Die Gleichwertigkeit von Leistung und Zufall im Wettkampfsport
Für alle am Sport Interessierten ist die Leistung der dominante Faktor, der über Weite, Höhe, Sieg oder Niederlage entscheidet. Daneben gibt es aber auch den Zufall, der - und auch das hat wohl jeder schon erlebt - unerwartet Einfluss auf das sportliche Ergebnis nehmen kann bzw. nimmt. Um eine Antwort auf die Frage zu finden, wie groß der Einfluss der Leistung bzw. des Zufalls im Fußball ist, hat der Autor extreme Tabelle-Simulationen durchgeführt und dabei festgestellt, dass das Verhältnis im Männerfußball bei nahezu 50:50 beträgt, während es im Frauenbereich 90:10 zugunsten der Leistung ist. Zu wissen wo die Ursache für dieses Ergebnis liegt hat den Autor dazu geführt, sich intensiver mit dem Thema des Einflusses dieser beiden ungleichen Komponenten auf die sportliche Leistung befassen, und das dann auch in anderen Sportarten wie Handball, Tennis oder Leichtathletik.
Dabei stellt der Autor einleitend fest, dass Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer oder andere Fähigkeiten bzw. Fertigkeiten für die in einem sportlichen Wettkampf erzielten Ergebnisse von entscheidender Bedeutung sind. Was ist aber, wenn SportlerInnen ein nahezu identisches Leistungsniveau besitzen, wie wir dies zunehmend im internationalen Hochleistungssport, aber auch in der Männer-Fußball-Bundesliga konstatieren, welche Rolle spielt dann der Zufall - er wird dann zu einer entscheidenden Einflussgröße. Dafür finden sich in Kirschlings Buch verschiedene Beispiele, wobei dafür eine vorherige definitorische Klärung der Begriffe (reiner) Zufall, erkennbarer und nicht erkennbarer Zufall, ursächlicher Zufall, verdeckter, Zufall, gewollter bzw. ungewollter Zufall oder Zufall bei kontinuierlichen Merkmalen von großer Bedeutung sind. Erst wenn darüber Klarheit geschaffen ist, können Fehlschüsse beim Elfmeterschießen im Fußball oder am Schießstand im Biathlon, Stürze im Eiskunstlauf oder im Gerätturnen entsprechend eingeordnet werden. Dabei ist eine weitere Einflussgröße zu beachten, die in diesem Zusammenhang entscheidend ist: die Wahrscheinlichkeit, dass ein Ereignis eintritt oder auch nicht.
In der Betrachtung von sportlichen Ergebnissen in verschiedenen Sportarten stellt der Autor mehrfach fest, dass das festzustellende bzw. nicht ausgeprägt vorhandene Leistungsfälle zwischen sportlichen Konkurrenten wesentlich dafür ist, inwieweit der Zufall Einfluss auf das Ergebnis am Ende des Wettkampfs hat. Ein weiterer Faktor sind die Regeln der Sportart, die zum Beispiel in den Ballsportarten dem Team das nächste Angriffsrecht zusprechen, das gerade ein Tor "geschluckt" hat. Damit entsteht eine Wahrscheinlichkeit, dass dieses Team in diesem Angriff ebenfalls zu einem Torerfolg kommt. In Sportarten, in denen dies nicht so geregelt ist, spielt der Zufall auch eine größere Rolle. Weitere zufällige Einflussfaktoren sind Witterungsbedingungen, die für die Leistung in Outdoor-Sportarten oftmals bedeutsam sind - man denke nur an die Wind- und Schneeverhältnisse im Skispringen bzw. Skilanglauf.
In einem engen Zusammenhang mit diesen "zufälligen" Fragen steht auch das Problem der sportartspezifischen Leistungsbeurteilung, die entweder durch Messen (Leichtathletik, Schwimmen), optischen Vergleich (Ball im Feld oder nicht im Badminton oder Volleyball), Beurteilung durch Kampfrichter (Wasserspringen oder Judo), durch Tore als zählbares Maß (im Fußball oder Handball) oder durch Mischformen (wie Messen und Beurteilen im Skispringen) erfolgt. Auch diese Frage wird diskutiert und in den Zufallszusammenhang gestellt.
In der Zusammenfassung wird noch einmal deutlich unterstrichen, dass sportlicher Erfolg ohne Leistung nicht möglich ist, dass diese durch individuelle, kollektive und systematische Einflüsse beeinflussbar ist, dass diese auch durch nicht-sportliche Einflüsse (wie den "Kauf" talentierter Sportler für ein Team) käuflich geworden ist. Leistung ist in vielfältiger Form während des Wettkampfs wahrnehmbar, sie allein ist aber keine Garantier für Erfolg. Der Zufall spielt hier eben auch eine Rolle, auch wenn er nicht beeinflussbar oder gar käuflich ist. Er ist im Sport durch singuläre Ereignisse oftmals erkennbar, seine Wirkung auf den Erfolg kann man aber nicht immer erkennen, da dies oftmals unterschwellig passiert, Der Zufall nimmt insbesondere dann zu, wenn sich das sportliche Leistungsniveau sportlicher Konkurrenten angleicht.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Sozial- und Geisteswissenschaften |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Schorndorf
Hofmann Verlag
2008
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| Ausgabe: | Schorndorf: Hofmann, 2008. - 110 S. |
| Seiten: | 110 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |