Koordinationstraining im Handball. Teil 2: Abwehr und Torwart

In den Mannschaftssportarten, in denen der sportliche Erfolg der Teams primär über Torerfolge determiniert wird, steht für viele SportlerInnen, TrainerInnen, aber auch die Fans und Journalisten das Erzielen von Toren oftmals im Vordergrund, während es für gelungene, erfolgreiche Torverhinderungsaktionen nicht selten eine geringere Anerkennung gibt. Verständlich ist das nicht, wird doch von den abwehrenden Spielern eine vergleichbare sportliche Leistung erwartet (Ausnahmen bilden da noch spektakuläre, oftmals auch koordinativ sehr komplexe und anspruchsvolle Aktionen des Torhüters). Weshalb das so ist, wollen Gustav Wilke und Jörn Uhrmeister nicht ermitteln, aber sie bieten sowohl ein Theorie basiertes Trainingskonzept als auch einen außerordentlich vielfältigen Übungskatalog in "ihrer" Sportart, dem Handball an, in dem sie die erfolgreiche Abwehrarbeit bzw. deren Vorbereitung im Training in den Mittelpunkt stellen. Wie notwendig dies ist, wird schon zu Beginn deutlich, wenn sie die koordinativen Anforderungen bei der Lösung von Bewegungsaufgaben kennzeichnen. Da gilt es optische, akustische, taktile, kinästhetische und vestibuläre Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten, um gleichzeitig den Präzisions-, zeitlichen, Komplexitäts-, Situations- und Belastungsdruck erfolgreich zu verarbeiten. Wer nun ein Handballspiel auf hohem nationalen oder gar internationalen Niveau unter dem Aspekt dieser Anforderungen verfolgt und analysiert, stellt ein sehr komplexes Geschehen fest, das zudem noch sehr schnell abläuft und sich dabei permanent verändert, in das viele Mit- und Gegenspieler einbezogen sind, die sowohl in Angriff als auch Abwehr agieren. Da sind sowohl individuelle Aktionen bedeutsam, aber auch das Handeln in kleineren Gruppen oder taktisch und spielerisch im gesamten Mannschaftsverband, beginnend beim Torhüter bis zum Kreis- oder Außenspieler. Hinzu kommt, dass es zwar Abwehrspezialisten in inzwischen vielen Teams gibt, das deren Einsatz aber nicht immer möglich ist, sodass die Angreifer auch in der Lage sein müssen, die Abwehraufgaben zumindest solide zu erfüllen. Dabei hat sich das Abwehrverhalten in den letzten Jahren so entwickelt, dass es verschiedenen Aufgaben entsprechen muss. Es gibt die Raum orientierte und die Gegner orientierte Spielweise, es kann sich um Raum- und/oder Manndeckung handeln, die Spieler eines Teams können sich dementsprechend ball- oder mannbezogen bewegen, sie können einen eher offensiven oder eher defensiven Abwehrverband aufbauen, und es ist zu entscheiden, wann reaktiv und wann antizipativ gehandelt werden kann/soll/muss. Wie man sich mit all diesen vielfältigen Themen in der Trainingspraxis im Hochleistungsbereich auseinandersetzen kann, zeigt dieses Buch. Dazu wurden von den beiden Autoren sehr viele Übungs- und Trainingsbeispiele entwickelt und vorgestellt, die sich mit Einzelthemen der Abwehrarbeit im Handball befassen. Da geht es zum Beispiel um die unterschiedlichen Abwehrsysteme wie 3:2:1 oder 6:0, es geht um Abwehrverhalten in den gruppentaktischen Varianten "Heraustreten und Sichern" oder "Übergeben und Übernehmen", aber auch um das Spiel in Über- oder Unterzahl als Sondersituationen. Für jede der sehr kompakt beschriebenen und mit ergänzenden (foto)graphischen Informationen illustrierten Übungsformen wurden die Informationsanforderungen sowie die spezifischen Druckbedingungen sehr eingehend und nachvollziehbar dargestellt. Gleiches gilt auch für das Kapitel zum Torhütertraining, in dem dieser zentralen Abwehrposition eine besondere Aufmerksamkeit zugeschrieben wird.
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Bibliographic Details
Subjects:
Notations:training science sport games
Language:German
Published: Köln Sportverlag Strauß 2009
Edition:Köln: Sportverlag Strauß, 2009.- 195 S.
Series:Training der Bewegungskoordination, 6
Pages:195
Document types:book
Level:intermediate