Interdisziplinäre Beurteilungskriterien für die Rehabilitation nach Verletzungen an der unteren Extremität: Ein funktionsbasierter Return to Activity Algorithmus

(Interdisciplinary assessment criteria for rehabilitation after injuries of the lower extremity: A function-based return to activity algorithm)

Hintergrund: Bei der Nachbehandlung von Patienten mit Verletzungen an der unteren Extremität findet ein Paradigmenwechsel statt: rein zeitbasierte Nachbehandlungskonzepte treten immer mehr in den Hintergrund und werden zunehmend durch funktionsbasierte Konzepte ersetzt. Methodik: Es wird ein funktionsbasierter Return to Activity Algorithmus vorgestellt, der sich an einer Leveleinteilung (I-IV) orientiert. Jedem Level ist zunächst ein qualitativer und ein entsprechender quantitativer Test zugeordnet. Innerhalb des zu testenden Levels muss immer zunächst der qualitative Test bestanden werden bevor der Patient den zugeordneten quantitativen Test durchführen darf. Beide Tests müssen erfolgreich absolviert worden sein, um das jeweils nächste Level zu erreichen. Das Beurteilungskriterium für die erfolgreiche Absolvierung jedes Levels ist immer der qualitative bzw. quantitative Vergleich mit der nicht betroffenen Extremität. Die Level sind stufenweise mit aufsteigender motorisch-funktioneller Anforderung aufgebaut und erfordern im Level I sagittale Stabilität ohne Impacts, im Level II dynamische Stabilität in der Sagittalebene, im Level III zusätzlich dynamische Stabilität in der Frontalebene und im Level IV multidirektionale dynamische Stabilität. Der zeitliche Aufwand für die Testung der einzelnen Levels beträgt nicht länger als fünf Minuten. Der Return to Activity Algorithmus wird am Beispiel eines Profifußballers beschrieben. Nach einer Knieverletzung wurde dieser mit einer VKB-Rekonstruktion (Patellasehne) und einer Teilmeniskusentfernung (lateral und medial) arthroskopisch versorgt. Ergebnisse: Der Sportler konnte am Ende der Rehabilitation jedes Level erfolgreich absolvieren. Die Gesamtdauer der Rehabilitation betrug 203 Tage. Das erste komplette Training mit der Mannschaft bestritt er nach 222 Tagen. Der Spieler wurde 247 Tage nach seiner Verletzung erstmals wieder bei einem Fußballspiel über die volle Spielzeit eingesetzt. Diskussion: Der Return to Activity Algorithmus hilft, den funktionellen Status nach einer Verletzung oder einer Operation zu evaluieren und ist in der Lage, Defizite oder Asymmetrien aufzudecken die ein Risiko für eine Reverletzung darstellen. Ein individuelles funktionsbasiertes Vorgehen hilft, die Belastung spezifisch zu dosieren und den richtigen Zeitpunkt für die weitgehend risikoarme Rückkehr zum Sport zu bestimmen. Autorreferat
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Bibliographic Details
Subjects:
Notations:biological and medical sciences sport games
Published in:Sportverletzung Sportschaden
Language:German
Published: 2016
Online Access:https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0042-100966
Volume:30
Issue:1
Pages:38-49
Document types:article
Level:advanced