Erfassung und Quantifizierung von EMG-Aktivitätsprofilen in repetitiven Bewegungssequenzen - dargestellt am Beispiel Ruderergometer
Einleitung
Die quantitative Elektromyographie erlaubt die Darstellung reliabler Aktivitätsprofile für repetitive Bewegungssequenzen. Sie bildet somit eine wichtige Erweiterung der in Forschung und wissenschaftlichen Trainingssteuerung etablierten kinematischen und dynamischen Analyseverfahren. Die direkt am "Ausführungsorgan" Muskel gemessene EMG-Information erlaubt wichtige Rückschlüsse über das Beanspruchungs- und Koordinationsverhalten der am untersuchten Bewegungsablauf beteiligten Muskeln. Die vorliegende Studie nutzt ein standardisierte EMG-Analysekonzept zur Darstellung typischer Aktivitätsprofile der Ruderbewegung am Ruderergometer.
Methodik
10 rudererfahrene männliche Probanden wurden in einem polymyographischen Untersuchungsansatz unter Einbeziehung von Kraftaufnehmer, Wegsensoren und videogestütztem Bewegungsanalysesystem untersucht. Folgende Muskeln wurden mittels Oberflächen-Elektromyographie erfaßt: M. biceps b., M. latissimus dorsi, M. erector sp. (lumbal), M. glutaeus max., M. rectus fem., M. semitendinosus/ membranosus, M. gastrocnemius med., M. tibialis ant. Jeweils 10 Ruderzyklen wurden unter Nutzung quantitativer Signalverarbeitungs-/analyseverfahren in unterschiedlicher Schlagzahl und Intensität sowie zusätzlichen Start- und Sprintzyklen untersucht.
Ergebnisse
Das unterschiedliche Leistungsniveau der Probanden erlaubte die Bildung zweier Untergruppen: "Freizeitruderer" (N=6) und aktive Kaderathleten (N=4). Für alle Muskeln lassen sich typische und reproduzierbare Aktivitätsprofile darstellen. Ausgesuchte Ergebnisse für die Schlagzahl 20" und 30": Für den M. latissimus dorsi, M. biceps br. und M. erector spinae lassen sich bei vollem Krafteinsatz maximale bzw. supramaximalen EMG-Maxima in der Zugphase darstellen. Sie zeigen die höchsten Korrelationen zum parallel gemessenen Kraftoutput. Demgegenüber erreichen die anderen untersuchten Muskeln durchschnittliche Beanspruchungswerte bei oder unter 50% MVC.
Neben der signifikant erhöhten Zugkraft zeigen Athleten koordinativ unterschiedliche Aktivierungsverläufe im gemittelten Bewegungszyklus: Der M. rectus femoris feuert - je nach Leistungsniveau - in der Zugphase biphasisch.
Diskussion
Trotz zahlreicher Untersuchungsansätze ist nur eine geringe Anzahl von quantitativen EMG-Daten zum Ruderzyklus in der Literatur verfügbar. Die vorliegenden Beanspruchungsprofile erlauben eine grundsätzliche Einschätzung des Aktivierungsverhaltens der untersuchten Muskeln. Hierbei lassen sich Unterschiede zwischen den Subpopulationen identifizieren: Aktive Athleten zeigen höhere Aktivitätsniveaus für den M. latissimus, M. erector spinae, dagegen geringere Niveaus für die Glutealmuskulatur. Die Muskeln der unteren Extremität zeigen nahezu identische (submaximale) Innervationsniveaus in beiden Subpopulationen. Die direkte Überlagerung der Aktivitätsverlaufsprofile im zeitnormalisierten Bewegungszyklus von Zug-und Rückrollphase erlaubt koordinative Beurteilungen der individuellen Bewegungsausführung. Aufgrund der geringen Fallzahl ist eine statistische Absicherung der Daten nur eingeschränkt möglich.
Die weiteren Einsatzmöglichkeiten des hier genutzten, nahezu vollautomatisch laufenden Meßkonzeptes werden unter dem Gesichtspunkt der angewandten Leistungsdiagnose und Trainingssteuerung diskutiert.
© Copyright 1998 Alle Rechte vorbehalten.
| Schlagworte: | |
|---|---|
| Notationen: | Naturwissenschaften und Technik Ausdauersportarten |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
1998
|
| Online-Zugang: | http://www.tu-darmstadt.de/fb/fb3/sport/veranst/bei/krakor.htm |
| Dokumentenarten: | Kongressband, Tagungsbericht |
| Level: | hoch |