Das internationale Sportverbandsrecht im Geltungsbereich des europäischen Unions- und Assoziierungsrechts. Von Bosman über Meca-Medina zu Bernard
Im Spitzensport gehören Trainer und Manager zu den entscheidenden Personen in der Entwicklung der sportlichen Leistung wie auch des wichtigen sportlichen Umfelds. Der Erfolg (oder eben auch Misserfolg) von einzelnen Sportlern, Trainingsgruppen, ganzer Mannschaften oder sogar eines Vereins insgesamt ist maßgeblich mit davon abhängig, wie gut und kompetent diese handelnden Personen Konzepte für die Leistungsentwicklung konzipieren, umsetzen und reflektieren und daraus einen kontinuierlichen Prozess gestalten.
Insofern wird von ihnen ein sehr hohes Maß an Kompetenzen in einer breiten und sich dynamisch entwickelnden Themenvielfalt erwartet, ja gefordert. Die Zunahme der Leistungsdichte im Spitzenbereich vieler Sportarten auf der nationalen wie auch der internationalen Bühne des Sports führt dazu, dass der Die Entwicklungen des nationalen, insbesondere aber des internationalen Sports, und hier primär, wenn auch nicht ausschließlich, des Leistungssports haben zu seiner immer engeren Verknüpfung mit anderen Gesellschaftsbereichen geführt. Internationalisierung und Medialisierung sind hier zwei Schlagworte für Entwicklungen, die sich rasant vollziehen. Diese haben wiederum zunehmend Einfluss auf den Rechtsrahmen, in dem Sport in der Gegenwart stattfindet. Dieser umfasst inzwischen sowohl das Sportverbandsrecht, das nationale Zivil- und Strafrecht, aber eben auch das Recht, das durch und für die Europäische Union entwickelt wurde und hier auch zur Anwendung kommt.
So sind die internationalen Sportverbände aufgefordert, umfassende, alle Aspekte der sportlichen Aktivitäten umfassende Regelwerke zu erstellen und sie mit nationalem und internationalem Recht zu synchronisieren. Das Unions- und Assoziierungsrecht haben dabei eine herausgehobene Bedeutung erlangt, da dieses sowohl im nationalen Rahmen, aber auch in vielen transnationalen Themen zur Anwendung gebracht wird.
Mit der vorliegenden Arbeit wendet sich Florian Jung diesem wichtigen Arbeitsfeld zu, in dem einerseits die Sportverbände um ihr autonomes Handeln kämpfen, was angesichts der Besonderheiten des Sports und der Sportorganisationen auch gut nachvollziehbar ist. Gleichzeitig erlebt der Sport aber auch den Anspruch der Einrichtungen der europäischen Rechtsprechung, dass das von ihnen geschaffene Recht wie in vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen auch im nationalen und internationalen Sport zur Anwendung kommt.
In der eingehenden Behandlung des Themas greift die Arbeit zu Beginn grundsätzliche Fragen wie die der Rechtsqualität des internationalen Sportverbandsrechts auf, da diese von entscheidender Bedeutung für den eventuellen Geltungsanspruch ist. In der Folge sind dann eher "rechtspraktische" Themen in der Diskussion um zu klären, in welchem Maße es bereits Übereinstimmungen zwischen den beiden Rechtsräumen gibt oder wo Unterschiede zu identifizieren sind. Damit verbunden ist die fachliche Diskussion der Frage, in welcher Tiefe internationale Sportverbände an die rechtlichen Regelungen der Europäischen Union (wie die zum Wettbewerbsrecht, zum Binnenmarktrecht) gebunden sind. Florian Jung fügt der Analyse und Diskussion dieser Teilthemen ein neues, wichtiges hinzu, aus dem sich eine "individualschützende Funktion" ergibt, mit denen eine individuelle wirtschaftliche Freiheit gesichert wird: die allgemeinen Grundfreiheiten, die für die EU gelten, mit ihren Beziehungen zum internationalen Sportrecht. Aus diesen Teilaspekten entsteht dann auch das Bild eines Dreiecksverhältnisses für die Beziehungen zwischen Sport- und Unionsrecht.
In der Weiterführung führt der Autor dann zu einer Abwägung zwischen den unterschiedlichen Rechtspositionen, die dieses Spannungsverhältnis in der Sportpraxis zunehmend kennzeichnet. Inwieweit ist der einzelne, Sport, meistens Leistungssport treibende EU-Bürger in der Lage, seine Grundrechte tatsächlich durchzusetzen, ohne dass dadurch die Besonderheiten des Sports entscheidend in Frage oder gar zerstört werden. Wo kann man sich rechtlich abgesicherte Ausnahmen vorstellen und warum? Wie eng verflochten sind das Wettbewerbsrecht und die wirtschaftlichen Besonderheiten des modernen Leistungssports (medial zu beschauen bei den regelmäßigen "Problemfällen" insbesondere in den großen, kommerzialisierten Mannschaftssportarten)?
Am Beispiel aktueller Rechtsfälle, wie der 50+1-Regel für Fußballvereine oder das durch die UEFA zur Anwendung gebrachte financial fair play im europäischen Profifußball werden die praktischen Anforderungen an einzuführendes Sportrecht illustriert und die Konsequenzen vorgestellt, die sich in diesem Spannungsfeld nicht nur ergeben können, sondern für die es bereits aktuelle Rechtsfälle gibt, die teilweise noch einer höchstrichterlichen Rechtsprechung bedürfen.
Aus der Gesamtsicht auf das komplexe Problemfeld ergeben sich letztlich auch Konsequenzen zu Rechtsschutzüberlegungen, die zum Abschluss der Arbeit ebenfalls vorgestellt werden.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Sozial- und Geisteswissenschaften Theorie und gesellschaftliche Grundlagen |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Berlin
Duncker u. Humblot GmbH
2017
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| Schriftenreihe: | Beiträge zum Sportrecht, 52 |
| Online-Zugang: | http://www.duncker-humblot.de/index.php/das-internationale-sportverbandsrecht-im-geltungsbereich-des-europaischen-unions-und-assoziierungsrechts.html?q=+978-3-428-15104-2 |
| Seiten: | 427 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |