Personaldiagnostik und Entwicklung im Profi-Fußball. Konzeption und Evaluation eines Instruments zum taktischen Entscheidungsverhalten im Fußball
In der täglichen Arbeitspraxis von Personalverantwortlichen in Wirtschaftsunternehmen gehört die Nutzung von psychologischen Diagnostikmethoden und -instrumenten zum Standard. Ziel ist es stets, die geeignetsten Kandidaten für eine Position zu finden, in dem ihr Leistungsvermögen und ihre Persönlichkeit einer Bewertung unterzogen werden. Die Beschäftigung damit ist aus Sicht der Personalverantwortlichen von besonderer Bedeutung, da die Bewerber ihnen in vielen Fällen bis dahin unbekannt sind.
Im Sport, und insbesondere in Profisportarten, wird ebenfalls regelmäßig versucht, die Leistungsfähigkeit von Teams, Trainern und weiteren Experten zu verbessern. Die Suche nach geeigneten Kandidaten konzentriert sich gerade für das sportliche Personal auf eine genaue Beobachtung und Analyse der Leistungen während des sportlichen Wettkampfs. Scouts bereisen für die Vereine aus den großen Ballsportarten die ganze Welt, es werden internationale Netzwerke aufgebaut und genutzt, um geeignete Kandidaten zu finden. Inzwischen hat sich daraus ein Berufszweig entwickelt, der schon im Kinder- und Jugendbereich weltweit nach Talenten sucht, um sie interessierten Vereinen anzubieten. Aber auch hier stehen technisches, konditionelles und taktisches Leistungsvermögen im Mittelpunkt, auch wenn Fragen wie Umgang mit Stress, Reaktions- und Handlungsschnelligkeit - und damit auch Entscheidungsverhalten - zwangsläufig nicht vollkommen außer Acht gelassen werden können. Die konditionellen und koordinativen Leistungsfaktoren werden sowohl durch Beobachtung analysiert, hinzu können aber auch entsprechende leistungsdiagnostische Verfahren genutzt werden, um die Leistung in den Faktoren Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit oder Beschleunigung zu messen.
Die Zahl der zur Verfügung stehenden psychologischen Tests wie auch deren Verbreitung und Akzeptanz im Sport hat sich in den letzten Jahrzehnten zwar deutlich erhöht bzw. verbessert, es kann aber nicht davon gesprochen werden, dass ihr Einsatz inzwischen zu einem durchgängigen Standard geworden ist. Angesichts der sportlichen wie auch finanziellen Konsequenzen, die sich für Vereine, also Arbeitgeber, aus der Fehlbesetzung einer Position im Team ergeben können, ist das nur schwer nachvollziehbar.
In der vorliegenden Arbeit hat sich Benjamin Koch dem Thema mit Blick auf die Sportart Fußball angenommen und ein taktisch-psychologisches Instrumentarium entwickelt und erprobt, das sich speziell mit dem Entscheidungsverhalten von Sportlern auseinandersetzt. Im Fußballspiel gibt es für jeden Spieler immer wieder neue Situationen, auf die er adäquat reagieren muss, was mit bewussten Entscheidungen für eine Lösungsvariante verknüpft ist. In der Situation wirken dann eine Reihe personale Faktoren wie die Leistungsmotivation, die Stressregulation, die Teamorientierung, die Flexibilität und die Risikodisposition, die maßgeblichen Einfluss auf das Entscheidungsverhalten haben. Mit dem von ihm entwickelten Instrumentarium soll gerade hier angesetzt werden und eine Personaldiagnostik eingeführt werden. In einem zweiten Schritt geht es dem Autor auch darum, das Instrumentarium zusammen mit Trainingsinterventionen zur Personalentwicklung zu nutzen.
Die Schwerpunktsetzung im sportartspezifischen Entscheidungsverhalten wurde ausgewählt, da sie bei der Lösung taktischer Situation einen wesentlichen Einfluss auf die Erfolgswahrscheinlichkeit besitzt. Dazu wurden taktische Kategorien des Entscheidungsverhaltens zur Überprüfung des Inhaltsvalidität genutzt. Die sich daran anschließende Studie wurde durch psychologische Kategorien ergänzt, um die Komplexität und Vielgestaltigkeit der Entscheidungsprozesse entsprechend abbilden zu können. Durch die manipulative Veränderung ausgewählter Elemente wie der Risikoneigung oder des Spielzeitpunkts konnten Erkenntnisse gewonnen werden, wie das Instrumentarium in sich verändernden Rahmenbedingungen genutzt werden kann und welcher Einfluss sich hinsichtlich des Erfolgs der Lösungsvariante ergibt. Die Instrumente wurden in einer Spieler- und in einer Trainerversion sowohl als Print-Medium als auch als online-Version entwickelt und erprobt. Diese Parallelität zwischen Spieler- und Trainereinschätzung wurde für eine qualitative Bewertung der Spielerentscheidungen genutzt.
Im Ergebnis konnten so für das Spiel und das Training wichtige taktische Spielsituationen definiert werden und es wurden erste Erfahrungen gesammelt, wie das Instrumentarium im Trainingsalltag eingesetzt werden kann. Die Untersuchungen wurden so angelegt, dass die Beteiligten eine Rückmeldung in Form einer Auswertung erhielten, die wiederum für Trainer Hinweise und Empfehlungen für die gezielte Trainingsarbeit enthielten.
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| Subjects: | |
|---|---|
| Notations: | sport games training science social sciences |
| Language: | German |
| Published: |
Hamburg
Disserta
2012
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| Edition: | Hamburg: Disserta, 2012.- 224 S. |
| Pages: | 224 |
| Document types: | book |
| Level: | advanced |