Selbstgesteuertes Bewegungslernen und Lernstrategien im informellen und institutionellen Sporttreiben. Eine empirische Untersuchung im Kanusport
Moderne Bildungskonzepte für verschiedene Schulformen gehen davon aus, dass die Schülerinnen und Schüler weit stärker als in der Vergangenheit in die Entscheidung über Themen und Lernwege des Unterrichts einbezogen werden sollen. Dieses trifft auch auf den Sportunterricht zu, wobei das primäre Ziel darin besteht, Kindern und Jugendlichen bei der Kompetenzentwicklung für Strategien zur Lösung von Bewegungsproblemen bzw. -aufgaben Hilfestellung zu geben. Dies wiederum soll nachhaltige Effekte zeitigen, damit in einer sich schnell entwickelnden Welt des Sports, mit sich wandelnden Formen und Inhalten, die einmal erlernten Problemlösungsstrategien auf wechselnde Situationen Anwendung finden.
Das Unterrichtsgeschehen soll folglich sehr eng mit praktischem Handeln auf der Grundlage eigener Entscheidungen bzw. der Mitwirkung an diesen Entscheidungen verbunden werden. Diese zunehmende Selbstständigkeit muss eng mit einer erlernten und praktisch angewandten Methodenkompetenz entwickelt werden. Die bisherigen Konzepte des erziehenden Sportunterrichts werden hierfür mit Ideen des selbstgesteuerten Lernens verknüpft. Aber nicht nur im Sportunterricht ist diese Verknüpfung anzutreffen und sinnvoll. Vielfach können vergleichbare Lösungen ebenso Anwendung im Vereinstraining finden, das maßgeblich von Prozessen des Bewegungslernens geprägt ist. Und nicht vergessen werden darf in diesem Zusammenhang auch das informelle Sporttreiben, das neben den Vereinsangeboten und den kommerziellen Offerten steht. Hier gilt es ebenfalls, den Sporttreibenden zur Vermeidung von Fehlern in der Trainings- und Wettkampfgestaltung Unterstützung bei der Kompetenzentwicklung zu geben, damit deren sportliche Aktivitäten in Eigenregie nicht fehlerhaft geplant und ausgeführt werden.
Am Beispiel der noch jungen Sportart Kanufreestyle nähert sich der Autor diesem komplexen und anspruchsvollen Thema. Da für die Sportart nur in begrenztem Umfang Ausbildungs- und Trainingsanweisungen existieren, wird viel nach der "Versuch-Fehler-Methode" gearbeitet. Angesichts der anspruchsvollen technischen Elemente (wie zum Beispiel Vor- und Rückwärtssalti oder komplette Eskimorollen in der Luft) und einer sehr dynamischen Weiterentwicklung sowohl des Paddel- und Bootmaterials als auch der Techniken in den Kürprogrammen, erscheinen zunehmend gezielte Lernstrategien erforderlich, um diese Elemente zu erlernen und im Wettkampf vorführen zu können. In seiner Arbeit hat Mike Lochny deshalb unsystematische Beobachtung aus dem Kanufreestyle mit Erkenntnissen zum selbstgesteuerten Bewegungslernprozess verglichen, um Ansätze für systematische Bewegungslernstrategien zu finden. Dazu wurden verschiedene Kategorien gebildet:
- Erfahrung mit dem Einsatz von Lernstrategien beim selbstgesteuerten Bewegungslernen
- Nutzung und Bewertung der Möglichkeit ohne Vorbereitung selbstgesteuert lernen zu können
- Einfluss von (eigener und fremder) Lernleistung und externen Einflüssen auf die individuelle Motivation und Vorgehensweise beim selbstgesteuerten Bewegungslernen
- systematischer, sich verändernder Lernstrategieeinsatz mit Präferenz bestimmter Strategien
- Einzelarbeit vs. kooperatives Lernen in verschiedenen Formen
- unübliche Lernergebnisse mit nachhaltiger Beeinflussung des Lernverhaltens
- Auseinandersetzung mit dem eigenen Lernprozess - Entwicklung der Persönlichkeit.
© Copyright 2010 Veröffentlicht von Feldhaus, Ed. Czwalina. Alle Rechte vorbehalten.
| Schlagworte: | |
|---|---|
| Notationen: | Sozial- und Geisteswissenschaften Trainingswissenschaft Schulsport |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Hamburg
Feldhaus, Ed. Czwalina
2010
|
| Ausgabe: | Hamburg: Feldhaus, Ed. Czwalina, 2010. - 193 S. |
| Schriftenreihe: | Sportwissenschaftliche Dissertationen und Habilitationen, 58 |
| Seiten: | 193 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |