Gibt es ein Ruder-Schema? Zur kinematischen und dynamischen Koordination der Bewegungsproduktion unter systematisch variierten physiologischen Belastungen am Beispiel der Skulltechnik

Zur kinematischen und dynamischen Koordination der Bewegungsproduktion unter systematisch variierten physiologischen Belastungen am Beispiel der Skulltechnik Die Ruderbewegung im Skullboot soll durch die Wahl der geeigneten Geräteeinstellungen zum Zwecke einer effektiven Umsetzung von Energie in Bootsgeschwindigkeit unterstützt werden. Die Bewegungsmöglichkeiten sind aber in ihrer Ausführung u.a. durch die Wechselwirkungen zwischen Auslegergröße (Dollenabstand) und Innenhebellänge prinzipiell beschränkt. Aufgrund der Bootstrimmung ergibt sich eine nicht zu vermeidende Überschneidung in den Bewegungsbahnen der Hände für den mittleren Arbeitsbereich um die Orthogonalstellung der Skulls. Bisher wird in der methodischen Fachliteratur (z.B. Fritsch 1990 ) und in biomechanischen Analysen (z.B. Nolte 1985 ) von einer identischen Bewegungsproduktion auf den beiden Körperseiten beim Skullen ausgegangen. Die gerätebedingten Zwänge erfordern aber ein spezielles Koordinationsmuster für den Gesamtschlag, da keine symmetrische Ruderarbeit auf beiden Bootsseiten möglich ist. Um dennoch eine Minimierung der seitlichen Bootsbewegungen ('Gieren') zu gewährleisten, vermuten wir eine "kompensatorische Kovariation" (Heuer 1994 ) der Teilbewegungen auf der Backbord- und Steuerbord-Seite in Abhängigkeit von (re-)afferenten Kontroll-Parametern ( Körndle 1995 ) über den 'Lauf des Bootes' ( Lippens 1992 ). Dabei spielen die sensorischen Rückmeldungen je nach Systemzustand von Ruderer/Boot eine unterschiedlich nützliche Rolle (Cruse et al.1990 ). Mit einer Re-Analyse biomechanischer Daten aus leistungsdiagnostischen Untersuchungen von Kaderruderern wollen wir prüfen, ob für die Bewegungsproduktion spezielle könnensstandspezifische Koordinations-Strategien notwendig sind, die sich auf Modelle zur Organismus-Umwelt-Interaktion beziehen. Innerhalb einer experimentellen Überprüfung wollen wir anschließend mit einer Einzelfallstudie den Einfluß von energetischen Komponenten aufklären. Durch eine systematische Variation der Bedingungen in Meßfahrten erwarten wir Hinweise auf aufgabeninduzierte Kontroll-Parameter für die optimale Bewegungsausführung. In einer komplexen Bewegungshandlungsanalyse ( Lippens 1996 b ) sollen physikalische (mechanische), psychologische (verbale) und physiologische (spiro-ergometrische) Daten aufeinander bezogen und u.U. Schlußfolgerungen für eine modifizierte Techniksteuerung abgeleitet werden.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Ausdauersportarten Naturwissenschaften und Technik Trainingswissenschaft
Veröffentlicht in:Rudersport
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: 1997
Jahrgang:47
Heft:1
Seiten:9-12
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch