Gefahr liegt in der Luft. Schwere Viruserkrankungen am Beispiel der OS in Peking 2008? Abstract
(Danger in the air: Difficile virus infections at the example of the Beijing OG 2008. Abstract)
Bald kommt wieder die kalte Jahreszeit. In den Hörsalen der Universitäten, den U-Bahnen der Stadt überall dort wo sich größere Menschenansammlungen befinden, wird geniest und gehustet. Hier befinden sich unsere Sportler in großer Gefahr. Ist doch durch das tägliche Training der Körper und das Immunsystem geschwächt. Zu erwähnen ist hier das "open window" (hervorgerufene Immunschwächung nach Sport) was gerade den Discobesuch nach einem intensiven Training samstags zur Gefahr für eine Viruserkrankung werden lasst. Deshalb weisen wir gerade in den gefährdeten Zeiten die Sportler darauf hin, sich vielleicht im kleinen Kreis zu treffen und große Ansammlungen zu meiden.
Wie in allen Bereichen ist die Primärprävention das Entscheidende um gesund und leistungsfähig zu bleiben. Außer den genannten Verhaltensmaßregeln sind natürlich Dinge wie wettergerechte Kleidung, Ernährung und ggf. Einnahme von immunstimulierenden Produkten angezeigt. Gerade für die outdoor Sportarten ist wettergerechte Kleidung im Winter unerlässlich. Ebenso eine vitaminreiche Kost mit antioxidativen Komponenten, nach der Empfehlung 5 mal obst am Tag.
Hat es den Sportler dann doch erwischt gibt es wiederum verschiedenste Viren mit unterschiedlichster Wirkung, die Erkrankungen hervorrufen. Die meisten banalen Infekte mit etwas Schnupfen, Husten und leichtem Unwohlsein werden mittels Sekrolytika, ggf. Analgetika und physikalischen Maßnahmen wie z. B. Inhalieren und Brustwickel therapiert. Meist besteht zu Beginn nur leicht erhöhte Temperatur. Besonders bei erhöhten Temperaturen ist eine Trainingspause notwendig (3 fieberfreie Tage), mit zunehmender Genesung ist ein Wiedereinstieg zunächst in ein leichtes Training möglich.
Bei protrahierten Infekten kommt es zeitweise zur Bakterienbesiedlung und Verschlechterung der Allgemeinsymptomatik, was die Einnahme eines Antibiotikums notwendig machen kann.
Viel gefährlicher sind die schweren grippeartigen Viruserkrankungen. Ob die saisonale Grippe, Vogel- oder Schweinegrippe. Sie führen in kürzester Zeit zu meist langer anhaltendem hohen Fieber bis 40-41 Grad mit fast vollständiger Bettlägerigkeit des Sportlers.
Als einprägendes Ereignis und für meine Sportler und mich als verantwortlichen Arzt schrecklichstes Erlebnis war eine unklare Viruserkrankung in unserem Team des Deutschen Ruderverbandes bei 7 Sportler fast zeitgleich aus dem Vierer ohne und dem Vierer ohne Leichtgewicht bei den Olympischen Spielen in Peking. Diesen 13.08.2008 wird keiner von uns vergessen. In der Zeit von 5.30 bis 10.00 stellten sich insgesamt 6 Sportler beider Vierer mit den fast gleichen Symptomen - hohes Fieber bis 40,5 Grad und etwas leichter Husten - vor. Ein Ersatzmann, der am selben Tag in den Vierer ohne stieg, erkrankte am darauf folgenden Tag.
Die Brisanz dieser Fälle ließ aufhorchen und ich bekam im Olympischen Dorf eine Art Isolierstation, wohl ein Novum. Trotz ausgeprägter symptomatischer Therapie, hoch dosierter Gabe von Tamiflu und auch Antibiotikaangaben im Verlauf, dauerte es allein 3 Tage bis es den Sportlern möglich war, wenigstens für notwendige Verrichtungen problemlos das Bett zu verlassen. Die CRP Werte waren über Tage im 8-10 fachen über der Norm. Erst nach 6 Tagen konnten die Sportler sich wieder langsam außerhalb der Räumlichkeiten bewegen, der Wettkampf war lange vorbei, ohne sie. Trotz aller Aufklärung und korrektem Verhalten der Athleten vor Ort gibt es immer wieder Situationen mit denen auch wir als Sportmediziner lernen müssen umzugehen, seien sie auch noch so schwer.
So können Viruserkrankungen im Sport durch präventive Maßnahmen deutlich gesenkt werden, davor gefight auch gerade vor massiven Ausbrüchen, ist man jedoch leider nie.
© Copyright 2010 Rudersymposium 2010. Abstracts. Published by Technische Universität. All rights reserved.
| Subjects: | |
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| Notations: | endurance sports |
| Published in: | Rudersymposium 2010. Abstracts |
| Language: | German |
| Published: |
Dortmund
Technische Universität
2010
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| Online Access: | http://www.hs.tu-dortmund.de/rudersymposium/abstracts/pdf-dateien/4-7-kau-schwere-viruserkrankungen-am-beispiel-der-os-in-peking-2008.pdf |
| Pages: | 54 |
| Document types: | congress proceedings |
| Level: | advanced |