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Variabilität prozessorientierter Bewegungsmuster beim Strafstoß

Hoch automatisierte Bewegungsabläufe sind ein Expertisemerkmal. Dennoch zeigen Experten bei gleichen sich wiederholenden Bewegungen geringe Variabilität in den Bewegungsmustern (Sforza et al., 1997). Die Variabilität nimmt weiter zu, wenn die Aufgabenstellungen verändert werden. Egan et al. (2007) halten größere kinematische Unterschiede der Schussbewegung bei einem ruhenden und rollenden Ball fest. Die Autoren interpretieren die Variabilität als .motor equivalence' bzw. als funktionale Variabilität. Inwiefern die Anlauf- und Schussbewegung beim Strafstoß auf verschiedene Zielzonen Variabilität aufweist, war Ziel dieser Studie. Methode: 21 Regionalligaspieler (0 25,1+5,9 Jahre) führten jeweils 6 Strafstöße auf 4 Zielfelder aus. Die Zielfelder (1m2) waren in den Ecken eines normalen Fußballtores platziert. Die Bewegungen vom Lösen des vorletzten Schritts bis zum Ballkontakt wurden über ein Vicon MX System (8 Kameras, 100Hz) erfasst. Auf Basis eines Ganzkörpermodells (35 Körpermarker) wurden Winkel-Verläufe, Winkelgeschwindigkeit und Ortskoordinaten der Gelenkmittelpunkte in den Schulter-, Ellbogen-, Hand-, Hüft-, Knie- und Sprunggelenken beider Körperseiten berechnet. Für jeden Versuch wurden paarweise die euklidischen Distanzen zwischen den amplituden- und zeitnormierten Verläufen zu jedem anderen Versuch bestimmt (vgl. Jaitner et al., 2001). Aus den resultierenden Distanzmatrizen wurden die Variabilitätskoeffizienten (CoV) für die phasenbezogenen Bewegungsmuster berechnet. Ergebnisse: Die Gruppenmittelwerte der CoV über die gesamte Bewegung ergeben für die Merkmale Winkel-Verlauf (10,8%) und -geschwindigkeit (8,9%) geringere Werte im Vergleich zu den Ortskoordinaten der Gelenkmittelpunkte (32,2%). Bei Betrachtung einzelner Phasen der Bewegung lassen sich unterschiedliche Strategien in der Anlaufgestaltung feststellen. Die Hälfte der Probanden weist eine starke Erhöhung der Variabilität in der mittleren Phase des Anlaufs auf. Trotz erhöhter Variabilität in der Bewegung zeigen einzelne Probanden hohe Trefferquoten für die Zielfelder. Somit liegen geringere funktionale Anpassungen bei körperbezogenen Merkmalen im Vergleich zu raumbezogenen Merkmalen vor. Unabhängig von der Strategie beim Anlauf können hohe Trefferquoten erzielt werden.
© Copyright 2014 Neue Ansätze in der Bewegungsforschung. Jahrestagung der dvs-Sektion Biomechanik vom 13.-15. März 2013 in Chemnitz. Veröffentlicht von Feldhaus, Ed. Czwalina. Alle Rechte vorbehalten.

Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Trainingswissenschaft Spielsportarten
Tagging:Bewegungsmuster
Veröffentlicht in:Neue Ansätze in der Bewegungsforschung. Jahrestagung der dvs-Sektion Biomechanik vom 13.-15. März 2013 in Chemnitz
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Hamburg Feldhaus, Ed. Czwalina 2014
Schriftenreihe:Schriften der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft, 235
Seiten:167-173
Dokumentenarten:Buch
Level:hoch