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Kälteapplikation (Precooling) unter den Bedingungen hoher Umgebungstemperaturen bei Spitzenruderern ("Deutschlandachter")

(Cold application (PRECOOLING) under conditions of high temperatures in elite rowing (German M8+))

Nach Ausweis des internationalen Forschungsstandes, insbesondere seit etwa Mitte der 1990er Jahre, sowie der eigenen, seit 2000 durchgeführten Studien zur Wirkung von Kälteapplikation in sportbezogenen Kontexten (u. a. Joch & Ückert, 2003; Ückert & Joch, 2007) ist davon auszugehen, dass die verschiedenen Varianten der Kälteapplikation - Kältekammer, konzentrierte Kaltluft, Kühlweste, Kaltwasser und Crushed-Ice - bei sachangemessener Anwendung vor allem in den Ausdauersportarten und unter den Bedingungen hoher Umgebungstemperaturen (u. a. Joch et al., 2006) zu Leistungssteigerungen und zur Ökonomisierung wesentlicher Teile der physiologischen Leistungsparameter führen. Hinzu kommt eine große Anzahl von positiven individuellen Erfahrungen in mehreren Sportarten sowie neuerdings die zunehmende Nutzung der unterschiedlichsten Kälteapplikationsmaßnahmen im Hochleistungssport . Das Precooling, also die Kälteanwendung vor Beginn der sportlichen Aktivität - sozusagen als thermoregulatorische Vorbereitungsmaßnahme für den sportlichen Wettkampf bzw. das Training - spielt dabei eine besondere Rolle. Die Anwendung dieses Konzeptes im Rudersport hat zu berücksichtigen, dass Rudern (Achter) eine Mannschaftssportart darstellt, die durch ein hohes Maß an Kraft- und Ausdauerparametern geprägt ist, welche im Wettkampf während einer Zeitspanne von 6 bis 7 Minuten in ausgewogener Relation und mit höchster Intensität zum Einsatz gelangen. Blutlaktatwerte von in der Regel >= 25 mmol/l und Herzfrequenzen im Bereich um 200 Schläge pro Minute spiegeln diese Bedingungen wider. Als Folge der geleisteten Muskelarbeit wird Wärme produziert, die u. a. durch Evaporation in der Regel nicht vollständig an die Umgebung abgegeben werden kann. Es kommt deshalb trotz der Fahrtwindkühlung zu einem mehr oder minder deutlichen Anstieg der Körperkerntemperatur. Um die damit zusammenhängende Leistungsminderung (Schlagwort: critical temperature) zu minimieren, wurde schon in den 1990er Jahren in Australien mit Kühlwesten "experimentiert". Im Training - vor allem in der Vorbereitungsphase - haben neben den hohen Belastungsintensitäten submaximale Belastungen im Bereich der Grundlagenausdauer einen hohen Stellenwert. Bei diesem Aspekt setzt - nach Absprache mit dem DRV und den zuständigen Trainern - die durchgeführte Studie im Sinne einer trainingsbegleitenden Maßnahme an.
© Copyright 2009 BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2008/09. Published by Bundesinstitut für Sportwissenschaft. All rights reserved.

Bibliographic Details
Subjects:
Notations:training science biological and medical sciences endurance sports
Tagging:Kälteapplikation Cooling Kühlweste
Published in:BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2008/09
Language:German
Published: Bonn Bundesinstitut für Sportwissenschaft 2009
Online Access:http://www.bisp.de/nn_113306/SharedDocs/Downloads/Publikationen/Jahrbuch/Jb__200809__Artikel/Joch__163,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/Joch_163.pdf
Pages:163-169
Document types:book
Level:advanced