Einsatz der 3-D-Kinemetrie und -Dynamometrie zur Analyse von Technikmerkmalen im sportlichen Gehen

Es ist feststellbar, dass bestimmte zeitliche und räumliche Technikparameter im sportlichen Gehen in der Zyklenfolge (Laufband) und bei Einzelzyklen im Lauflabor eine relativ hohe Übereinstimmung aufweisen. Das trifft auf die Schrittlängen, Schrittfrequenzen und bedingt auf Stütz- und Flugzeiten zu. Offensichtlich bestehen im sportlichen Gehen des Hochleistungsbereichs individuelle Technikmuster mit hoher Übereinstimmung einzelner Komponenten im Einzelzyklus unter Laufband- und Laborbedingungen. Das trifft jedoch nicht auf Phasen der kompensierten und dekompensierten Ermüdung zu, in denen bei einzelnen Gehern typische Technikverschlechterungen auftreten können. Bei beiden Sportlern kann kein regelwidriges Gehen festgestellt werden. Die Kniestreckung beider Geher ist beim Fußaufsatz und im Vertikalmoment vollständig. Unterschiede bestehen in der Möglichkeit zum Überstrecken des Kniegelenks. Geher E verfügt über die anatomische Besonderheit des Überstreckens, wodurch die vollständige Streckung bereits beim Fußaufsatz (erster Fersenkontakt) leichter realisierbar ist. Die im Wettkampf bei extremer Ermüdung zu beobachtenden Kniebeugungen im Vertikalmoment traten auf dem Laufband und unter Laborbedingungen beim Geher E nicht auf. Offensichtlich konnte sowohl auf dem Laufband (Rampentest) als auch im Lauflabor keine wettkampftypische Ermüdung induziert werden, die zu bewegungstechnischen Veränderungen führt (z. B. zu Verkrampfungen speziell bei einem der beiden Geher). Dafür müssen wettkampfnahe Strecken und Geschwindigkeiten und damit verbundene energetische Beanspruchungen in ihrem Einfluss auf die Technik beachtet werden. Das bedeutet, dass Ganganalysen zukünftig unter Beachtung der Ermüdung auf die Bewegungsausführung entweder direkt an der Wettkampfstrecke (1- bzw. 2-km-Rundkurs), auf einer Rundbahn in der Halle oder im Stadion erfolgen sollten/müssen. Beide Geher setzten das Stützbein im Kniegelenk gestreckt auf und hielten die Kniestreckung bis zur Vertikalposition aufrecht. Unterschiede des Juniors sind sowohl in den kinematischen als auch in den dynamischen Parametern nachweisbar. Als ursächlich für eine unzweckmäßige Bewegungsausführung wird die starke Orientierung von Sportler J auf eine Kniestreckung mit einem stark ausgeprägten Impact am Stützbeginn gesehen. Der Landedruck wird demgegenüber bei Sportler E durch eine Überstreckung des Kniegelenks amortisiert. In der folgenden Bewegungsphase wird das aktive Kniegelenkmoment von Sportler J verzögert aufgebaut. Diese Verzögerung führt in Verbindung mit einer starken Fußstreckung am Ende der Stützphase zu einem zweiten Kraftmaximum in vertikaler Richtung. Die Beschleunigung des Körperschwerpunkts erfolgt demzufolge zu stark vertikal und bereitet so wiederum den großen Landeimpuls des folgenden Fußaufsatzes vor. Eine optimale Bewegungstechnik im sportlichen Gehen zeichnet sich durch einen eingipfligen vertikalen Kraftverlauf und eine stärkere Beugung im Fußgelenk am Ende der Stützphase aus. Besserer Bodenkontakt erfordert das flach über den Boden Nach-vorn-Führen des Schwungbeins und anschließend das ausgeprägte Beugen im Fuß und Kniegelenk unmittelbar vor dem Lösen des Fußes in der hinteren Stützphase. In der hinteren Stützphase sind Streckung (Vertikalmoment) und Beugung (Lösen) des Beins von besonderer Bedeutung und beim Techniktraining zu beachten.
© Copyright 2017 Technologien im Leistungssport 2: Tagungsband zur 18. Frühjahrsschule am 13./14. April 2016 in Leipzig. Veröffentlicht von Meyer & Meyer. Alle Rechte vorbehalten.

Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Trainingswissenschaft Naturwissenschaften und Technik Ausdauersportarten
Tagging:Sprunggelenk
Veröffentlicht in:Technologien im Leistungssport 2: Tagungsband zur 18. Frühjahrsschule am 13./14. April 2016 in Leipzig
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Aachen Meyer & Meyer 2017
Schriftenreihe:Schriftenreihe für Angewandte Trainingswissenschaft, 6
Online-Zugang:https://open-archive.sport-iat.de/sponet/SR_2016_6_rauscher_einsatz.pdf
Seiten:138-148
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch