Sport und Islam
Im Islam haben Körperkraft, Gewandtheit, körperliche Schönheit und die körperliche Hygiene einen hohen Stellenwert. Man spricht mit Ehrfurcht über Personen, die stark sind und vergleicht sie mit Tieren ("Er hat die Kraft eines Löwen"). So hatte im frühen Islam das körperliche Training eine große Bedeutung, aber hauptsächlich im Zusammenhang mit Wehrkraft und -ertüchtigung für die Eroberungskriege, die in Folge stattfanden. Der Prophet empfahl, mehrere Sportarten auszuüben, darunter laufen, reiten, schwimmen. Die Männer sollten das auch mit ihren Ehefrauen tun, diese allerdings nicht mit fremden Männern. Traditionelle Sportarten wurden oder werden bis in die Gegenwart in den islamischen Ländern ausgeübt. Frauen wurden meist nicht mit einbezogen. Ihnen war die traditionelle Rolle zuteil, familiäre Aufgaben zu übernehmen. Einflüsse von europäischen Ländern auf die islamischen Länder brachten ab Mitte des 19.Jahrhunderts moderne Sportarten in diese Länder, doch erst die Unabhängigkeitserklärungen und Reformen in diesen Ländern mit europäisch denkenden politischen Führern gaben dem modernen Sport einen Schub. So z.B. geschehen in der Türkei durch Atatürk, in Ägypten unter Nasser, in Irak durch die Baath-Partei, im Iran durch das Schah-Regime. Vor allem der Nasserismus entwickelte einen großen Einfluss auf die anderen nordafrikanischen Länder wie Tunesien, Algerien, Marokko. Es wurden Sportplätze gebaut, Sporthochschulen errichtet. Nicht mehr der Islam gab den Ton an, sondern die nationale Idee, sich durch sportliche Erfolge international zu beweisen. Der moderne Sport hat in den Ländern, die diese Reformen durchgeführt haben, zur kulturellen Entwicklung beigetragen. Doch es kam eine neue Komponente im Islam hinzu: der islamische Fundamentalismus, der die "Europäisierung" ablehnte. So existiert seit 1979 die islamische Republik Iran, die die Re-Islamisierungswelle in den anderen Ländern eingeleitet hat.
Für die meisten islamischen Länder gilt heute: der moderne Sport ist allgemein akzeptiert, vor allem wenn man den Fußball betrachtet. Eine besondere Rolle aber spielt der Frauensport, der immer noch auf Ablehnung stößt. Er wird - wenn überhaupt - von den gebildeten, wohlständigen Schichten in den Städten ausgeübt, während er auf den ländlichen Gebieten noch unterentwickelt ist. Das Profitum im Sport ist in den meisten Ländern kaum akzeptiert, die Sportler genießen Amateurstatus.
Betrachtet man den Islam in Deutschland, so ist je nach bestimmten Kriterien, die für die Migranten gelten (Land, Region, Bildungsklasse usw., aus den sie stammen) eine Ablehnung, Zustimmung oder gleichgültiges Dasein gegenüber den sportlichen Angeboten der hiesigen Vereine zu sehen. Entweder sie gründen ihre eigenen Vereine, um den Sport in ein islamisches, traditionelles Umfeld zu bringen oder sie schließen sich - wie die meisten von ihnen - den deutschen Vereinen an. Allerdings sollte man Vereine, die unter eigenen Landsleuten gegründet wurden, nicht als islamische Auswüchse betrachten, sondern diese wollen ihre nationale Identität aufrechterhalten.
Der Islam ist in dem Sinne nicht sportfeindlich, wenn die islamischen Werte nicht verletzt werden, z.B. Verhüllung der Frauen.
Der frühe Islam ist auch nicht so leibfeindlich, wie dies beim frühen Christentum der Fall gewesen ist. Erst die Industrialisierung und der Wunsch, die Freizeit mit sportlichen Aktivitäten zu füllen, hat in den christlichen Ländern zu einem Umschwung geführt. Auch die Eingliederung von Frauen in den Sport wurde nach einem langwierigen Prozess durchgezogen. So liefen die ersten neuzeitlichen olympischen Spiele im Jahr 1896 ohne Frauenbeteiligung ab. 1900 bei den Spielen in Paris nahmen 11 Sportlerinnen in Paris teil, "diese freilich gegen den erklärten Willen des Präsidenten" Auch die islamischen Länder brauchen die Zeit, um den Frauensport zu fördern. 1936 ist der erste Schritt getan worden, als die ersten zwei muslimischen Frauen an den olympischen Spielen teilnahmen.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Sozial- und Geisteswissenschaften |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
1997
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| Online-Zugang: | http://geocities.com/sportwelt/doc/Islam.htm |
| Dokumentenarten: | Artikel |
| Level: | mittel |