 70-99%, 100% und >100%.
Zur Zugübung breit (Zug für das Reißen)
Verallgemeinert läßt sich der Anteil der Zugübungen breit im Bereich 70-99% in beiden Trainingsperioden mit etwa 30% beziffern (Ausnahme: Vorbereitungsperiode der Bulgarinnen, wo die Zahl bei etwa 50% liegt). Die beiden anderen Intensitätsbereiche machen demzufolge etwa 70% des Umfangs in dieser Übungsgruppe aus (Ausnahme: s.o.). Bei den Russinnen und Chinesinnen wurde im Bereich 70-99% in der WKP ein Rückgang des Anteils von 5-9% beobachtet, bei den Bulgarinnen lag er bei 18%. Im Bereich von 100% gab es bei den Russinnen und Chinesinnen kaum Veränderungen (20-18 bzw. 15-14%), von den Bulagrinnen liegen keine Informationen über Belastungen in diesem Bereich vor. Bei Belastungen >100% lagen die Umfänge in der VP in allen drei Gruppen bei Anteilen von etwa 50%, in der WKP erhöhten sie sich bei den Russinen auf 56%, bei den Chinesinnen auf 61% und bei den Bulgarinnen auf 68%.
Zur Zugübung eng (Zug fürs Umsetzen)
Bei den Russinnen und Chinesinnen treten im Bereich 70-99% keine größeren Veränderungen von VP zu WKP ein (48-41 und 47-48%). Im Breich 100% betrug der Anteil bei den Russinnen nur etwa die Hälfte des entsprechenden Prozentsatzes der Chinesinnen (7-6% gegenüber 17-14%), wohingegen der Anteil von Belastungen >100% bei den Russinnen höher liegt als bei den Chinesinnen (45-53% gegenüber 36-38%). Auch die Steigerung der Belastungsanteile >100% in der WKP fällt mit 8% gegenüber 2% beiden Russinnen deutlicher aus. Bei den Bulgarinnen änderten sich die Anteile von VP zu WKP erheblich: 70-90%: 73-38% (=-35%), 100%:6-25% (+19%), >100%:21-37% (+16%).
Zur Übung Kniebeuge
Im Bereich 70-90% war die Belastungsverteilung bei den Russinnen und Bulgarinnen vergleichbar: Von einem Anteil von etwa zwei Dritteln in der VP verringerte er sich in der WKP auf etwas mehr als die Hälfte. Bei den Chinesinnen hingegen bewegt sich dieser Anteil bei nur etwa einem Drittel (37-29%). Im Bereich 100% liegen die Russinnen und Chinesinnen in der VP und WKP etwa gleich (6-6 bzw. 7-5%), die Bulgarinnen absolvieren etwa den doppelten prozentualen Anteil der Belastungen in diesem Intensitätsbereich (13 bzw. 16%). Im Bereich über 100% absolvierten die Chinesinnen die deutlich höchsten Anteile, sowohl in der VP als auch in der WKP (56 bzw. 61%). Sie lagen damit deutlich über den Russinnen (34-42%) und den Bulgarinnen (21-30%). Die Belastungsanteile wurden in diesem Bereich in der WKP um 10% (Chinesinnen), 8% (Russinnen) bzw. 9%(Bulgarinnen) erhöht.
Die Belastungsgestaltung und -verteilung im konkreten Fall einer Sportlerin wird in den Tabellen 6-8 am Beispiel der vierwöchigen Vorbereitung der Chinesin Sun Iun Lyun (KG 83 kg, Gewichtsklasse +83 kg) auf einen Wettkampf am 29.1.1994 (Ergebnis: Reißen: 120 kg, Stoßen: 152,5 kg) dargelegt.
Tabelle 6
zeigt die absolvierten Belastungen >=70% für die Übungen Reißen und Stoßen,
Tabelle 7
stellt die Belastungsverteilung für die Zugübung eng und die Zugübung breit dar,
Tabelle 8
analysiert die absolvierten Kniebeuge.
Die Anzahl der Wiederholungen wird wochenweise und in Wochenkombinationen für die einzelnen Übungen in den Intensitätsbereichen aufgeschlüsselt
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Physiologische Anmerkungen
Die Untersuchungen machten weiterhin deutlich, daß die physiologischen Besonderheiten der Frau (Menstruationszyklus) große Bedeutung für die körperliche Leistungsfähigkeit der Frau im Monatsverlauf hat. Die Blutverluste während der Menstruation stellen Störungen im kontinuierlichen Verlauf der Erhöhung der Erythropoiesis dar. Bezüglich der Parameter VO2max und Sauerstoffschuld sowie dem Index der anaeroben Kapazität wurde keine Abhängigkeit zum Menstruationszyklus entdeckt. Insbesondere bei Gewichtheberinnen der untersten Leistungslevels beeinflußt die Menstruation die Leistungsfähigkeit.
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Weitere Forschungen im Gewichtheben
Folgende Richtungen werden unter der Schrimherrschaft der beiden Institute VNIIFK Moskau und Beijing Institute of Physical Education verfolgt:
1.
Umfang und Intensität der Trainingsbelastungen bei gewichtheberinnen in Abhängigkeit von der Gewichtsklasse,
2.
Stufe der Vorbereitung,
3.
Belastungsverteilung innerhalb der Wochenzyklen.
