Verteidigen mit System. Von der Spielanalyse bis zur Trainingsform

Das grundlegende Rollen- und Spielverständnis im Abwehrbereich hat in den letzten zehn Jahren im Fußball national wie international einen deutlich spürbaren Wandel durchgemacht. Den prägnantesten Ausdruck finden neue, moderne Auffassungen in der Hinwendung zur Ballorientierung innerhalb einer Abwehr-Viererkette, weg vom Spiel mit Libero und/oder Manndeckern. Dass sich daraus wiederum angepasste oder neue Konzepte im Umgang mit der neuen Art der Verteidigung des eigenen Tors für den Offensivbereich ergeben haben (zum Beispiel durch die "Erschließung" von Freiräumen auf den Flügeln, die durch die Ballorientierung der Außenverteidiger entstehen können), ist nur folgerichtig. Dies führte, natürlich möchte man sagen, wieder zu Weiterentwicklungen der Defensivkonzeption(en), zum Beispiel beim Stellungsspiel oder beim taktischen Verschieben ganzer Mannschaftsteile auf dem Spielfeld, um eine erfolgreiche Abwehr zu organisieren. Diese Tendenzen, die zweifelsohne nicht das Ende der Entwicklungen der Spielkonzeptionen und Taktikvarianten darstellen, führen zwangsläufig auch zu Konsequenzen in den Ausbildungskonzeptionen und Trainingskonzepten. Die für eine erfolgreiche Umsetzung innerhalb von Spielen notwendigen technischen, konditionellen und taktischen Voraussetzungen erfordern eine zielgerichtete, mehrjährige Ausbildung der Spielerinnen und Spieler auf allen Spielpositionen. Ein Beispiel dafür ist die Vorbereitung eines intensivierten Konterspiels, was an die Spieler aller Mannschaftsteile entsprechende Anforderungen stellt, mit dem aber gerade die dann noch fehlende Organisiertheit, die Ordnung im Abwehrriegel für erfolgreiche Angriffe genutzt werden soll - mit den entsprechend gewachsenen Anforderungen an Stürmer wie Verteidiger gleichzeitig hinsichtlich Schnelligkeit, Schnelligkeitsausdauer oder Ausdauer. Mit den Veränderungen einher gegangen sind auch neue Optionen, die es innerhalb des Entscheidungsverhaltens von Spielern für die Spieleröffnung, die Weiterführung von Angriffs- und Abwehraktionen oder hinsichtlich der Positionierung der Viererkette auf dem Spielfeld gibt. Auch dies sind Trainingsthemen, die entsprechend vorbereitet werden müssen, für die Spielerinnen und Spieler ausgebildet werden müssen, um in dynamischen Spielsituationen erfolgreich handeln zu können. Es gilt Spielerinnen und Spieler auszubilden, die individual- und gruppentaktisch flexibel sind und das für das gesamte Team entwickelte taktische Konzept erfolgreich umsetzen können. Dabei wird eine planvolle, aktiv betriebe Verteidigungsarbeit oftmals aus einer tiefen Staffelung heraus betrieben, mit der die Räume bewusst und effektiv für die angreifende Mannschaft verengt werden. Das Prinzip "Sicherheit zuerst" zur Torvermeidung mit konsequenter Torsicherung steht für diese Auffassung. Alternativ gibt es auch das aktive Pressing in der gegnerischen Spielhälfte, das insbesondere zum Ende des letzten Jahrzehnts zu einem der dominierenden Konzepte wurde, bei dem die Balleroberung stärker in den Mittelpunkt rückte. Dabei wird schon nahe der Mittellinie eine aktive Abwehrarbeit aufgenommen, sollen gezielte Störaktionen den Spielaufbau des Gegners erschweren bzw. gar verhindern. Die Umsetzung der Strategien vollzieht sich aber immer in der Interaktion von zwei Teams, in der beide versuchen, jeweils für sich günstige taktische Konstellationen auf dem Spielfeld zu schaffen, in dem sie die Spielaktionen gezielt in bestimmte Richtungen und Spielräume lenken. Das wiederum muss entsprechend im Training vorbereitet werden. Und da es nicht nur ein Spielsystem gibt, sondern mit 4-4-2 flach, 4-4-2 mit Mittelfeldraute, 4-3-3 und 4-2-3-1 mindestens vier dieser taktischen Grundsysteme im nationalen und internationalen Fußball anzutreffen sind, müssen sie auch von den Spielern auf ihren Positionen beherrscht werden, um die jeweiligen positionsspezifischen Aufgaben aktiv zu erfüllen. Das Ausbildungsbuch des Deutschen Fussball-Bundes stellt diese Themen in den Mittelpunkt dieses Buchs, mit dem Übungsleiter und Trainer im Amateur- wie auch im Profibereich, im Jugend- wie im Erwachsenenbereich einen Leitfaden für ihr Abwehrtraining an die Hand bekommen. Die Autoren haben dazu Übungen zusammengestellt, mit denen die positionsspezifische Ausbildung optimiert und das mannschaftstaktische Verhalten den aktuellen Trends des modernen Hochleistungsfußballs entsprechen soll. Dazu dient auch die Beschäftigung mit dem taktischen Konzept des unmittelbaren Nachsetzens nach Ballverlust, das Spanien zum Titelgewinn bei der Weltmeisterschaft 2012 geführt hat und was dem neuesten Trend einer aktiven, von allen Mannschaftsteilen betriebenen Abwehrarbeit entspricht.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Spielsportarten Trainingswissenschaft
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Münster Philippka Sportverlag 2012
Ausgabe:Münster: Philippka, 2012.- 287 S.
Seiten:287
Dokumentenarten:Buch
Level:mittel