Die Ausdauerleistungsfähigkeit korreliert stark mit der fußballspezifischen mechanischen Belastung in intensiven Spielphasen

Hintergrund: Obwohl die Bedeutung der Ausdauerleistungsfähigkeit im Fußball unumstritten ist, spiegelt sich diese nicht zwangsläufig in der Gesamtlaufleistung während des Spiels wider, da diese von zahlreichen weiteren Faktoren (Spielposition, Taktik, Spielstand, Gegner etc.) beeinflusst wird. Möglicherweise kann die Betrachtung individueller Hochintensitätsphasen in diesem Zusammenhang und im Sinne einer sportartspezifischen Leistungsdiagnostik Mehrwert generieren. Da die azyklische Belastungsstruktur durch zahlreiche Tempowechsel bzw. Beschleunigungsschwankungen charakterisiert ist, erscheint die Analyse des Beschleunigungs-Zeitverlaufs hierfür prädestiniert. Dementsprechend wurde postuliert, dass die Standardabweichung der Beschleunigung (SDa), insbesondere in intensiven Spielphasen, einen besseren Indikator für die Ausdauerleistungsfähigkeit darstellt, als Teilstrecken in etablierten Geschwindigkeitszonen. › Methode: Zur Bestimmung der maximalen Herzfrequenz (HRmax) sowie der relativen maximalen Sauerstoffaufnahme (VO2max) absolvierten 15 Profifußballer (Alter: 25,5±2,80 Jahre, BMI: 22,8±1,13 kg/m², VO2max: 54,3±4,49 ml/min/kg) eine Laufband-Spiroergometrie. Zwei Wochen später wurde die Belastung (Laufstrecke, Laufgeschwindigkeit, Beschleunigung) und Beanspruchung (ØHR) in einem Testspiel erhoben. Neben der Gesamtstrecke (TD), wurde die zurückgelegte Distanz in vier Geschwindigkeitsbereichen (WAL: <7,2 km/h; JOG: 7,2-14,4 km/h; RUN: 14,4-19,8 km/h; HIR: >19,8 km/h) mit einem GPS-Trackingssystem gemessen. Weiterhin wurden für jeden Spieler (anhand SDa) die 5-Minuten-Phasen der niedrigsten (LOW) bzw. höchsten Aktivität (HIGH) ermittelt und der Gesamteinsatzzeit (TOT) gegenübergestellt. Die Ergebnisse wurden mittels Pearson-Korrelation (r) auf Zusammenhänge geprüft. › Ergebnis: Die Beanspruchung (ØHR) im Testspiel entsprach 87,8±2,67 %HRmax und die Spieler absolvierten durchschnittlich 122±10,1 m/min (TD), vorwiegend mit Laufgeschwindigkeiten <14,4 km/h (WAL: 37,1±3,25 m/min, JOG: 52,0±7,96 m/min, RUN: 21,8±5,76 m/min, HIR: 11,2±1,69 m/min). Abgesehen von HIR in HIGH (r=0,6), wurden keine signifikanten Zusammenhänge zwischen VO2max und den untersuchten Teilstrecken (TD, WAL, JOG, RUN, HIR) gefunden (gleiches gilt für ØHR). Allerdings zeigten sich signifikante Korrelationen zwischen SDa in TOT (r=0,6) und HIGH (r=0,8). Schlussfolgerung: Die vorliegenden Ergebnisse belegen einen starken Zusammenhang zwischen der Ausdauerleistungsfähigkeit und der fußballspezifischen mechanischen Belastung in den intensivsten Phasen des Spiels.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Spielsportarten Biowissenschaften und Sportmedizin
Veröffentlicht in:Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: 2023
Online-Zugang:https://www.germanjournalsportsmedicine.com/archive/archive-2023/issue-4/scientific-abstracts/
Jahrgang:74
Heft:4
Seiten:147 Nr. 212
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch