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Zur Ästhetik des Skateboarding

Skateboarding stellt ein kulturelles Phänomen dar, das in bestimmten gesellschaftlichen Bereichen qualitative Beachtung, Bedeutung und Einfluss erlangt, während es quantitativ nur von einer relativ kleinen Gruppe betrieben wird. Diese Diskrepanz deutet darauf hin, dass das Besondere am Skateboarding weniger im Umfang der Teilnahme liegt, sondern vielmehr in der Symbolik, die es im weiteren Sinne verkörpert. Es lässt sich vermuten, dass diese Symbolik maßgeblich durch ihre Ästhetik getragen wird. Ein tieferes Verständnis der ästhetischen Praxis der Skateboard-Szene soll dazu beitragen, das Phänomen des Skateboarding in seiner Komplexität zu erfassen. Mit dem Ziel dieser spezifischen Ästhetik nachzuspüren, lautet die zentrale Frage der vorliegenden Studie: Was sind die charakteristischen Merkmale der Ästhetik des Skateboarding? Wie lassen sich durch die körperliche Bewegung vor dem Hintergrund des (subkulturellen) Habitus von Skateboarding erklären? Welcher Zusammenhang besteht zwischen einer subkurltuerellen Gestalt und der Ästhetik von Skateboarding? Ausgehend von einer kultur-historischen Hinführung bis hin zur Bewegungsanalyse spezifischer Mikrogesten, wird in diesem Beitrag die Ästhetik aus einer Skateboard(-Innen)-Perspektive deskriptiv konzeptualisiert, um einen verallgemeinerbaren Strukturkern herauszubringen. Zur Bearbeitung der Forschungsfragen wird insbesondere auf die Literatur der deutsch- und englischsprachigen Skateboard Studies mit Anschlüssen zu angrenzenden sportsoziologischen und theaterwissenschaftlichen Kulturstudien zurückgegriffen. Zudem werden einschlägige Skateboard-Special-Interest-Medien einbezogen. Nicht zuletzt basiert dieser Beitrag auf Beobachtungen meiner inzwischen über drei Jahrzehnte anhaltenden aktiven Teilnahme an Skateboarding. Als ehemaliger professioneller Skateboarder kann ich auf ein besonders intensives Erfahrungs- und Skateboard-Körperwissen zurückgreifen und meine fast 20-jährige Berufserfahrung innterhalb der Skateboard-Industrie reflexiv und kritisch in die Studie einfließen lassen. Für die Untersuchung wird ein hermeneutisch-interpretatives Forschungsparadigma (Widmer & Binder, 1997, S. 251) gewählt, das für das Deuten und Verstehen von bestehender Literatur und anderen Quellen, wie Fotos und Video-Material angewandt wird. meine Erfahrungen und mein umfassendes Vorwissen sind eine grundlegende Voraussetzung dafür, Sinnzusammenhänge zu verstehen und interpretieren zu können (Lamnek & Krell, 2016, S. 71). Der Aufbau dieses Beitrags folgt dem Verständnis von Skateboarding als Körper-Raum-Spiel nach Peters (2016, S. 267). Es wird angenommen, dass die Ästhetik des Skateboarding in dieser triangulären Konstellation maßgeblich hervorgebracht wird. Spiel, Körper und Raum fungieren somit als theoretisch-inhaltlicher Rahmen des Beitrags. Das Spiel stellt die kulturelle Rahmung mit seinen (Spiel-)Regeln und Eigenlogiken dar, in die das Skateborarding eingebettet ist. Der Raum verweist auf den räumlichen Kontext, in denen Skateboarding stattfindet. Und schließlich bedarf es des Körpers, mit dem Skateboarding zu einer physischen Praxis werden kann. Im Rahmen dieser inhaltlichen Strukturen werden die notwendigen Hintergrundinformationen erläutert, welche Grundlage zur Beschreibung und zu einem vertieften Verständnis der im letzten Abschnitt diskutierten Ästhetik-Performance darstellen.
© Copyright 2025 Skate and Research: Skateboarding als bewegungskulturelle Praxis und interdisziplinäres Forschungsfeld. Veröffentlicht von transcript Verlag. Alle Rechte vorbehalten.

Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:technische Sportarten
Veröffentlicht in:Skate and Research: Skateboarding als bewegungskulturelle Praxis und interdisziplinäres Forschungsfeld
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Bielefeld transcript Verlag 2025
Seiten:67-91
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch