Die politische Regulierung des Profifußballs

Veränderungen im traditionellen Sportsystem Europas haben in den letzten Jahren eine Dimension und Vielfalt erreicht, dass man sie zweifelsfrei als Erosionsprozesse bezeichnen kann, an deren vorläufigen Ende schon heute neue Strukturen, Akteure, Einflussfaktoren und Entwicklungsmöglichkeiten stehen. Die großen Spielsportarten haben in diesem Prozess durch ihren im Vergleich zu anderen Sportarten höheren Grad an Professionalisierung und Kommerzialisierung eine Vorreiterrolle gespielt, obwohl sowohl in den Sportorganisationen als auch in der Sportpolitik die Bemühungen intensiv waren, um verschiedene Entwicklungen aufzuhalten. Das Beispiel des europäischen Fußballs nimmt sich der Autor zum Gegenstand seiner politikwissenschaftlichen Untersuchung zu den politischen Regulierungsmechanismen im Sport und deren Beziehungen zu den Selbstregulierungsmechanismen der Sportorganisationen. Dabei stellt er die Gestaltungsoptionen für den Profifußball unter dem Aspekt ihrer politischen Realisierbarkeit in den Mittelpunkt der Studien. Dass die Entscheidung für eine politikwissenschaftlich fundierte Untersuchung fiel, war darauf zurückzuführen, dass für die Lösung verschiedener Probleme des Profifußballs in den Ländern Europas primär nicht-sportpolitische Gesichtspunkte ausschlaggebend waren, die gezielt mit dem Untersuchungsdesign hinterfragt werden sollen. Die damit verbundenen Regulierungsprobleme wurden und werden zunehmend auf politischen Entscheidungsebenen diskutiert, wie auch die Versuche einer adäquaten Lösung primär auf dieser Ebene anzusiedeln waren und sind. Dabei zeigen sich aber weiterhin latente Probleme des traditionellen Sportsystems, die oftmals Effekte der Kommerzialisierung repräsentieren, aber auch mit dem Verständnis von Autonomie der Sportorganisationen als einem Grundpfeiler des Sportsystems verbunden sind. Das hat auch bisher dazu geführt, dass radikalere Veränderungsvorschläge hin zu anderen systemischen Lösungen (z. B. der amerikanischen) für den Sport auf Ablehnung gestoßen sind und politisch nicht durchsetzbar waren. Beispiele dafür sind die Verhandlungen über den freien Fernsehzugang zu Übertragungen von bedeutenden nationalen und internationalen Fußballspielen, die Liberalisierung des Spielermarktes oder die Anwendung des Wettbewerbsrechts auf die Zentralvermarktungssysteme der Profiligen. Diese Themen gehören auch zu den zentralen Untersuchungsgegenständen dieser Arbeit, die durch ihren politikwissenschaftlichen Betrachtungswinkel zu vielen interessanten Erklärungen, Ideen und Anregungen kommt.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Spielsportarten Sportgeschichte und Sportpolitik
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Schorndorf Sport und Buch Strauß 2005
Ausgabe:Köln: Sport & Buch Strauß, 2005.- 412 S.
Schriftenreihe:Wissenschaftliche Berichte und Materialien des Bundesinstituts für Sportwissenschaft, 2005, 1
Seiten:412
Dokumentenarten:Buch
Level:hoch