Trainerinnen im Frauenfußball. Eine qualitative Studie
In den oberen deutschen Ligen der populären Mannschaftssportarten sind es nahezu ausnahmslos Männer, die das Traineramt ausüben. Diese Aussage trifft sowohl auf Männer- als auch Frauenteams zu. Während im Männerbereich kein Beispiel dafür bekannt ist, dass eine Frau ein Team coacht, gibt es im Frauenbereich eine Reihe von Ausnahmen. Neben dem Handball und Basketball ist es insbesondere der Frauenfußball, in dem sowohl in der Nationalmannschaft als auch in Bundesligamannschaften Frauen als Trainer fungieren. Eine nähere Betrachtung der Situation von Trainerinnen in diesem Leistungsbereich zeigt aber die weiterhin bestehenden riesigen Defizite auch im Fußball. Während es 2003 nur 32 lizenzierte Trainerinnen gab, waren mehr als 4700 Männer im Besitz einer solchen Lizenz in Deutschlands populärster Sportart. Diese Situation wirft natürlich Fragen nach den Ursachen auf, denen die Autorin des vorliegenden Buches nachgeht. Einerseits galt es festzustellen, warum gerade im Fußball Frauen das Traineramt eher übertragen wird als in anderen Sportarten. Andererseits sollte aber auch analysiert werden, woher die grundlegenden Probleme der Rekrutierung und Anstellung von Trainerinnen im Fußball bestehen. Die Interviews mit den Trainerinnen weisen dabei auf manch Problem hin, dass es ihnen erschwert, ein Traineramt anzustreben, zu übernehmen und auszuüben. Dazu zählen die Kosten für den Erwerb einer Lizenz (die sich nur in den seltensten Fällen durch fußballbezogene Einnahmen decken lassen) und die bisher nicht durchgängig festgelegte Notwendigkeit einer Lizenz, um eine Frauenmannschaft zu trainieren. Außerdem gibt es eine ganze Reihe von typischen Barrieren im Umgang mit den Verbänden, den Schiedsrichtern, den Medien und den Spielerinnen selbst, die im Buch auch angesprochen werden. Bemerkenswert sind die in diesen Zusammenhängen vorgestellten Handlungsstrategien zur Lösung entsprechender Probleme. Andererseits lassen die Untersuchungsergebnisse auch vermuten, dass ein Trainerinnenamt im Fußball (noch) leichter zu erreichen ist, da für Männer dieses Amt (noch) relativ uninteressant ist. Letztlich zeigt sich auch, dass das Lizenzierungssystem im Deutschen Fußball-Bund bisher sehr stark auf die Belange von Jungen- und Männermannschaften zugeschnitten ist. Hier deutet die Autorin Handlungsbedarf an. Insgesamt bietet das Buch eine Vielzahl sehr interessanter Einsichten und Denkanstöße für den Frauenfußball.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Sozial- und Geisteswissenschaften |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Schorndorf
Hofmann Verlag
2005
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| Ausgabe: | Schorndorf: Hofmann, 2005. - 431 S. |
| Schriftenreihe: | Reihe Junge Sportwissenschaft, 10 |
| Seiten: | 431 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |