Kommerzialisierung im Leistungssport. Wie verhält sich der Profisportler als Unternehmer?
Einer der bekanntesten Profisportler des letzten Jahrzehnts, Lance Armstrong, beschreibt seine Entwicklung auf dem Höhepunkt seiner sportlichen Karriere 1999 damit, dass er "nicht mehr einfach ein Mensch war, sondern zu einem Unternehmer geworden" war. Dieses auf den ersten Seiten der Magisterarbeit von Stephan Kraus gewählte Zitat beschreibt sehr gut den Untersuchungsgegenstand, dem sich der Autor zuwendet. In einer durch Internationalisierung und Ökonomisierung geprägten globalisierten Gesellschaft sehen sich Sportlerinnen und Sportler in einer zunehmenden Zahl von Sportarten unternehmerischen Chancen, Aufgaben, aber auch Zwängen und Risiken gegenüber, die gut mit ihrer Hauptbeschäftigung, dem Training und Wettkampf, in Einklang gebracht werden sollten bzw. müssen. Die Kommerzialisierung des Spitzensports führt dabei zu Konsequenzen für den Berufssport(ler), der sich mit einer wachsenden Zahl von Themen, Handlungsbereichen und Partnern auseinandersetzen muss. Sie/er ist es letztlich der (mit)entscheidet, in welchem Maße, in welcher Form, mit welcher Regelmäßigkeit oder Häufigkeit es zu einer Überlappung sportlicher Maßnahmen mit unternehmerisch geprägten Aktionen kommt, wie er diese in seinen gesamten Lebensvollzug (im Team, mit Freunden oder in der Familie) erfolgreich integrieren kann und welches Konzept er/sie als SportlerIn, Persönlichkeit und auch als UnternehmerIn für sich entwickelt und allein oder mit unternehmerischen Partnern umsetzt. Nicht zuletzt steht die Aufgabe, Auswüchse, Verstöße gegen geltendes allgemeines und Sportrecht zu verhindern, die wiederum negative Konsequenzen sowohl für die sportliche Laufbahn als auch für das unternehmerische Potenzial des einzelnen Sportlers beinhalten können.
Dabei sind diese unternehmerischen Aktivitäten nicht isoliert zu betrachten, haben sie doch nicht unwesentliche Rückwirkungen auf das Gesamtverhalten der Sportlerinnen und Sportler als Person innerhalb der modernen Gesellschaft. Das Produkt, die sportliche Leistung, bildet die Basis dafür, um ökonomischen Gewinn zu erzielen, und das geht nur innerhalb der Grenzen der psycho-physischen Leistungsfähigkeit und auch nur in einem recht eng gesetzten zeitlichen Rahmen - der sportlichen Karriere. Innerhalb dieses Rahmens muss der Sportler seine unternehmerischen Entscheidungen treffen.
In der vorliegenden Arbeit wird dieses Konstrukt vom Autor sowohl auf einer wissenschaftlich-theoretischen Grundlage untersucht, aber es gelingt auch sehr gut, den Bogen hin zur aktuellen Leistungssportpraxis zu ziehen. Dazu konnten sechs aktuelle Spitzensportler aus dem Radsport, Fußball und der Leichtathletik befragt werden, die einen Einblick in ihre unternehmerische Praxis gestatten. Anhand sehr umfänglicher Interviews bietet sich damit ein aktuelles Bild zum Profisportler als wirtschaftender Person, aber auch zum Profisportler als sozialer Person. Hier gibt es sehr umfassende Einblicke in die Lebenswelt der Profisportler Jens Voigt und Fabian Wegmann (Radsport), Otto Addo und Stefan Schnoor (Fußball) sowie Frank Busemann und Ingo Schultz (Leichtathletik).
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Theorie und gesellschaftliche Grundlagen |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Osnabrück
Koentopp
2006
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| Ausgabe: | Osnabrück: Verlag Dirk Koentopp, 2006 . - 272 S. |
| Seiten: | 272 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |