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Die Unschuldsvermutung im Dopingverfahren. Gleichzeitig eine Analyse der Sportrechtsprechung des Deutschen Fußball-Bundes und des Deutschen Leichtathletik-Verbandes

Mit positiven Dopingproben von Spitzensportlern entsteht zwangsläufig ein öffentliches Interesse an deren Verhalten und den Umständen, die zu diesem Befund geführt haben. Dabei geht es nicht nur um den biochemischen Befund der Leistungssteigerung mit Hilfe verbotener Substanzen, parallel entstehen, bezogen auf den Einzelfall, sehr unterschiedliche rechtlichen Situationen und Fragen anch moralisch-ethischen Grundsätzen des Handels von Sportlern, Trainern, Ärzten und Funktionären, die im Lichte derÖffentlichkeit diskutiert werden. Den Rahmen, in dem derartige Diskussionen geführt werden, stellt einerseits das jeweilige Verbandsrecht dar, andererseits bewegt sich eine zunehmende Zahl von Dopingverfahren ebenfalls auf der Ebene der ordentlichen Gerichtsbarkeit. Auf der Grundlage des geltenden Rechts im Fußball- und Leichtathletikverband Deutschlands und dargestellt an aktuellen Beispielen für positive Dopingbefunde in beiden Verbänden untersucht der Autor in seiner erfolgreich abgeschlossenen Dissertation die damit verbundenen rechtlichen Probleme. Seinen inhaltlichen Schwerpunkt legt er auf den Beweis des subjektiven Dopingverstoßes im Einzelfall. Um die dafür notwendigen Rechtsrahmen zu erfassen, stellt er eingangs Rechtstermini, Grundlagen und Verfahrensgrundsätze im deutschen Sport vor, die von zentraler Bedeutung bei der Behandlung des Themas sind. Dazu zählen das Prinzip der Einbeziehung des Sportlers oder die Verfahren, mit denen Dopingkontrollen durchgeführt werden. Deutlich gemacht wird von ihm die zentrale Bedeutung, die dem Beweisverfahren in diesem Prozess zukommt. Deshalb werden die unterschiedlichen Ansätze vorgestellt, die zur Ermittlung der Schuld des Sportlers und der damit verbundenen Beweisführung genutzt werden (strict liability, Schuldvermutung mit Exculpationsmöglichkeit, Unschuldsvermutung, Anscheinsbeweis als Beweiserleichterung). Differenzen des Verbandsrechts zu rechtsstaatlichen Grundsätzen werden deutlich, die vom Autor aus verschiedenen Blickwinkeln analysiert und diskutiert werden. Das bezieht sich zum Beispiel auf den Strafcharakter einer verhängten Dopingsperre, das Verschuldenserfordernis für das Aussprechen einer Sperre sowie die Beweiserleichterung für Sportverbände zur effektiven Dopingbekämpfung über den Anscheinsbeweis. Durch die Vorstellung der Verfahren und der letztlich ausgesprochenen verbands- und zivilrechtlichen Urteile in sechs Verfahren im Fußballverband sowie drei Verfahren im Leichtathletikverband veranschaulicht der Autor die Unterschiede im Herangehen bereits zwischen diesen beiden Sportverbänden, legt aber gleichzeitig auch aus seiner Sicht rechtlich problematische Sachverhalte der Verfahren dar, wie zum Beispiel die Beweislastumkehr in Verfahren des Leichtathletikverbandes. Er plädiert dafür, das geltende Verbandsrecht hier weit stärker als bisher der Rechtssprechung ordentlicher Gerichte anzugleichen. Auch hier besitzt die Unschuldsvermutung herausragende Bedeutung, die sich in entsprechenden Verbandsregularien ausdrücken sollte. Er betont, dass damit ein sicheres, unanfechtbares rechtliches Terrain geschaffen werden würde, ohne dass sich dies letztlich auf das Ergebnis einer Verschuldensprüfung in Dopingverfahren auswirken muss.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Sozial- und Geisteswissenschaften Sportgeschichte und Sportpolitik
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Baden-Baden Nomos 2005
Ausgabe:Baden-Baden: Nomos Verlagsgesell., 2005.- 130 S.
Schriftenreihe:Schriften zum Sportrecht, 1
Seiten:130
Dokumentenarten:Buch
Level:hoch