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Der kompetente Fußballtrainer: Moderne Arbeits- und Sichtweisen

Die Frage nach den Kennzeichen eines erfolgreichen Trainers ist so alt wie die Tätigkeit insgesamt. Mit einer zunehmenden Professionalisierung in einer wachsenden Zahl von Sportarten, die wohl in den großen Teamsportarten wie Fußball, Eishockey, Basketball und American Football ihren Anfang genommen hat, inzwischen aber in wohl allen seriös betriebenen Sportarten angekommen ist, sind die Anforderungen und Arbeitsfelder in dieser Profession umfassender und auch ein Stück unübersichtlicher geworden. Trainer im modernen Verständnis arbeiten nicht selten in interdisziplinär zusammengesetzten Expertenteams, in denen sehr unterschiedliche Kompetenzen, Wissens- und Erfahrungsvorräte zusammengefügt, gemanagt und zur Entwicklung individueller und Mannschaftsleistungen eingesetzt werden müssen. Die Herausforderungen an Trainer, die die allgemeine und spezifische Trainingswissenschaft mit allen Teilbereichen genauso verstehen und beherrschen sollen, wie die in ihrer Sportart relevanten sportmedizinischen, sport- und ernährungsphysiologischen, biomechanischen und biochemischen Prozesse, die exzellente Sportpsychologen sein sollen, ein ausgesprochenes Organisationstalent besitzen und auch die Kunst der medialen Präsentation erlernt haben und sie anwenden können sollen (um nur einige der wichtigsten Themen herauszugreifen) sind insbesondere im Hochleistungssport extrem und übersteigen, wenn sie auf die Einzelperson bezogen werden, nicht selten das Maß des Machbaren. Was man aber von einem guten und sehr guten Trainer erwarten kann, und das unabhängig von der Sportart oder Disziplin, ist die Beherrschung eines mehrjährigen Trainings- und Wettkampfprozesses inklusive der Entwicklung geeigneter Trainingsprogramme für unterschiedliche Alters- und Leistungsklassen. Dazu gehört Wissen zur sportartspezifischen Leistungsstruktur und zu den Leistungsfaktoren, die wiederum die Grundlage für die Gestaltung von Mikro-, Meso- und Makrozyklen in der jeweiligen Sportart sind. Ein Trainer muss wissens- und auch erfahrungsbasierte Entscheidungen treffen, was die von ihm betreuten Sportler technisch und taktisch leisten können müssen und muss wissen, auf welchem trainingsmethodischen Weg er dahin gelangt. So trifft er in den Spiel- und Kampfsportarten beispielsweise Entscheidungen über das Spiel- oder Kampfkonzept und bereitet Sportler und Teams im Training entsprechend vor. Er entwickelt ein klares Bild davon, welchen individuellen Beitrag einzelne Mitglieder eines Teams erbringen sollen, damit ein erfolgreiches Mannschaftsergebnis entstehen kann. Dazu hat er klare Vorstellungen davon, wie seine Sportler in den unterschiedlichen (und manchmal schnell wechselnden) Wettkampfsituationen agieren bzw. reagieren sollen. Ein Trainer muss darüber hinaus Fähigkeiten besitzen, um die aktuelle und potenzielle Leistungsfähigkeit seiner Sportler zu erkennen oder zu ermitteln, diese zu bewerten und Vorstellungen zu deren Weiterentwicklung zu entwickeln. Dies ist oftmals verbunden mit der Einschätzung alterstypischer Entwicklungsphasen und -probleme und der Anwendung geeigneter Mittel und Methoden im Training und Wettkampf. Auch für "fertige" Sportler im Hochleistungsbereich muss er Ideen entwickeln können, diese als Persönlichkeit und als Sportler weiterzuentwickeln. Verbunden mit diesen Aufgaben ist ein klares Bild von sich selbst. Erfolgreiche Trainer sind fachlich sehr gut ausgebildet und können deshalb selbstbewusst auftreten. Sie verstehen aber gleichzeitig, wo sie von anderen Experten lernen können bzw. wo die Integration weiterer Fachleute zur sportlichen Entwicklung sowie zum sportlichen Erfolg beitragen kann. Wenn Trainer derart agieren, können sie ein auf Wissen, gemeinsamen Erfahrungen und Vertrauen basierendes Verhältnis sowohl zu ihren Sportlern als auch innerhalb des Betreuerteams aufbauen. Damit wiederum gelingt es ihnen, die Sportler für neue Aufgaben im Training und Wettkampf zu motivieren, sie können sie innerhalb dieses Prozesses gut führen und die geplanten Trainingseffekte erreichen. Sie werden zur Vertrauensperson ihrer Sportler, eine Position, die sie sich durch besonderes Wissen und besondere Erfahrungen, aber auch durch ihre Art der Kommunikation erworben haben. Daraus erwächst für sie aber auch ein besonderes Maß an Verantwortung, insbesondere im Nachwuchs- und Hochleistungssport, das sie durch einen kontinuierlichen, eigentlich lebenslangen Lern- und Weiterbildungsprozess rechtfertigen sollten. Am Beispiel des Fußballs entwickelt Tomas Zivic sein Bild eines kompetenten Trainers, indem er diese Teilthemen aufgreift und auf dem Hintergrund fußballspezifischer und -typischer Bedingungen und Anforderungen präsentiert.
© Copyright 2011 Veröffentlicht von bfp Versand Anton Lindemann. Alle Rechte vorbehalten.

Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Spielsportarten Trainingswissenschaft
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Leer bfp Versand Anton Lindemann 2011
Ausgabe:Leer (Ostfriesland): bfp Versand Anton Lindemann, 2011.- 210 S.
Seiten:210
Dokumentenarten:Buch
Level:mittel