Geplant ist die Herausgabe eines Handbuches Frauengewichtheben bis zum Jahr 2000. Außerdem arbeiten Yan Bin Shen (China) und Ivanov Mitko Iliev (Bulgarien) an Dissertationen zu dieser Thematik.
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Der Darstellung der Forschungsergebnisse und -vorhaben schließen sich ausführliche Erläuterungen der weiblichen Physiologie, der Unterschiede im Vergleich zum Mann und deren Bedeutung für den Sport an.
Daraus einige praxisbezogene Kerngedanken:
Die unterschiedliche Anzahl von SO Muskelfasern (schnellkontrahierend, rot, oxidativ, leicht ermüdbar) ist nicht von statistisch signifikanter Bedeutung.
Auch die Anzahl von FR Fasern (rot, schnellkontrahierend, oxydativ-glykolytisch, schwer ermüdbar) ist statistisch nicht signifikant. Es liegt demnach ein sexueller Demorphismus bezüglich der Muskrelfaserzusammensetzung vor.
Frauen verfügen über höhere Zahlen von SO Fasern im m. femoris vastus lateralis, weshalb Frauen häufig über ein höheres Ausdauerniveau verfügen.
Männer verfügen über mehr Androgene im Organismus als Frauen und über etwa ein Drittel mehr allgemeine Muskelkraft im Vergleich zu den Frauen. Die Stärke der Muskeln des Oberkörpers und der oberen Extremitäten beträgt bei Frauen durchschnittlich nur 40-70% der der Männer. Die Muskeln der unteren Extremitäten liegen dagegen nur um 20% unter den Werten der Männer. Die hauptsächlichen Einflußfaktoren auf die Unterschiede in den Kraftfähigkeiten üben die Unterschiede in den Körpermaßen sowie im Umfang an Muskelgewebe aus. Die Differenzen der relativen Kraft sind daher deutliuch geringer als die im Parameter absolute Kraft. Beispielsweise ist die relative Kraft der unteren Extremitäten bei Frauen lediglich um 8% geringer als bei den Männern.
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Zur Stärkung des anabolen Einflusses sowie zur Beschleunigung der Wiederherstellung durch entsprechendes Training
Zur schnellen Wiederherstellung tragen folggende Punkte bei:
1.
In den Grundübungen sollte die Belastungsintensität nicht unter 70% liegen. Bei Sportlern der höheren Gewichtsklassen sollte dieser Wert ebenfalls höher liegen (Wasili Aleksejew z.B. wies 91% aus).
Das außergewöhnliche Training Aleksejews ermöglichte ihm eine außergewöhnliche Leistungsfähigkeit über viele Jahre und jeweils kontinuierlich das gesamte Jahr über.
2.
Ergänzungsübungen sollten entsprechende Anteile im Training ausmachen (bei Aleksejew betrug dieser Anteil 50%). Diese Übungen sind auf bestimmte Muskelgruppen sowie die Kräftigung der Gelenke und Bänder gerichtet.
3.
Kombinierte Übungen eignen sich gut für die Erhöhung der funktionellen Leistungsfähigkeit des Organismus.
4.
Die rationelle Trainingsgestaltung ist abhängig von a) der Anzahl der Hebungen je Wiederholung sowie b) dem Stadium der Vorbereitung.
5.
Die Effektivitäät des Trainings kann durch einen Wechsel der Trainingsmittel und -inhalte gesteigert werden.
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Zu Unterschieden im Training von Männern und Frauen
Prinzipiell gibt es keine Unterschiede in der Trainingsgestaltung zwischen Männern und Frauen im Gewichtheben. Unterschiede gibt es lediglich in Bezug auf quantitative Parameter. Frauen können sich aufgrund ihrer spezifischen Muskelfaserzusammensetzung sowie des Mangels an männlichen Sexualhormonen in kürzerer Zeit wiederherstellen und daher höhere Umfänge vor allem im submaximalen und maximalen Bereich (>/=90%) realisieren.
Analysen des Trainings russischer, chinesischer und bulgarischer Heber und Henberinnen im Zeitraum 1990 bis 1995 ergaben, daß die Mitglieder der Olympiamannschaft der UdSSR von 1988 im Bereich >/=70% nur 63% des Gesamttrainingsumfangs mit der Hantel im Vergleich zu den Frauen absolvierten. In den Übungen Reißen und Stoßen erreichten die Männern nur 36% des Umfangs der Frauen.
Auch die Intensität lag bei den Frauen höher: Bei den Zugübungen und Kniebeugen lag der Anteil der Belastungen im Bereich >/=100% bei den Frauen bei 63%, bei den Männern bei nur 37%. Der Intensitätskoeffizient im Training dieser Übungen betrug bei den Frauen 55,3%, der der Männer nur 47,4%. Deutliche Unterschiede traten auch bei den Übungen Reißen und Stoßen im Bereich >/=90% auf: Hier abbsolvierten die Männer eine um das 4,2fache geringere Belastung als die Männer.
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|---|---|
| Notationen: | Kraft-Schnellkraft-Sportarten |
| Sprache: | Englisch |
| Veröffentlicht: |
1997
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| Ausgabe: | Vortrag auf dem IWF 1997 International Coaching, Refereeing and Medical Symposium, Athen, 6.-10.5.1997. Forschungsergeb.- 21 S.: 8 Tab. |
| Dokumentenarten: | Forschungsergebnis |
| Level: | hoch mittel |